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Die Empfehlung glaubiger Seelen gegen Gott : Wurde Bey der solennen Leichen-Begängniß der Weyland Frey-Reichs-Hochwohlgebohrnen Frauen, Frauen Anna Sibylla von Garben, Des Heil. Röm. Reichs-Freyin, auch Edler Frauen von Gibelli, gebohrner Seyfridin, hochseeligen und gesegneten Angedenckens, alls dieselbe im Jahr Christi 1740, Dienstags den 12. Jenner in dem 61ten Jahr ... entrissen ... Einer Hoch-Adelichen, Hoch- und Wohl-Ehrwürdigen und Hochansehnlichen Trauer-Versammlung von dem Altar gehaltenen Trauer-Sermon vorgestellet / von Samuel Widemann, Pfarrer zu St. Ulrich Augsp. Conf.
Entstehung
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6 Dee Empfehlung glaubiger Seelen gegen GOtt.

dem vorgeſteckten Ziel, dem Kleinod/ welches vorhaͤlt, die himmliſche

I bincken auf beyden Seiten; ſondern ſie gehen alle ihren Weg, ihre Lebens⸗

Solches Befehlen geſchiehet nach der lateiniſchen Uberſetzung der Worte:

Thun gelingen, wie ihre Anſchlaͤge fortgehen, was ihre Arbeit fruchte, 1 der Ausgang ihres Lebens von auſſen ſeyn werde, ſondern ſolche Sorgen alle

ſich unter den wahren Kindern GOttes keine, die den ganten Tag des Le⸗ bens am Marckte ſtille ſtehen, dann ſie ſind alle gedinget mit dem Wort: Gehet ihr auch hin; keine, die zuruͤcke gehen, dann ſie jagen alle nach

Beruffung GOttes in JEſu Chriſto unſerm HErrn/ keine die da

Leidens⸗Berufs⸗Wege, ja ihre Buß⸗Glaubens⸗ und Heiligungs⸗Wege un⸗ ſtraͤfich.

Aber damit ſie richtig vor ſich wandlen, ſo befehlen ſie ſelbige dem HERRN: Sie glauben alſo nicht, daß ſie aus eigner Vernunfft und Krafft gehen koͤnnen, das iſt, ausrichten, was GOE ihnen befohlen:

Kevela Domino vias tuas, durch das anhaltende Gebet, welches iſt eine Rede des Mundes, und ein Geſpraͤch des Hertzens mit GOtt, darinn ſie ihr Anliegen dem HERRN entdecken, ihre Klage vor ihm ausſchuͤtten, und ihn um ſeinen Beyſtand angehen: Es geſchiehet nach der heiligen Spra⸗ che durch ein geiſtliches Hinwaͤltzen, welches iſt die von oben her erlernete

Kunſt der Chriſten, ſich nicht mit unruhigen Sorgen zu plagen, wie ihr

ihr Gottſeeligkeit nutze, ihre Leiden vor ein Ende gewinnen, und welcherley

der Goͤttlichen Fuͤrſorge zu uͤberlaſſen: Bey welcher Wegwaͤltzung des Sor⸗ gens⸗Stein von der Thuͤr ihres Hertzens ſie auch bewahret werden vor al⸗ lerley verbottenen Mitteln, durch welche offt die Welt ihr Thun foͤrdern, ihre Rathſchlaͤge gluͤcklich machen, ihre Leiden verkuͤrtzen, ja ſelbſt den Todt uͤberwinden will: Dann ſie glauben und wiſſen, der HERR ſey ein Mei⸗ ſter zu helffen, ein GOTT zu ſeegnen, ein Erloͤſer zu erretten, und ein Licht zu erleuchten an allen Orten: Ihnen genuͤget ſchon an dem Wort des Be⸗ fehls, worzu er ſie in ihrem Stande fuͤhret, an dem Wort der Verheiſſung, nach welchem er weder verlaſſen noch verſaͤumen will, und alſo ſeyn ſie in GOTT zufrieden, weil auch ihre Wercke ſind in GOtt gethan.

Dis Empfehlen hat zu einem Hauptſtuͤck die Hoffnung und das Ver⸗ trauen zu GOtt, darum ſetzt David darzu, Und hoffe auf Ihn/ oder vertraue ihm, und iſt alſo ein glaubiges Empfehlen, wie es auch allein von Glaubigen geſchiehet: Dieſe richten ſich in ihrer Arbeit und Muͤhe, und in all ihrem Werck nicht auf, etwa mit einem leidigen Troſt einiger Wei⸗ ſen der Welt, es gehe alles nach einer unveraͤnderlichen Nothwendigkeit, und muͤſſe man demnach es nur gehen laſſen, wie es gehe, nur willig leiden, was man nicht kan meiden; denn das hieſſe eben ſo viel, als das Schiff dem Wind