Die Empfeduung glaubiger Seelen gegen GOtt 33
Sie. Sie gieng alſo von einer heiligen Handlung zu der andern; von Ubergebung einer andern Seele, zu der Ubergab des eignen Geiſtes in die Haͤnde des Schoͤpffers. O ein wunderbahrer und trauriger, aber doch auch heiliger und ſeeliger Gang! Einige der erſten Chriſten, und ſelbſten der erſte Chriſtliche Kayſer Conſtantinus, der Groſſe, ſchoben ihre Tauffe bis auf den annahenden Tode auf, weilen ſie, wiewohlen in Irrthum glaubten, daß nach empfangener Tauffe, keine weitere Vergebung der Suͤnden zu er⸗ langen; dieſe Tauffe aber war von dem HERRN, der dem Menſchen ein Ziel geſetzt, welches er nicht uͤbergehen ſoll, bis auf dieſen Abend verſpah⸗ ret, damit die Hochſeelige Frau, da Ihro bey dem ſchnellen Einbruch des Todes kein Troſt von den Dienern Chriſti mehr zukommen ſolte, durch den 4 Geiſt GOttes bey ſo erbaulicher Gelegenheit zu Erneurung ihres eignen 4 Tauff⸗Bundes in ihrem Hertzen kraͤfftig ermahnet wuͤrde; da ohne dem die Tauffe nach der Apoſtoliſchen Lehre ein Bild des Todes mit ſich fuͤhret, nemlich der Einſenckung in den verſohnenden Todt JEſu, und der Ertoͤd⸗ tung des alten Menſchen: Dann wir ſind mit Ehannd Gepraben durch 4
die Tauffe in den Todt,
Sonſten zwar ſchencket die Tauff das eben dem Taͤuffling, nicht! das Leibliche, welches die Geburt giebet, ſondern das Geiſtliche, das iſt, das Leben im Glauben des Sohnes GOttes, und das Recht zum ewigen Leben; Sie machet auch auf ein neues leben Chriſtliche Eltern und gottſeelige Gevat⸗ tere, die ſich freuen, daß das Kind durch die Tauffe aus dem Todt in das Leben kommen; aber in dieſem Fall ſollte der Weg zur Handlung der Tauffe, wiewohl allen Menſchen unbekant, ein Weg zum Tode werden derjenigen Perſon, welcher Gebet nach dem Mittel des Lebens, welches die Tauffe iſt, dem Kind zum Leben geholffen: Dann ſehet welche Veraͤnderung! 1Hier iſt vor dieſen Altar geſetzet ein Leichen⸗Sarg; und darinnen lieget der in einer kuͤrtze erblaßte Leichnam einer edlen Frauen, welche wenige Tage zuvor vor dem demſelbigen in aller Lebhafftigkeit des Geiſtes geſtanden: Hier mangelt aber eine auserleſene Seele, die dabey den Leib bewohnet und belebet, dann ſie iſt in das ewige Hauß GOttes im Himmel, das nicht mit Menſchen Haͤnde gemacht, eingegangen, und vor dem Altar des Hoͤchſten, um den die dienſtbahre Geiſter, und die Geiſter der vollkommenen Gerechten ſtehem, erſchienen: Es war auch nicht anderſt, als wenn ihr der HErr JEſus Chriſtus eroͤffnet, wie ſie ihre Huͤtte bald ablegen wuͤrde, indem die vor dem Wochen⸗Bette der froͤlſichen Kinder⸗Mutter damals mit Ihr geſtandene Chriſtliche Frauen bezeugen, daß der erloͤſeten Seele Geſpraͤche daſelbſten vornehmlich auf die ſchnelle Todes⸗Faͤlle gegangen, dergleichen nicht nur vor Pwenigen Wochen eine wuͤrdige Prieſters⸗Frau betroffen, ſondern 2
A 2 au
—


