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Eine Wohl-vollbrachte Ritterschafft Und Wallfahrt zur ewigen Wohlfahrt, Dardurch man des Himmlischen Kleinods wird theilhafft : In einer sonderbahren Leichen-Rede, Aus 2. Tim. IV,7. 8. Nach dem seeligen Ableiben Des ... Herrn Johann Heinrich Palmen ... Hof-Jubiliers, und Niederlags-Verwandten zu Wien ... Als Derselbe ... 1710. den 18. Aprilis allda seelig gestorben ... / Vorgestellt und auf Begehren ausgefertiget Von M. Ludwig Carl Ditzinger, Ministerii Seniore
Entstehung
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I

Leich⸗Predigt. 93

richt des alten Adams. Die Kranckung des Leibs/ eine Anmahnung zum Auff⸗

bruch/ die Verlaſſung der Welt eine Erreichung des ewigen Lebens; Sem Siech⸗ Bette/ als ein Siegs⸗Bette...

Semeletzte Todtes⸗Bereitung aber/ wie ſie neben andern bericht/ iſt von ei⸗

gjem Chriſtlichen Freund aus Wienſſchrifftlich uberſchicket worden/ war folgende;

Mein Vorhaben iſt anjetzv nicht in der Beſchreibung ſeines Lebens weit⸗

laͤufftigzu ſeyn/ ſondern nur etwas weniges von des Seelig Verſtorbenen recht⸗

ſchaffener Vorbereitung zu ſeinem Abſchted(wie es dann der Herr/ ſelbige mit⸗⸗ anzuhoren/ und einiger Maſſen etwas mit beyzutragen/ gefuͦget) zu der betrubten Puuerlaſſenen Troſt/ wie auch anderer/ die Erſcheinung Chriſti liebhabenden⸗ eelen Erweckung/ zu entwerffen. Dieſe ſeine wahre Vorbereitung zeigte ſich in⸗ ſeinem Verhalten 1.) Gegen ſich ſelbſt. 2.) Gegen den Neben⸗Men⸗ ſchen/ und 3.) gegen GOTT. 1. Das Verhalten gegen ſich ſelbſt beſtehet darinnen/ daß der Menſch acht auff ſich und ſeine Seele habe/ um dieſelbige zu verſorgen. Hierzu gehoͤret daß wir allezeit zum forderſten unſer Gewiſſen pruffen/ und unſer gantzes Leben, examiniren/ wie wir vor GOtt ſtehen/ und bißhero vor GOtt gewandelt haben? umuns/ durch ſolche Pruͤffung unter die gewaltige Hand Gottes zu beugen Nleichſannzn nichts zu werden/ damit die Groͤſſe der Gnade GOttes und der Erx⸗ armung IEſu Chriſti deſto uͤberſchwenglicher an und in uns moͤge offenbahr werden. Ein ſolches zerknirſchtes und gebeugtes Hertz fande ſich bey dem See⸗ lig⸗Verſtorbenen/ ohneracht Er wuſte/ daß Er die Gnade GOttes nicht vergeb⸗n lich empfangen hatte; ſo erkante Er doch/ daß Er nicht allezeit diejenige Treue⸗ gegen dem Zug Gottes an ſeiner Scelen/ und gegen ſo viele Gnadenwürckungen des H. ‚eiſtes erwieſen/ wie Er wohl haͤtte ſollen und koͤnnen thun. Dahero war Er recht eingekehret in die Erkantniß ſeines Elends welche Ihnzu folgenden,, Worten bewog: O Hrr/ wer bin ich/ daß du dich zu mir Untreuen und Undanck⸗,, baren in ſo groſſen Gnaden wendeſt; daß du mich bißher getragen mit groſſer Ge⸗, dult/ und gerichtet mit vielen Verſchonen? Ich bin zu gering aller Barmhertzig⸗ keit und Treue/ die du an deinem Knecht erwieſen haſt. Du biſt mit mir umge⸗, gangen wie ein Vatter mit ſeinem Sohn/ aber ich habe mich offt von dir gewen⸗, det/ da hatteſt du nun wohl Urſach auch mir den Ruͤcken zukehren; aber ich fliehe,, zu deiner Barmhertzigkeit/ zu welcher alle Glaubige/ Bußfertige/ die im Glau⸗, en an deinen Sohn IEſum Chriſtum zu dir kommen/ einen freyen Zutritt ha⸗ en/ und bitte: Ach HErr! gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht/ denn vor,, dir iſt kein Lebendiger gerecht. Weßwegen Er auch ſeine Kranckheit nicht als, etwas von ungefehr Ihm zugeſtoſſenes/ ſondern als etwas aus der guten Hand ſei⸗ nes lieben himmliſchen Vatters hergekommenes/ anbey als ein zu ſeiner ſeeligen, Laͤuterung und Pruͤffung heilſam abzielendes Mittel anſahe/ und die verborgene Wege und Fuͤhrungen SOttes darunter venerirte und erhebte. Er war verſi⸗ chert/ daß was GOtt mit Ihme vornahm/ aus keinem Haß geſchehe/ ſondern;, aus bloſſer lauterer Liebe zuͦ ſeinem unſterblichen Weſen weil nemlich dieſes nicht, voͤllig kunte gerettet und recht gereiniget werden/ wo Er in dieſem finſtern Ker⸗, cker des Leibs immerzu bliebe. Alſo war ſeine vornehmſte Sorge vor ſeine Seele%, dieſelbe SOtt zu befehlen/ und alſo ihr eine ewige Wohnung zu erlangen. Zu dem,, Ende war ſein liebſter Umgang mit denen jenigen welche mit Ihm von dieſer,, rechten zu Bereitung zum Todt/ von der Eitelkeit dieſer Welt/ und von der Herr⸗, lichkeit der Kinder Gottes in jenem Leben erbaulich redeten. Er ließ ſich zu Be⸗⸗ zeugung ſeiner hertzlichen Liebe zu dem Wort GOttes aus dem Halliſchen Ge⸗,, dngbn ein und das andere geiſtliche Lied/ aus welchem Er etwa bey ſeinen ge lnden Tagen manchen Troſt/ Krafft und Eramerung mag geſchoͤpffet haben 2