Druckschrift 
Der Milzbrand, eine unter dem Rindviehe, den Pferden und Schweinen häufig herrschende Seuche und deren sicherstes Heilmittel / von G. A. Weber
Entstehung
Seite
11
Einzelbild herunterladen

11

im Stalle lezen ſie ſich, und ſtehen auch dann nicht auf, wenn Jemand zur rechten Zeit zur Fuͤtterung kommt, ſelbſt Schlaͤge koͤnnen ſie nicht zum Aufſtehen bringen. Auf der Weide bei der Heerde ſondern ſie ſich ab, bleiben hinter der⸗ ſelben zuruͤck, ſtellen ſich einſam und traurig in den kuͤhlen Schatten eines Baumes, wiederkaͤuen nicht, holen langſam und tief Athem, ſind uͤberhaupt betaͤubt, verwirrt und ziem⸗ lich unempfindlich; melkende Kuͤhe geben wenig oder gar keine Milch mehr; manche andere ſind unruhig, vorzuͤglich die im Stalle gehaltenen ſchauen wild ruͤckwaͤrts, wechſeln oͤfters mit Liegen und Stehen, bruͤllen, ſchreien oͤfters und ſchaͤumen mit dem Munde; das Flotzmaul hat nicht mehr ſeinen naſſen glat⸗ ten Spiegel, ſondern iſt mehr trocken und mit Perlentropfen beſetzt; Puls⸗ und Herzſchlag ſind kaum fuͤhlbar. Manche an⸗ dere ſtellen ſich oͤfters zum Miſten an, ohne aber daſſelbe voll⸗ bringen zu koͤnnen.

Von Am⸗Pach vergleicht den Milzbrand mit dem anſtecken⸗ den Typhus des Menſchen und ſchildert uns den Milzbrand wie folgt. Vorboten ſind: Herabhaͤngender Kopf, den die Thiere, um ſeine Schwere weniger zu fuͤhlen, auf erhabene Gegenſtaͤnde, z. B. auf die Krippe, oder anderes Holzwerk auflegen; waͤſſerichte Augen und ſteifer, ſtarrer Blick; der Gang iſt wankend und ſchwerfaͤllig, die Fuͤße werden im Gehen hoͤ⸗ her als gewoͤhnlich empor gehoben, die Eßluſt iſt gering, in den Handlungen zeigt ſich Boͤsartigkeit, die Thiere ſtoßen und ſchlagen auf die ſich ihnen Nahenden, ſelbſt auf die Waͤrter; die Thiere werden ſtumpfſinniger, und ihre Munterkeit ver⸗ mindert ſich auffallend; einige laſſen ihre Stimme ſo vielfaͤl⸗ tig vernehmen, daß die Waͤrter durch dieſe oft und ungewoͤhn⸗ lich gehoͤrten Toͤne aufmerkſam gemacht unter der Heerde auf der Weide, oder im Stalle nachſehen; Arbeitsthiere ermuͤden leicht und gerathen bei der Arbeit in ſonſt nicht gewoͤhnliches Schwitzen, alle willkuͤhrlichen Bewegungen werden traͤge, die Miſtung iſt feſter, und die Furcheneindruͤcke im Miſte ſind deutlicher. Geht die Krankheit weiter in ihrem normalen Ver⸗ lauf, ſo entſteht nun

das erſte Stadium, das Reizſtadium.

Froſt iſt maͤßig, unmerklich; die Haare ſtraͤuben ſich auf der Wirbelſaͤule bis zum Kopf, die Hinterfuͤße zittern, und die oberflaͤchlichen unter der Haut gelegenen Muskeln zucken, matt i*ſt jede willkuͤhrliche Bewegung, jede Anſtrengung unmoͤglich und eine allgemeine Ermattung ſieht man ihm deutlich an. Am Flotzmaule, an dem Grunde der Hoͤrner und an den Klauen bemerkt man einen Wechſel zwiſchen brennender Hitze