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Leich⸗Predigt. · zwar iſt/ als waͤre er nicht geſtorben/ weil er ſeines gleichen hinterlaſſen/ und in dreyfachen Eben⸗Bildern noch lebet. Syr. XXX, 4. dannoch muß Sie winſeln und klagen: Ich bin eine Wittwe/ein Weib das Leyde traͤgt/ mein Mann iſt mir geſtorben/ und meine Wayſen haben keinen Vatter. 2. 8am. XIV,;. eine ſolche iſt ja ohne dem vor den Augen der Welt ſchon wie geſtorben ge⸗ acht; aber von GOtt wohl bedacht/ bewacht; deren mit Wahrheit das Zeugnuß einer Tugend⸗Matron kan gegeben werden von der gantzen Stadt. Kuth. c. III, 11. als welche der Welt abſtirbet/ und ſichuͤbet im taͤglichen Sterben; obwohlen ihr Leyd ſcheinet unſterblich zu ſeyn.
Ihr beſtes Kleinod hat Sie in der Niederlag zu Wien gelaſſen/ wird Ihr aber als eine Beylage im Himmel aufbehalten; iſt nicht verlohren/ ſondern verwah⸗ ret. Sie komint als Naemi wieder leer/ aber voller Hoffnung/ Sie werde Ihren Todten von der Auferſtehungwiedernchmen/ welches einige ihren Verluſt Ihr wie⸗ der erſetzen/ und ihr Leidenleidentlich machenkan.
Wie ſchmertzlich aber der Tod der Frau Wittib/ ſo toͤdtlich iſt er den Herren Sohnen undlieben Kindern gefallen; als durch welchen ihnen nicht nur eine toͤd⸗ liche Wundengeſchlagen worden; daſichiihr hertzlich geliebter Herr Vatter ihnen noch einmal leiblich præſentirte zum ewigen Abſchied in dieſer Welt; iſt leicht zu er⸗ achten/ daß ihnen nicht anderſt zu Muth werde geweſen ſeyn/ als wenn ihnen die Sonne im Mittag untergienge; als wenn einem Baum die Wurtzeln abgehauen werden; als wennden Gliedern das Hauptentfaͤllet. Allein/ wie die Laſt/ welche Palmen druckt/ zu ihrem Wachsthum dienet; alſo wird der Seegen ihres ſeeligen Herrn Vatters auf Ihnen ruhen/ und werden gruͤnen wie die Palm⸗Baͤume. PſXCII. wie die Cedern auf dem Libano/ wie die Baͤume am Waſſer gepflantzet. Pi. l.
Und wie es nicht ungefehr geſchehen; daß unſer Herr Palm vor den Augen ſeiner Hochangeſehenen und Geehrteſten Herrn Brüdern hat ſollen ſterben/ ſich als eine blaſſe Leich vor deren Augen legen/ und ihnen ein Real- Prediger der Sterblichkeit werden; ſo hat es auch da nicht gefehlet an dem Geſchmack der Bitter⸗ keit des Todes/ je ungemeiner aufrichtig/ bruͤnſtig/ und beſtaͤndig die Bruder⸗ Liebe unter Ihnen war/ welche ſonſten ſo rar.—
Doch glaube/ daß niemand im groͤſſern Ernſt die Worte haͤtte brauchen koͤnnen/ kommet und laßt uns mit Ihm ſterben/ als die hoͤchſt⸗ betruͤbte Frauen Schweſlern deren theils der Verluſt verdoppelt/ und allzuſchmertzlich erneuret iſt. Welche/(wie Sie Ihn/ ſamt den Herrn Schwaͤgern/ ſo ungern haben ſehen hinwegziehen/ und ihnen darvon nichts Gutes das Hertz voraus ſagte /) nicht nur als einen getreuen Bruder/ ſondern gar als einen Vatter und Pfleger beklagen.
Und du Eſſlingen/ haſt einen getreuen Patrioten und Gewiſſen⸗ hafften Haußhalter/ einen unintreſfirten Samuel/ einen Haußhaͤltigen und Gewiſ⸗ ſen ⸗hafften Joſeph/ Ebedmelech/ Obadiam/ und ſehr nutzlichen Mann verlohren; der deine Aufnahm mehr als ſeine eigene Pohlfahrt ſich angelegen ſeyn laſſen/ an deme dir mehr/ alsdu jetzt glaubeſt/ mit ihme abgeſtorben iſt. Deſſen le⸗ dige Rahts⸗ und Amts⸗Stellen der HErr mit einem gleichgeſinnten tapffern Mannerſetzen wolle!
Seine Freunde beklagen, einen rechten Jonathan und Nathanael; Ich aber/ weil ich hier bin andere uͤber dieſem Fall zu troͤſten/ muß mein Beyleyd ver⸗ ſchweigen/ und in der Seille Ihnbetrauwen Ezech. XXIV, 17. J9
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