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Der Milzbrand, eine unter dem Rindviehe, den Pferden und Schweinen häufig herrschende Seuche und deren sicherstes Heilmittel / von G. A. Weber
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bald gelinde und weniger gefahrvoll fuͤr das Leben iſt. Dieſen Kampf nehmen wir wahr durch die Symptome. So manche Erfahrungen am Krankenbette haben mich zu der überzeugung gebracht, daß ſelbſt die krankhaften Er⸗ ſcheinungen, die wir kurz vor dem Eintritt des Todes beob⸗ achten, lediglich die letzten Anſtrengungen der Lebenskraft und deren Reaction ſind*). Durch die Lebenskraft werden viele

*) Im Typhus z. B. machte ich folgende Erfahrung. Nachdem die gefaͤhrlichſten Symptome der Krankheit, um nicht zu weitlaͤuftig zu ſein, beſeitiget ſchienen, wozu acht Doſen eines Mittels nothwendig wa⸗ ren und zwar in ſehr kurzen Zwiſchenraͤumen gereicht, ſo nahm die Er⸗ ſchoͤpfung aller Muskelkraͤfte eher zu als ab, beſonders das Gefuͤhl einer Bleiſchwere des ganzen Koͤrpers, ſo daß das Muskularſyſtem wie ge⸗ laͤhmt ſchien. Ich reichte kein Mittel, in der Hoffnung, daß das fruͤher gegebene Mittel noch immer die Reaction unterſtuͤtzen werde. Es ſtell⸗ ten ſich nach etwa 24 Stunden diejenigen krampfhaften Erſcheinungen ein, die den nahen Tod anzuzeigen pflegen, alg: risus sardonicus, Spas- mus cynicus, Crodicismus, dann jenes blaſende Ausathmen, wobei durch die ausgeſtoßene Luft die Lippen unwillkuͤrlich aufgehoben werden, wie ſolches bei eingetretenem Schlagfluß wahrzunehmen iſt; der rechte Mund⸗ winkel war ſchief gezogen; die Augen ſtarr, ſtier und unbeweglich, ohne Empfindlichkeit zu verrathen; der Puls klein, fadenfoͤrmig, hoͤchſt ungleich, ausſetzend. In dieſem gefahrvollen Zuſtande unternahm ich weiter nichts, als ſuchte die Reaction der Lebenskraft durch Ausſtroͤmung eines Theils meiner Lebenskraft d. i. durch Magnetismus zu unterſtuͤtzen. Nachdem der Kampf der Reaction um Leben oder Tod auf dieſe Weiſe etwa ¾ Stunde gedauert hatte, nahmen allmaͤlig die ominoͤſeſten Symptome ab und nach Verlauf einer halben Stunde war dieſer Gefahr drohende Anfall verſchwunden. Obgleich dieſer Anfall noch zweimal in Zeit von 24 Stunden wiederkehrte, ſo war derſelbe doch immer weniger gefaͤhrlich und wurde auf dieſelbe Weiſe beſeitiget. Bei dieſem lebensgefaͤhrlichen Anfall glaube ich annehmen zu doͤnnen, daß das feindliche Agens die Oberhand zu gewinnen ſtrebte, indem die Reaction der Lebenskraft nicht hinlaͤngliche Kraft hatte, daſſelbe vom Gehirn abzuhalten; dennoch bot dieſelbe alle Kraft auf, um das wichtigſte Organ zu ſchuͤtzen, und das feindliche Agens auf minder wichtige Theile zu werfen, welcher gefaͤhr⸗ liche Kampf durch oben angegebene Symptome wahrgenommen wurde. Ohne aͤrztliche Unterſtuͤtzung wuͤrde die Lebenskraft unterlegen haben, denn in der Regel erfolgt bei dem beſchriebenen Zuſtande bald totale Laͤh⸗ mung der Reaction, d. i. Tod. Die zuruͤckbleibende Laͤhmigkeit des Muskularſyſtems uͤberwand die Reaction allmaͤlig mit Beihuͤlfe weniger Mittel und die Erhaltung des ſo ſehr von Gefahr bedrohten Lebens war die Folge der im Organismus wohnenden Lebenskraft und meines einfa⸗ chen ruhigen Handelns. 4

Ferner beobachtete ich im Nervenſieber einige Male den Dazutritt des Tetanus und Trismus. So oft dieſer Starrkrampf eintrat, ſo hoͤr⸗ ten die Delirien auf und offenbar wurde dadurch, daß das Muskularſy⸗ ſtem vorzuͤglich in Mitleidenſchaft gezogen wurde, durch die Reactjon der Lebenskraft von einer großen Gefahr befreiet. Denn ſobald es mir ge⸗