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Die Empfehlung glaubiger Seelen gegen GOtt. 3
Iſt nun des Empfehlens unter den Menſchen und gegen die Menſchen
ſo vieles, wer muß es nicht loben, wenn ſich die Seele, von allen Menſchen abgewandt, GOtt allein, beſtaͤndig und vornehmlich empfihlet, dann ſolches ſchen wir im Anfang der Rede an alb ihre anbefohlne Ubung/ Beſihl dem HERRR/ ſpricht David, der ſo manche gute und boſe Weg ge gangen, deine Wege/ und hoffe auf Ihn:
V Eine Ubung, die zwar insgemein befohlen, doch nur von denjenigen Seelen kan befolget werden, die geſinnet ſind, wie David, der Mann nach dem Hertzen und Willen GOttes: Dann, wie ſollen ſich die GOtt empfeh⸗ len, die von ſeinen Wegen nichts wiſſen, noch auf ihren eignen rechtmaͤßi⸗ gen und geraden Wegen einher gehen wollen: Die in keiner Gemeinſchafft mit GOtt ſtehen, die keinen Zutritt zu ihme in Chriſto haben, weilen ihre Miſſethat nicht verſoͤhnet, die einem andern nacheilen, und nach dem Wil⸗ len des Fuͤrſtens dieſer Welt, der in der Finſterniß herrſchet, wandeln: und befihlet ſich ihme ſchon Ihr Mund in dem Gebet der Lippen, ſo iſt doch das Hertz ferne davon, und folglich ihre Empfehlung kein Ernſt, ſondern Heucheley und untugend, auch vergeblich, weil GOtt die Suͤnder nicht bertt⸗ ſoldern ſie in ihrem Unglauben und Boßheit ſind ohne GOtt in er Welt.
Aber glaͤubige, gehorſame, fromme Seelen koͤnnen ſich mit Nuten an dieſem Werck der Gottſeeligkeit uͤben, dann ſie wiſſen, GOtt habe Acht auf alle ihre Wege, Er zeige ihnen den rechten Weg, Er foͤrdere ihren Gang, Er bewahre ihren Fuß, daß er nicht ſtrauchle: Dannenhero wie ſich die Kinder empfehlen ihrem Vater, die Knechte den Herren, die Un⸗ terthanen den Regenten, die Clienten den Patronen, und die Arme den Wohlthaͤtern, alſo empfehlen ſie ſich GOtt, der alles dieſes und doch meh⸗ rers iſt.
Die Wege aber die ſie ihme befehlen, ſind ihre Wege, niht die b ſie ſelbſt erwaͤhlet zu gehen, ſondern die ihnen von GOtt gebotten, in ſeinem Wort durch mancherley Gelegenheit gezeiget, und bereits von ihme gebahnet worden: Hieher gehoͤren alle ihre menſchliche und Chriſtliche Handlungen, alles Thun und Laſſen, alles Arbeiten und Leiden, alles Kaͤmpfen und Rin⸗
gen, und der gantze Beruf, indem ſie ſowohl als Menſchen, gleichwie als Chriſten ſtehen: Dieſe Wege ſind unterſchiedlich, wie vielerley Wege den Wanders⸗Mann zu einem Ort fuͤhren koͤnnen, Manche gehen mit andern einerley Wege in Geſellſchafft, andere haben ihre gantz beſondere Wege und Fuͤhrungen von Jugend auf, alle aber haben doch ihren Weg, den ſie gehen ſollen, und ſonſten weder zur Rechten noch zur Lincken: Folglich enhen
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