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Eine Wohl-vollbrachte Ritterschafft Und Wallfahrt zur ewigen Wohlfahrt, Dardurch man des Himmlischen Kleinods wird theilhafft : In einer sonderbahren Leichen-Rede, Aus 2. Tim. IV,7. 8. Nach dem seeligen Ableiben Des ... Herrn Johann Heinrich Palmen ... Hof-Jubiliers, und Niederlags-Verwandten zu Wien ... Als Derselbe ... 1710. den 18. Aprilis allda seelig gestorben ... / Vorgestellt und auf Begehren ausgefertiget Von M. Ludwig Carl Ditzinger, Ministerii Seniore
Entstehung
Seite
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, 140 Trauer⸗und Troſt⸗Gedichte. Die Haare rauffet aus/ in Thraͤnen will zurinnen/ Sich in den Abgrund ſtuͤrtzt/ das Haupt ſtoßt an die Wand. Das heiſſet mit Gewalt das Schickſaal wollen meiſtern/ Und dem Verhaͤngniß ſelbſt fuͤrſchreiben Maaß und Ziel Durch des Geliebten Todt ſich ſelber gantz entgeiſtern Daß uͤber dem Verluſt man nicht den Schmertzen fuͤhl. Da doch/ fuͤr der man faſt mußt alle Brunnen ſtopffen/ Und der kein Trauer⸗Kleid ſchwartz gnug geweſen iſt/ Die Zeit benommen leicht den Schmertz und Hertzens Klopffen/ Und aus dem Trauer Flor dem Antlitz muſchen mißt. Auch hat ſich manche ſchon darmit zu troͤſten wiſſen), Daß der ſie hat begleit zu ihres Mannes Grab/ Doch ihrer Hoffnung noch nicht ſey zugleich entriſſen/ V und was der Tod geraubt/ das Leben uͤbrig hab. Doch/ wie das erſt zu viel/ nun diß zu wenig heiſſet/ Ein tugendlich Gemuth behaͤlt die Mittel⸗Maß. Mn Thraͤnen ſie zugleich ſich nicht das Hertz ausreiſſet/ Ob ſchon des Hertzens Freud mitgeht die Todes Straß. Es kan ein Eh⸗Weib wohl in Liebe und Gedancken Mit dem Verſtorbenen noch ſtets vermaͤhlet ſeyn) Ein Grabmahl richten auf m ihres Herhens Schrancken Und ins Gedaͤchtnuͤß⸗Plan ſein Bildnuͤß graben ein. Auch wohl kein frembdes Bild mehr an die Seite ſehen/ Dem/ den ſie noch im Todt mit treuer Liebe meint/ Weun zweyte Ehe ſollt die erſte Lieb verletzen 8 Als ob ſie nur ſich ſelbſt und nicht den Mann beweint.

Doch muß man dem Geſchlecht nicht zweyfach Wunden ſchlagen/ Noch mit dem Haupt zugleich die Bruſt dem Kind entzih'n; Wie Turtel⸗Tauben zwar den Todt des Buhlen klagen Mit Girren/ doch das Neſt und Junge mnuner fiieh n. Durch Finſterniß der Mond verlieret offt die Sonnen/ Doch laßt Er ſeinen Lauff und ſchwache Wuͤrckung nicht/ Ob Ihm das Silber⸗Liecht und Anmuth ſchon zerronnen/ Hellt nach dem Trauer⸗Flor Er wieder das Geſicht. Iſi dann der Mann die Sonn/ das Weib der Mond im Hauſe/ Muß Sie erblaſſen zwar/ wenn jener untergeht/ Doch naͤhrt die Ho nung ſie/ daß/ nur nach kleiner Pauße/ Ihr Liecht werd neu uufhehn ſie ſchrecken kein Comet. Was Artemiſia fuͤr Nachruhm hab erlanget Bezeugt das Wunderwerck/ ihres Mauſoli Grab/ Damit dem Todte ſie zu trotze hat gepranget/ Da ſie den eignen Leib dem Mann zum Grabe gab. Indem ſie ſeine Aſch mit ihrem Tranck vermiſchet und beeder Bildnuſſe verſetzte in Agat/

Zum Zeichen/ wie diß Steins Liecht nimmermehr verliſchet/ So ihre Liebes⸗Flamm werd brennen frͤh und ſpat.