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Leich⸗Predigt. 75 ſicher dahingehen und leben. Item/ daß wir immer/ nach Art fleiſch⸗ licher Sicherheit/ alſo gedencken/ GOttes Zorn und Ernſt ſey nicht ſo
roß uͤber die Sünde/ als Er doch gewiß iſt. Item/ daß wir den ed⸗ len unausſprechlichen Schatz des Evangelii/ und Verſoͤhnung Chri⸗ ſti nicht hertzlich/ nicht ſo theuer und edelachten als ſie iſt. Item/ daß wir wider GOttes Werck und Willen murren/ wenn Er in Truͤbſalen nicht bald hilffet/ und machts/ wie wir wollen; Item/ wir erfahren taͤglich/ daß es uns wehe thut/ wie auch David und die Heiligen ge⸗ klagt/ daß es den Gottloſen in dieſer Welt wohlgehet. Daruͤber fuͤh⸗ len alle Menſchen/ wie leicht ihr Hertz brennet/ jetzund mit Ehr⸗Geitz/ dann mit Grimm und Zorn/ dann mit Unzucht ꝛc. Dann die menſch⸗ liche Natur iſt durch die Erb⸗Sünde unter des Teuffels Gewalt gege⸗ ben/ und iſt alſo gefangen unter des Teuffels Reich/ welcher man⸗ chen groſſen weiſſen Menſchen in der Welt/ mit ſchroͤcklichen Irrthum/ Ketzerey und anderer Blindheit/ betaͤubet und verfuͤhret/ und ſonſt die Menſchen zu allerley Laſter dahin reiſet. Wie es aber nicht můg⸗ lich iſt/ den liſtigen und gewaltigen Geiſt/ Satan zuuͤberwinden/ ohne
die Huͤlffe Chriſti. Alſo können wir uns aus eigenen Kraͤfften aus
dieſem Gefaͤngnuͤß auch nicht helffen. Es iſt in allen Hiſtorien von
Anfang der Welt zu ſehen und zu finden/ wie ein unſaͤglicher groſſer
Gewalt das Reich des Teuffels ſey. Man ſieht/ daß die Welt vom
Hoͤchſten biß zum niederſten voll GOtteslaͤſterung/ voll groſſer Irr⸗
thum/ gottloſer Lehre/ wider GOTT und ſein Wort iſt. In der
ſtarcken Feſſeln hält der Teuffel jaͤmmerlich gefangen viel weiſſer Leuth/ die fuͤr der Welt heilig ſcheinen; die andern fuͤhret er in andere grobe Laſter/ Geitz/ Hoffarth ꝛc. So uns Chriſtus darum gegeben iſt/ daß Er dieſelbige Suͤnde und ſchwere Straffe der Suͤnde weg⸗ nehme/ die Suͤnde/ den Todt/ des Teuffels Reich uns zu gut über⸗ wuͤnde/ kan niemand hertzlich ſich freuen des groſſen Schatzes/ niemand die uͤberſchwenglichen Reichthuͤmer der Gnaden erkennen/ NB. er fuͤhle dann vor erſt dieſelbige Laſt/ unſer angebohren groß Elend und
Jammer ꝛc. Ein ſolch recht Chriſtlicher Glaube iſt nicht ſo ein
leicht/ ſchlecht Ding/ als die Widerſacher wehnen wollen/ wie ſie dann ſagen: Glaub/ glaub/ wie bald kan ich glauben/ ꝛc. Esiſt auch nicht
ein Menſchen Gedancke/ den ich mir ſelbſt machen koͤnte; Sondern iſt
eine goͤttliche Krafft im Hertzen/ dardurch wir neu gebohren werden/ dardurch wir den groͤſten Gewalt des Teuffels und des Todts uͤber⸗ winden/ wie Paulus ſagt zun Coloſſern; In welchem Ihr auch ſeyd aufferſtanden durch den Glauben/ den GOtt würcket/ ꝛe. Derſelbe Glaube/ dieweil es ein neu Göttlich Licht und Leben im Hertzen iſt/ dadurch wir andern Sinn und Muthkriegen/ iſt lebendig/ haͤfftig und reich von guten Wercken. Und das empfinden die Menſchen/ wann
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