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Der Milzbrand, eine unter dem Rindviehe, den Pferden und Schweinen häufig herrschende Seuche und deren sicherstes Heilmittel / von G. A. Weber
Entstehung
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ter vorherging, oder heiße Fruͤhjahre und Sommer ſehr naſ⸗ ſen Wintern folgten. Deſſen ungeachtet erkranken auch bei kalter Witterung im Winter die Thiere am Milzbrande, wie auch Andere beobachteten, nur nicht ſo haͤufig, wie in heißer Jahreszeit. Im letztverfloſſenen Winter z. B., der freilich nicht ſehr kalt war, erkrankten hier in meinem Wohnorte vom Ja⸗ nuar bis Anfang Maͤrz etwa 15 Stuͤck und ſeitdem, obgleich der darauffolgende Sommer ſehr heiß und trocken war, kein Stuͤck weiter, bis jetzt vor wenigen Tagen, wo eine fruͤhe Kaͤlte eingetreten iſt. Ferner bleiben einzelne Ortſchaften in der Gegend, in welcher der Milzbrand jaͤhrlich herrſcht, bei fuͤr die Entſtehung des Milzbrandes gleich guͤnſtiger Witterung, von dieſer Krankheit ganz verſchont, ſo daß die heiße Witte⸗ rung gewiß nicht allein die Urſache der Krankheit ſein kann, welches wir um ſo weniger annehmen duͤrfen, wenn wir die Erfahrungen einiger AÄrzte leſen, nach welchen das Hochwild in kuͤhlen Waͤldern haͤufig an dieſer Krankheit ſtirbt. Wenn die heiße Witterung eine Haupturſache des Milzbrandes waͤre, ſo koͤnnte fuͤglich das Wild in kuͤhlen Waͤldern nicht von der Krankheit befallen werden. Man kann mithin die anhaltend heiße und trockene Witterung, ſtreng genommen, nicht als Ur⸗ ſache der Krankheit, ſondern richtiger als Bedingung, unter welcher der Milzbrand am meiſten und gefaͤhrlichſten herrſcht, anfuͤhren. 114G

2) Mehlthau, der im Sommer nach Regen oder. nach kuͤhlen Naͤchten beſonders angetroffen wird. Des Morgens ſieht man einen waͤſſericht klebrichten, ſuͤßlichten Saft aus den Gewaͤchſen ausſchwitzen, der durch die ſtarke Sonnenhitze dos Tages austrocknet und ſich ſtaubig und mehlig an die Pflan⸗ zen haͤngt. Zugleich entwickeln ſich unzaͤhlige Blattlaͤuſe, die das Saftige und Weiche der Pflanzen verzehren und den Reſt mit Schleim uͤberziehen. Einige Autoren ſind ſo weit gegan⸗ gen, dieſen Mehlthau ohne Zweifel als die veranlaſſende Urſache des Milzbrandes anzugeben. Dem iſt aber bei wei⸗ tem nicht ſo. Die Krankheit ergreift eben ſo gut dasjenige Vieh, welches im Stalle gefuͤttert und gar nicht auf die Weide getrieben wird, ſelbſt bei der ſorgfaͤltigſten Stallfuͤtterung. Fer⸗ ner beobachten wir die Krankheit in den Orten gar nicht, wo dieſe boͤßartigen Mehlthaue eben ſo gut geſehen werden, als dort, wo die Krankheit fortwaͤhrend vorkommt. Ferner, wenn Mehlthau die Urſache der Krankheit wirklich waͤre, ſo duͤrfte der Milzbrand in der Jahreszeit, in welcher das Vieh auf keine Weide getrieben werden kann, ſondern hauptſaͤchlich auf die Stalfuͤtterung beſchraͤnkt werden muß, gar nicht vorkommen.