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Eine Wohl-vollbrachte Ritterschafft Und Wallfahrt zur ewigen Wohlfahrt, Dardurch man des Himmlischen Kleinods wird theilhafft : In einer sonderbahren Leichen-Rede, Aus 2. Tim. IV,7. 8. Nach dem seeligen Ableiben Des ... Herrn Johann Heinrich Palmen ... Hof-Jubiliers, und Niederlags-Verwandten zu Wien ... Als Derselbe ... 1710. den 18. Aprilis allda seelig gestorben ... / Vorgestellt und auf Begehren ausgefertiget Von M. Ludwig Carl Ditzinger, Ministerii Seniore
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94 Chriſtliche vorleſen/ als: JEſu/ hilff ſiegen/ du Fuͤrſte des Lebens. Jt. Ruhe iſt das beſte Guth ꝛc. It. Sieh hier bin ich/ Ehren⸗Koͤnig ꝛc. Welche alle Er mit der innigſten Hertzens⸗Bewegung unter ſtetigen Application auff ſeinen Seelen⸗Zuſtand anhoͤrte. Er ſuchte hienebenſt auch anderer Gebett und Furbitte/ nicht nur als ein Zeugnuß/ daß Er mit gehoͤrte zur Gemeinſchafft der Heiligen/ ſondern auch/ weil Er ſolches Gebet/ da es im Glauben geſchiehet/ von groſſer Krafft erkannte. Wann nun vor ſeinem Krancken⸗Bette ans der Fuͤlle des Hertzens ein Gebett geſchah/ befande Er ſich jederzeit an ſeinem innern Men⸗ ſchen ſonderlich geſtaͤrcket/ und erwegte Er auch nach der Hand ein und andere Worte aus deiſelbigen/ und verwandelte es/ ſo zu ſagen/ in ſein Gebluͤth und geiſtliche Nahrungs⸗Safft... »Die ſeelige Vorbereitung unſers in GOtt ruhenden Herrn Palms/ zu einem ſeeligen Ende erhellet vor 2.) aus dem loͤblichen Verhalten gegen

ſeinem Neben⸗Menſchen/ nemlich in der hertzlichen ungeheuchelten Liebe ge⸗ gen denſelbigen. Rechtſchaffene Chriſten/ wo ſie ſehen/ daß es mnit ihnen zu Ende gehen will/ ſind begierig/ wo ſie nur koͤnnen/ andere zu vermahnen/ ſie zu un⸗ terrichten/ und zum Guten antreiben/ mit allem Ernſt und Eyffer. Worinnen

abermahlunſer Seeligverſchiedener ein Chriſtl. Denckmahl ſeines gegen ſei⸗ nem Neben⸗Menſchen rechtſchaffenen Verhaltens bezeuget; den Anfang machte Er/ wie billich/ von den lieben Seinigen. Da ich Ihm zeit waͤhrender ſeiner Kranckheit unter andern das 14. Cap. Johan. vorlaſe/ wurde Er gar kraͤfftig be⸗ weget durch die Worte verf. 18. Ich will euch nicht Watſen laſſen/ ich konmme zu euch. Welche Worte Er mit ſonderbahrer Bewegung auff ſeine Frau Liebſte und liebe Kinder applicirte. Da Er nun bey Fortſehung des Diſcurſes von mir auff die Worte Elkana zu ſeinem Weibe der Hanna/ 1 dam. I, 8. gewieſen wur⸗ de/ da Er prach: Bin Ich dir nicht beſſer den 10. Soͤhne? Der liebe him̃⸗ liſche Vatter werde den lieben Seinigen mehr ſeyn als 10. Maͤnner und als 10. Vaͤtter/ ſagte Er: Ja ich bin des in gewiſſer Zuverſicht/ daß der liebe GOtt ſich ihrer treulich und vaͤtterlich annehnien werde. Wie nun ein glaubiger Chriſt/ je naͤher Er ſich ſiehet dem Ende zu ſeyn/ je mehr bemuͤth Er c gleichſam alle Augenblickzu ſeines Neben⸗Menſchens Beſten anzuwenden. So thaͤt auch un⸗ ſer Seeligverſtorbene. Erberuffte ſeine zwey Herrn Soͤhne/ und ertheilte ihnen nebſt beygefugten herrlichen Ermahnungen/ wie ſie ſich gegen ſich ſelbſt/ ge⸗ gen ihren Neben⸗Menſchen/ gegen die Frau Mutter und Herr Vettern/ und ge⸗ gen Gott/ nemlich zuͤchtig/ gerecht und gottſeelig ſolten verhalten/ ſeinen vaͤtter⸗ lichen Seegen.

»Weil auch zu dem rechtſchaffenen Verhalten eines Chriſten gehöͤret in dem Zeitlichen eine ſolche Richtigkeit zu machen/ daß nach ſeinem Todt keine Gelegenheit zu einigem Streit oder Mißverſtandniß übrig bleibe; ſo finden wir abermahls Urſach auch dißfalls die gute Diſpoſition des ſeeligen Herrn Palms zu preiſen.

Sonderlich gehoͤret zur wahren Vorbereitung des Todtes in Anſehung des Neben⸗Menſchen/ daß wir allen und jeden Menſchen alles und jedes Un⸗ recht/ ſo uns Zeit Lebens von demſelbigen angethan worden/ willig vergeben/ und auch ſolches begierlich bezeugen/ ſintemahl keine Seele GOtt gefaͤllig abſcheiden kan/ welche einigen Widerwillen und Groll mit ſich von Got⸗ tes Thron bringt. Worinnen abermahl unſer in GoOtt ruhender ein herrlich Zeugnuß ſeiner guten Bereitſchafft zum Todte abgeleget/ daß Er nemlich gegen alle Menſchen eine hertzliche und auffrichtige Liebe/ und alſo gegen keinem Men⸗ ſchen in der Welt et was Widriges habe. Die