6 Chriſtliche
Ihr Arme aber/ die ihr Zeugen koͤnnet ſeyn ſeiner Liebe/ habt einen in der Stille freygebigen und nicht Ruhm⸗ und Danck⸗ſichtigen Wohlthaͤter zuruck laſſen muͤſſen; deſſen Liebe ihr dannoch auch nach ſeinem Tod zu genuͤſſen haben werdet/ indeme Er aus einem ungemeinen groſſen Capital jaͤhrlich das Intereſſe euch zuge⸗
dacht hat. Um euch nach ſich zu ziehen zu dem/ wo ewige Schaͤtze und Vergnuͤ⸗ gen zu finden.
Nun ſo ziehe hin/ lieber Palm/ und hole uns hald nach; ruhe wohl/ diß alle Welt erwacht/ ruh wohl zu tauſend guker Nacht! dein Gedaͤchtnuß bleibe in⸗ deſſen bey uns im Seegen/ ſo lange die Tage des Himmels waͤhren!
Ja/ wir ziehen Ihme alle/ jeder in ſeiner Ordnung/ zu ſeiner Zeit/ GOtt gebe/ alle ſeelig/ nach/ und ſchicken uns indeſſen mit allem Fleiß/ dann der Tod kommt uns gleicher Weiß. Zu dem Ende ſind wir hier zuſammen getretten/ eines ſolchen
um unſer Stadt⸗Weſen wohl⸗meritirten Mannes nicht nur zu ſeinen letzten wohl⸗verdienten Ehren zu gedencken/ ſondern die Betruͤbten zutroͤſten/ mit dem Troſt damit wir getroͤſtet kverden; uns unſerer Sterblichkeit zu erinnern; der Gerechten Ende zu betrachten/ ihrem Glauben zu folgen/ und vornemlich in der Verkuͤndigung
des Todes Chriſti zu ſeuffzen: Unſere Seele muͤſſe ſterben des Todes dleſes Gerechten/ und unſer Ende muͤſſe ſeyn/ wie ſein Ende/ Amen.
Wert⸗M 2. Tim. IV;, 7. 8.
Sch habe einen guten Kampff gekaͤmpffet/ ich habe den Gauff vollendet/ ich hab lauben gehal⸗ ten. Hinfort iſt mir beygelegt die Cron der He⸗ rechtigkeit/ welche mir der HKrꝛ an jenem Tage/ der gerechte Michter/ geben wird/ nicht mir aber allein/ ſondern auch allen/ die ſeine Erſcheinung lieb haben.—
—
Singang.
Siſt vollbracht! So lautet das mitten im Leiden und Tod dennoch freudige und merckmuͤrdige Valet-Wort Chriſti/ welches in hieſiger Kirchen am Char⸗Freytag pflegt in andaͤch⸗ tige Betrachtung gezogen zu werden und heiſſet: Es iſl voll⸗ bracht. O was Gnade/ was Freude/ was Ruhe/ wann man das Ziel erreichet hat/ und es heiſſet: Es iſt vollbracht. Aller Anfang iſt ſchwer/ der Fortgang voller Muͤhe/ aber
wann


