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Eine Wohl-vollbrachte Ritterschafft Und Wallfahrt zur ewigen Wohlfahrt, Dardurch man des Himmlischen Kleinods wird theilhafft : In einer sonderbahren Leichen-Rede, Aus 2. Tim. IV,7. 8. Nach dem seeligen Ableiben Des ... Herrn Johann Heinrich Palmen ... Hof-Jubiliers, und Niederlags-Verwandten zu Wien ... Als Derselbe ... 1710. den 18. Aprilis allda seelig gestorben ... / Vorgestellt und auf Begehren ausgefertiget Von M. Ludwig Carl Ditzinger, Ministerii Seniore
Entstehung
Seite
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Fhriſtliche wie Er ſie ſelbſten ſo liebreich lockete Matth. XI. und Joh. XII, 32. Wann vich erhoͤhet bin von der Erden, will ich ſie alle zu mir ziehen. 81 Serner auſſerte ſich die wahre Vorbereitung unſers Seeligverſtorbenen zu ſeinem Tod in der Gelaſſenheit und willigen Ergebung in den Wil⸗ »len GOttes. 25 Es befande ſich bey Ihm das gedultige Leiden der Schmertzen/ und Be⸗ ſchwerden ſeiner Kranckheit/ Er murrete nicht darwider/ ſondern war damit wohl zu frieden/ eingedenck/ daß Er ſo wohl dieſelbe/ als nun nach dem Ab: ſchied die ewige Feuer⸗Qual wohl verſchuldet haͤtte; Was es vor eine Guade ſey/ daß der Hunmliſche Vatter dieſe Ihm gar erlaſſen/ und daß ſolch Leiden Hitz/ Schmertzen und dergleichen als ein Feuer ſey/ damit der HERR bereits vin dieſem Leben die Seele von vielem ſundlichen Unrath reinige/ und gleichſam »ausbrenne da ſie ſonſt vielleicht noch nicht in dem Stand waͤre/ vor dem »HErrn würdiglich zu erſcheinen. Denn es gehoͤret einmahl das Leiden und ſolche Schmertzen zu dem verweſen des aͤuſſerlichen Menſchens/ damit der innerliche immer mehr erneuert werde 2. Cor. IV, 16. Dannenhero unter⸗ warff der Seelige allezeit ſeinen Willen dem Willen ſeines Himmliſchen Vat⸗ 5 dan und ſprach mit Chriſto: Vatter nicht mein Will/ ſondern dein Will ge⸗ ſchehe. AnN dieſer ſeiner Glaubens⸗Freudigkeit noch mehr ſich zu beſtaͤrcken gebrauch⸗ te Er die zu ſolcher Staͤrckung noͤthige Mittel/ das Wort GOttes und das Heil. Abendmahl. Es iſt leider! bey den meiſten/ die ſich Chriſten nennen/ dahin gekommen/ daß ſie meinen wann ſie ſich mit dem Heil. Abend⸗ mahl vor ihrem Ende verſehen laſſen/ ſo ſey Ihnen diß bloß auſſerliche Werck/ oder opus operatum, ſchon ein Zehr⸗Pfenning in dem Himmel/ ſie mochten wahre Buße gethan haben oder nicht, ſie moͤchten in einem Zuſtand ſeyn da⸗ rinnen ſie wollten. Aber bey unſerm Seeligverſtorbenen war es kein ſolcher Aberglaube/ Er brauchte es noch in einem ſolchen Stande/ da Er den Tod des HExꝛn/ oder ſeinen Gehorſam/ Leiden/ Sterben und Verdienſt verkuͤn⸗ digen/ oder durch ſolche Erinnerung ſo wohl/ als die Krafft des Leibes und Bluts Chriſti ſelbs ſeinen Glauben ſtaͤrcken konnte. Da ward es Ihm zum rechten Zehr⸗Pfenning/ wir es die Alten genennet/ mit welchem Er durch das fin⸗ ſtere Todtes⸗Thal ſicher durchwandern koͤnnen.

Darauf folgte dann letzlich ein hertzlich Sehnen und Verlangen nach der Ewigkeit/ nicht zwar aus Verdruß des Lebens oder der hefftigen Hitze und Leidens/ ſondern aus hertzlicher Liebe zu ſeinem GOtt und Hei⸗ land JEſum Chriſtum. Welches Verlangen ſich ſonderlich zeigete; als ich Ihm aus 2. an die Corinth. das 5. Cap. vorlaß. Da ſprach Er: Ach wie a gerne moͤchte ich auch daheim ſeyn/ und meine Wallfahrt zu vollenden! Wie

der Hirſch ſchreyet nach friſchem Waſſer/ ſo ſchreyet meine Seele

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GOTS zu dir. Pf. XLII. und mit der Braut Offenbah. XXII. ult. Amen ja komm HEr: JEſu! komm bald; Komm du ſchoͤne Freuden⸗Crone bleib

nicht lange/ deiner wart ich mit Verlangen. Da Ihm das Lied: Sieh hier bin ich Ehren⸗Koͤnig ꝛc. und aus denſſelbigen der letzte vers(DieſerZeiten Eitelkeiten/ Reichthum/ Wolluſt/ Ehr und Freud/ ſind nur Schmer⸗ tzen meinem Hertzen/ welches ſucht die Ewigkeit. Laß dich finden/ groſ⸗ ſer GOtt ich bin bereit) vorgeleſen wurde/ empfand ſeine Seele abermahls

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