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Die Empfehlung glaubiger Seelen gegen Gott : Wurde Bey der solennen Leichen-Begängniß der Weyland Frey-Reichs-Hochwohlgebohrnen Frauen, Frauen Anna Sibylla von Garben, Des Heil. Röm. Reichs-Freyin, auch Edler Frauen von Gibelli, gebohrner Seyfridin, hochseeligen und gesegneten Angedenckens, alls dieselbe im Jahr Christi 1740, Dienstags den 12. Jenner in dem 61ten Jahr ... entrissen ... Einer Hoch-Adelichen, Hoch- und Wohl-Ehrwürdigen und Hochansehnlichen Trauer-Versammlung von dem Altar gehaltenen Trauer-Sermon vorgestellet / von Samuel Widemann, Pfarrer zu St. Ulrich Augsp. Conf.
Entstehung
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I auch vor etwa 15. Monaten in ihrem eignen Hauſe, in ihrem Wohn⸗Zimmer und vor ihren Augen, aus ihren naheſten edlen Anverwandten geſehen,

dabey Selbige um ſo vielmehr an Sich ſelſten, und an das wahre Wort:

Wer weißt/ wie nahe mir mein Ende! wird gedacht haben, als Sie ſeit letzterer Kranckheit abgewichenen Jahres vielfaͤltig gegen vertraute Gemuͤther bezeuget, wie Sie Sich eines ſchnellen Todes beſorge, als von welchem Sie auch die letzte Nacht ihres Lebens getraͤumet.

Doch was hindert es Ihrer Seeligkeit, daß Ihr letzter Gang geweſen,

von der Tauffe in den Todt/ Sie hatte ja alle Ihre Wege, die or⸗ dentliche und auſſerordentliche, die vermuthete und unvermuthete, die weite

und kurtze dem HERRN befohlen, und ihn zum Fuͤhrer und Leiter erkieſet,

erbetet angenommen und bekommen. Ihr koͤſtlicher Wahl⸗Spruch, das 1 theure werthe Wort Davids im Pſalm 37. v. 5. bezeuget ſolches, das alſo lautet:

Befhhl dem BeNR deine Wege/ und hoff

Welches uns vorhaͤt

Glaubiger Geelen Smyfchlung gegen Hoehchä.

Welch unſtem GOèè denn auch dieſe Wrauer⸗MRede zu Mitthei⸗ lung ſeiner Gnade empfohlen ſeye, Amen!

dung des Gruſſes, welcher doch heiſſet ein Anwuͤnſchung alles Guten, vor Einfalt und Geringſchaͤtzung angeſehen wird; ſon⸗ derlich empfehlen ſich die Untern den Obern, und wollen ſich durch

M empſihlet ſich zu unſern Zeiten einander, da eine bloſſe Vermel⸗ 3

ſolche Empfehlung dero Gnade, Schutz, Wohlthaten und Huͤlfe erbitten: 1 Vieler Misbrauch iſt in ſolcher Empfehlung, ob ſie ſchon in ſeiner Maaſſe l

noch gelten mag; denn vielmals iſt ſelbige vergeblich bey denen, die zu un⸗l ſerm Beſten weder etwas beytragen konnen noch wollen, zuweilen wohl ſündlich, als die zum Zeugniß dienet, wie man ſich groſſer Leute Gnad und Gunſt, Gewalt, Macht, Reichthum, Witz und Kunſt gar laß zum Ab⸗ gott werden. 1