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Eine Wohl-vollbrachte Ritterschafft Und Wallfahrt zur ewigen Wohlfahrt, Dardurch man des Himmlischen Kleinods wird theilhafft : In einer sonderbahren Leichen-Rede, Aus 2. Tim. IV,7. 8. Nach dem seeligen Ableiben Des ... Herrn Johann Heinrich Palmen ... Hof-Jubiliers, und Niederlags-Verwandten zu Wien ... Als Derselbe ... 1710. den 18. Aprilis allda seelig gestorben ... / Vorgestellt und auf Begehren ausgefertiget Von M. Ludwig Carl Ditzinger, Ministerii Seniore
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95
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AO(

Leich⸗Predigt. 95 Die rechtſchaffene Vorbereitung unſers theuren Herr Palms erhellet letzlich ausſeinem treuen Verhalten gegen GOtt. Da habe bey demſelbigen gefunden einen wahren lebendigen Glauben. Es iſt bereits in dem erſten Theile⸗ gemeldet worden/ wie inniglich Er ſich bey der Erkantniß ſeines Elends an die Barmhertzigkeit GOttes in Chriſto IEſu gehalten; dieſen ſeinen Glauben als ein rechtes Weſen undearn in Ihm/ hat Er durchgehends bezeuget/ daß Er ſich nichts anders zu getroͤſten haͤtte als des aus heiſſer Liebe vor Ihm vergoſſenen Blutes IEſu Chriſti/ mit Verlaͤugnung und Hindanſetzungaller eigenen Ge⸗ rechtigkeit. Ich erinnerte Ihn eines mahls der Treue GOttes aus Phil. I, 6. 1. Theſſ V, 24. daß Er diejenigen/ die Er einmahl ergriffen/ nicht ſo geſchwind laſee ſe aus ſeinen Haͤnden reiſſen. Owie innig und feſt hielt Er ſich an dieſes attribu- tumoder Eigenſchafft GOttes! Ich/ ſprach Er/ bin gewiß/ daß der treue GOtt? auch ſeine Treue an mir beweiſen/ und mich in der einpfangenen Gnade biß ans, Ende erhalten werde. Er hat geſagt/ fuhr der Seelige fort/ Ich will dich nicht verlaſſen oder verſaͤumen. Ey wie wolte Er dann an mir erſt den Anfang machen. Ich bin gewiß/ daß weder Tod noch Leben/ weder Gegenwaͤr⸗ tiges noch Zukuͤnfftiges mich ſcheideu mag von der Liebe GOttes in Chriſto JE⸗ ſu/Rom. VIII. Meinen JEſum laß ich nicht ꝛc. welche Worte Er ſehrofft zu⸗ wiederhohlen pflegte/ ich bleib an Ihm als eine Klette am Kleid behangen. Ich bin/ ſagte Er weiter/ ein lebendiger Reben an dem Weinſtock IEſu Chriſto. Ich bin ein Gliedan ſeinem Leib/ des troſt ich mich von Hertzen/ von Ihn ich unge⸗ Heden bleib/ in Todes⸗Noth und Schmmertzen/ c. Ich weiß daß ich ein Kind⸗ SOttes und Erbe des ewigen Lebens bin/ der H. Geiſt/ der das Pfand und Siegel⸗ meines Erbes iſt/ ſchreyet unablaͤſſig: Abba/ lieber Vatter! und alſo iſt an unr⸗ nichts verdammliches/ weil ich in Thriſto IEſu bin/ Rom. VIII, 1. Wer will⸗ mich Weſagen oder beſchuldigen? Chriſtus iſt hie der geſtorben und aufferwecket iſt. Da ich ihme eines mahis das 17. Cap. Joh. vorlaß/ und dabey anmerckte/ wie dieſes hoheprieſterliche Gebet auch ihn angehe/ wie der HErr IEſus/ als der mitlei⸗ dige und allenthalben wohlverſuchte Hoheprieſter auch jetzo/ da Er zur rechten Hand HOttes erhoͤhet ſey/ vor ihm bette/ und ſeine Noth ſeinem himmliſchen Vat⸗ ter vortrage/ da ſprach Er: Ja/ das glaube ich gewiß/ wir haben an Chriſto gar zu einem mitleidigen Heyland/ ich weiß auch/ daß der H. Geiſt bey GOtt mich ver⸗ tritt mit unaus prechlichen Seuffzen.

Es wurde Ihme auch mancher ſuͤſſer Blick in die offene Seiten und Wun⸗⸗ de ſeines Heylandes JEſu Chriſti vergoͤnnet; Er ſahe gleichſam un Geiſte ſein aus heiſſer Lieb vergoſſenes Blut aus ſeinen Adern rinnen. In dieſe offene. Seiten und Wunden fiohe Er gleichſam als eine ſchuͤchterne Taube/ und war⸗ Ihme eben als wann Ihm ſein Heiland zurieff aus Hohel. 1. Komm mei⸗

ne Taube/ in die Felßloͤcher in die Steinritzen. Als Er am Char⸗. Freytag gegen dem Abend in einem hefftigen Paroxyſmo lag/ erinnerte ich!.

hn/ diß waͤre eben die Stunde/ in welcher ſein Heyland Kon laͤngſt aus⸗

iebe vor Ihn ſein Leben gelaſſen; drum ſollte Er auch in dieſer Ereutzes⸗⸗ Stunde ſeinem Gott geduſtig aushalten/ und glauben/ daß es zu einem guten⸗ Ende werde ausſchlagen/ da ſprach Er: Ach ja/ mein Heiland wird⸗ mir helffen uͤberwinden/ Ich halte mich an Ihn/ und will Ihn. nicht laſſen. Gleich wie ſich fein ein Voͤgelein in hohle Baͤum verſtecket/ ꝛc. Ich fragte Ihn/ warum dann der HErr IEſus am Creutz ſeine beyde Arme auß⸗ geſpannet hatte? Da antworte Er mir/ es waͤre deswegen geſchehen/ daß E 8 alle Müͤhſeelige und Beladene in ſeine Liebes⸗Arnie indchee. einfuſſeu