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Eine Wohl-vollbrachte Ritterschafft Und Wallfahrt zur ewigen Wohlfahrt, Dardurch man des Himmlischen Kleinods wird theilhafft : In einer sonderbahren Leichen-Rede, Aus 2. Tim. IV,7. 8. Nach dem seeligen Ableiben Des ... Herrn Johann Heinrich Palmen ... Hof-Jubiliers, und Niederlags-Verwandten zu Wien ... Als Derselbe ... 1710. den 18. Aprilis allda seelig gestorben ... / Vorgestellt und auf Begehren ausgefertiget Von M. Ludwig Carl Ditzinger, Ministerii Seniore
Entstehung
Seite
83
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barkeit des hoͤchſten Guts/ alles verlaſſen/ flie deſſen Erlangung hindern kan? ſolte der/ die unvergaͤngliche Schaͤtze des Himmels/

Leich⸗Predigt. 883

ten zu behaupten/ und ſich nach ſeiner Einbildung/ gluͤckſeelig zu machen? Was ha⸗

ben nicht Menſchen oͤffters gethan/ eine irrdiſche Crone darvon zu tragen? Jener Konig ließ kurtz vor ſeinem End ſeinen Sohn zu ſich kommen/ und ertlaͤret ihn zu ſeinem Nachfolger im Reich; damit er ſich aber zuvor moͤchte dazu habilitiret/

Præeſentirte er ihin einen guldenen Apffel/ mit der Inſtruction, er ſolte in der Welt

ſich umſehen/ der Leute Sitten erkundigen/ und wenn er den allergroͤſten Narren finden wůrde/ demſelben ſolchen Apffel uͤberantworten/ und hernach Land und Leu⸗ teregieren. Ob nun wohldieſer Printz allerhand Thorheiten in der Welt geſehen/

hatte er doch auf Zureden ſeines Hoffmeiſters mit dem Apffel noch immer an ſich ge⸗ halten/ biß er üͤber Meer in ein Laͤnd kommen/ da ein Konig regierte/ der nach ſeines Hertzens Gutduncken lebete/ und ſich ohne alle Scheu in allen Laſtern herfuͤr gethan.

Daruͤber verwunderte er ſich/ gieng zum Kaͤmmerling/ und fragte ihn/ wie ſie denn mit einem ſolchen Koͤnig austommen koͤnten/ und was es vor eine Beſchaffenheit damit hatte? Dieſer antwortete/ es ſey in dem Land der Gebrauch/ daß ſie einen Koͤnig nur auff ein Jahr lang erwaͤhlten/ und der moͤchte bey ſeiner Herrſchafft thun/ was ihm geluͤſte; Wenn das Jahr um ſey/ werde Er ſeines Ampts entſetzet/

und in ein Gefaͤngnuͤß geworffen/ darinnen Er die Zeit ſeines Lebens jaͤmmerlich zu⸗

bringen muͤſte; Der Printz ſagte hierauff: Auf ſolche Weiß werde es Muͤhe haben/ jemand zur Koͤniglichen Charge zu bereden; Allein der Kammerling antwortet wieder/ daß um dieſe jaͤhrige Ehre/ ungeachtet des traurigen Erfolgs/ allemahl ein

poß Gereiß ſey. Der Printz ſagte bey ſich: Nun hab ich die Zeit meiner Wahl⸗

arh keinen groͤſſern Narren angetroffen/ habe auch damit in aller Eil ſich zum Koͤ⸗ nige verfuͤgt/ Ihm das Geſchenck ſeines Vatters præſentirt, und ſey alſo wieder in ſein Land gezogen. Wie gleich ſeynd doch dieſem Konig die Welt⸗Kinder/ die eine kurtze Freud/ Augen⸗Luſt/ Fleiſches Luſt/ und hoffaͤrtiges Leben erkieſen/ deſſen ſie nicht das Jahr uͤber ja nicht 24. Stunden verſichert ſind/ und ſetzen ſich darüber in

ewige Unluſt! ſind Worte Herr D. Pfeiffers in den Erquickſt. p. 684.

Was ſolte denn ein wahrer Chriſt thun/ der zum ewigen Leben beruffen/ und dem das koͤſtliche Kleinod des ewigen Lebens verheiſſen iſt? ſolte der nicht in ſolcher Hoffnung alles fur Koth dargegen achten? ſolte der nicht leicht alles vergeſſen/ was dahinden iſt/ und ſich ſtrecken nach dem das vornen iſt; ſolte nicht ein ſolcher in wahrer Erkantniß der unſchaͤtzbaren Rergnaglüchket und vergnüglichen Unſchaͤtz⸗

en und hinweg denen was ihn an

dem vergaͤnglichen Schein und Schatten⸗Werck der Welt nicht vorziehen? hieſſe das nicht die Schwein⸗Traͤber dem vaͤtterlichen Erb/ ein Linſen⸗Gericht dem Recht

der Erſtgeburt vorziehen? Solte man das rechtſchaffene Weſen in Chriſto dem todten Weſen der Welt nachſetzen? Wem ſolte eine Muͤhe dauren/ den We zu ge⸗

hen/ der zur Tugend/ zum Leben fuͤhret? wer kan ohne Frevel Chriſti Befe lIzuwi⸗ der thun? wer kan ohne Irrthum Chriſti Nachfolge verlaſſen? Solte der Chriſti Sminn haben/ und vom guten Geiſt getrieben werden/ der nicht dem Guten/ der Hei⸗ ligung nachwandelt? Solte dem ein Ernſt ſeyn zum Leben/ welcher die dahin fuͤh⸗ rende Mittel verachtet? Iſt denn das auch ein wahrer Glaube/ der nicht ſeine Fruͤch⸗ te bringet? Iſt denn auch ein geiſtliches Leben/ wo kein Wachsthum iſt? ſolte dem das ein rechter Ernſt ſeyn/ wo man nicht trachtet nach den beſten Gaben/ alles in be⸗ ſten Stand und Gang zu bringen? Solle man dann gleich mud und nachlaͤſſig wer⸗ den/ wenn man nicht alles auff einmahl erjagen kan? heiſt denn das ſeinen Beruff

und Erwaͤhlung feſt machen/ ſtill ſtehen/ zuruͤck ſehen? heiſt das ſeinen Beruff

wuͤrdiglich wandlen/ dasjenige traͤg und ſaumſeelig thun/ was einem befohlen iſt/ ja das Gegentheil erwaͤhlen? da Paulus/ ſo gut er war/ immer begehrte beſſer du werden; und du meineſt ſchon alles ausgerichtet/ alle Gerechtigkeit bereits erfuͤllet

zu haben/ laͤſſet dich etwas duncken/ ruhmeſtdich uber das Maaß und Ziel/ und Abſ