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4 Chriſtliche
gen ſeinen Freund Lazarumſdaß er auch nachgehends bey ſeinemm Grab Thraͤnen ver⸗ goß/ v. 33.35. Phil. fI, 7. Hebr. IV, 15. ſelbigem in der ferne eine Parentation gehalten/ und aufslieblichſte und beweglichſte zu ſeinen Juͤngerngeſprochen: Laza⸗
rus/ unſer Freund ſchlaͤfft/ aber Ich gebe hin/ daß ich ihn aufwecke. Da nun ſeine Junger meinten/ Chriſtus rede vom leiblichen Schlaff/(da doch der HErr anf ſo angenehme weiß den Todt der Glaubigen vorſtellen wolte /) ſprachen ſie: Schlaͤfft er/ ſo wirds beſſer mit ihme. Da ſagts ihnen JEſus frey heraus: Lazarus iſt geſtorben/(muß ihnen alſo ein groſſes daran gelegen geweſen ſeyn.) Und Ich bin froh(faͤhret Chriſtus fort) um euert willen/ daß Ich nicht da geweſen bin/ auf gaß ihr glaubet. Aber laſſet uns zu ihme ziehen. Daſprach Thomas der da genennet iſt Zwilling/ zu den Jungern/ laſſet uns mit ziehen/ daß wir mir ihm ſierben. Es verſtehet aber der willige Thomas Chriſtum/ mit deme er zu ziehen/ und mit zu ſterben ſeine Mit⸗Bruͤder ermahnetals welcher ſeine Leyd⸗Bezeu⸗ gungen uͤber ſeines Freundes Todt ſehr tieff zu Hertzen zoge/ und meinte Chriſtus werde aus berdruß des Lebens nun auch begehren zuſterbenſaufs wenigſte in Todes⸗ Gefahr ſich begeben; Weil er wohl wuſte/ daß die Juden Ihine nach dem Leben ſtelleten/ denen er kurtz zuvor entgangen war. Weil Er nun ſein Leben aus Liebe wagen wollte/ ſo ſolten auch ſie/ ſeine Mit⸗ Schuͤler ſich aller andern Hoffnung bege⸗ beuſuiit ziehen/ mit leiden/ mit ſterben.
Da dann die Liebe und Beſtuͤrtzung ihme im Unbedacht ſolche ſchnelle Reſolu- tion und hypetboliſche Reden auspreſſten/ ſein hefftiges Leyd und Schmertzen/ und alſo ſeine wahre Liebe und Freundſchafft gegen Chriſto und Lazaro auszudrucken. Wie nachgehends vornemlich Petrus/ und ſo dann mit ihme die andere Juͤnger ins gemein ſich ohnbeſonnen anerbotten hatten mit Chriſto in den Todt zu gehen. Matt. XXVI. Luc. XIV.—
Unſer ſeclige Herr Palm/ welcher wohlgewuſt/ daß dieſes alles eines jeden wahren Chriſten Liebes⸗Pflicht ſeye/ hat ſich zwar deſſen niemals Vermeſſen/ dannoch aber ſolches ſo wohl im Leben/ vornehmlich im Todt rechtſchaffen practici- ret. Er zog in noͤthigen Geſchaͤfften nach Wien/ zu Wien in den Todt/ dei Leibe nach ins Grab] der Seelen nach in die Himmliſche bleibende Wohnung; Chri⸗ ſti Sterbens⸗Tag war auch ſein Todtes⸗Tag; der Charfreytag Ihme ein rechter Freytag von aller Sterblichkeit/ Muͤh und Plag/ und hat er im Todt Chriſti/ da er mit Ihme/ 2. Tim. II, in Ihine Apoc. XiV, und Ihnie/ Kom. XIV. geſtorben/ Das wahre Lehen gefunden/ und das ſeelige Ende ſeiner muͤhſeeligen Wallfarth er⸗ reichet/ auf die Einholungs⸗Worte: Heute wuͤrſtu mit mir im Paradieß ſeyn. Da indeſſen ſein verblichener Leichnam den Ruͤſtag uͤber im Grab der froͤlichen Oſtern und Weck⸗Stimme Chriſti erwartet: Lazare komm heraus!
Indeſſen fehlet es nicht an ſolchen Freunden/ bey denen es heiſſet: Kommet und laſſet uns mit ziehen/ daß wir mit ihm ſterben. Die hoͤchſt⸗betruͤbte Frau Wittib/(deren Schmertzen zuerneueren/ wenner anderſt veralten kan/ mich willig enthalte; ſonſten muͤſſte ich ſagen/ der Name Wittib/ ſeve ein kurtzer Begriff alles Elends/ daher ihr der betrübteſte Name/ weil er aus drucket eine Elende/ uͤber welche alle Wetter der Truͤbſal gehen; ein Haupt/ dem die Crone abgefallen; Ein Schaͤfflein ohne Hirten; ein Taͤublein ohne Gatten; einen Gartenohne Zaun; ja/ faſt weniger nicht/ als ein Leib/ ohne Seel; ein Kaͤutzlein in verſtoͤrten Staͤtten&c. Oder/ wie jener gottſelige Lehrer eine Wittwe klaͤglich abmahlet. Muͤller Ev. Schlußk. p. u4. b. ſeq.) Dieſe zoͤge nicht nur mit/ ſondern hat das Sterben und Mitſterben ſchmertzlich genug empfunden/ indeme Sie faſt vor Leyd mitgeſtorben/ da Ihr Hertz verſchmachtet/ Ihre Freude verblichen/ ja der geſtorben/ welcher Ihr beſſer war denn zehen Soͤhne uñ obes
zwar
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