— Leich⸗Predigt. 71 ſollen ihre eigne Seeligkeit mit Forcht und Zittern auszuwuͤrcken. Und Petrus ſagt: Wann der Gerechte kaum erhalten wird/ wo will der Gottloſe und Suͤn⸗ der erſcheinen? Ja der Weg iſt ſo genau und ſchmal/ der zum Leben fuͤhret/ daß der HErꝛ auch die jenige/ die da ſeelig werden ſollen/ einen Brand nennet/ der aus dem Feuer gezogen wird/ bey dem Propheten Amos und Zacharias; auch an mehreren Orten ſaget/ daß es ſchwerlich zugehe/ die Seeligkeit zu kriegen; Arantt Lutherus in ſeinem Brieff vom Ablaß an Abertum den Ertz⸗Biſchoff zu intz. Da weiß nun Chriſtus wie es eines jeden Zuſtand erfordert/ kluͤglich und ſchicklich die Sache anzugreiffen/ damit ja an Ihme kein Mangel noch Schuld funden werde. Er rufft den Verirꝛten/ der Welt Nachwandlenden immer von hinden nach: Hieher/ hieher/ das iſt der Weg/ den ſolt ihr gehen/ ſonſt weder zur Rechten noch zur Lincken/ Ea. XXX, 21. jer. VI, 16. Da auf einer Seiten Wolluſt/ Ehre/ Reichthum/ Venus, Bachus dec. auf der andern Gewalt/ Forcht/ Krieg/ Sicherheit/ Fried/ Verzweifflung rufft hieher! und das Gemuͤth bald da/ bald dorthin geriſſen wird und wankket/ daß es nicht weißt/ was es woͤhlen ſoll; ſo kommt GOTE/ und gibt der Sache einen Aus⸗ ſchlag/ in dem Er den Menſchen durch den Sinn fahret/ auf keine Weiſe es Ihm gelingen laͤßt/ ſeine Frechheit bricht/ Ihme die Eitelkeit verleidet/ ſein zum Guten kraͤges Hertz erwecket mit zugeſchtektem Leiden am Leib/ Ehre/ Gut/ Gewiſſen; ſetn Fleiſch peitſchet und zuͤchtiget/ biß es muͤrb und elend wird/ Ihme wie Ro und Maͤuler Zaͤume und Gebiß ins Maul leget/ wenn es nicht zu Ihm will; bi es die Anfechtung lernet aufs Wort mercken/ und wenn es Ihin uͤbel gehet/ lerne den HErꝛn ſuchen und zu Ihme kommen; da wird die Welt nach und nach ver⸗ haßt/ es geſchicht ein Stillſtand der Sünden/ die Wolluſt wird zur Wermuth/ und die Welt zum Kercker; da ſchlaͤgt man in ſich/ und heißt es: was mache ich doch? wo kommſt du her/ und wo wilt du hin? was will dein Weg fuͤr einen Ausgang nehmen? Darauf folgt ein Umkehren/ ein nachfragen nach dem gu⸗ ten Wege/ ein Antritt der erſten Buß⸗Glaubens⸗Liebes und Creutzes⸗Wegen/ Jer. VI, 16. und wo dieſe Zucht der Weißheit nicht waͤre/ Ioh. VI. würde man verlohren gehen; und je ſchwerer ein Menſch von der Eitelkeit und Welt/ beſon⸗ ders wo man in Ehren/ Reichthum und guten Tagen noch jung von Jahren und bey guten Kraͤfften ſtehet/ abzuziehen iſt/ je laͤnger halt das Gericht üͤber das „Fleiſch und die Zucht des Vatters an/ biß man ſo mortificirt/ gelaͤutert/ und be⸗ waͤhret worden durch die Hitze der Truͤbſat/ daß man wie neugebohren/ durchs Creutz einen Eckel fur des Fleiſches Luſt/ einen Abſcheu fur der Welt/ und Ver⸗ laͤugnung ſein ſelbſt/ Goͤttliche Kraͤfften zum neuen Leben findet; die Demuͤthi⸗ gungen und Zuͤchtigungen des HErꝛn lieb hat/ Ihme darfur dancket/ nun wohl erkennet/ was fur heilſame Fuucht der Gerechtigkeit unter dem Bitter⸗ſuß der züͤchtigenden Truͤbſaal enthalten ſey Hebr. XII. und daher noch darzu GOtt um das bittet/ was man vorhin nach dem Fleiſchlichen Sinn hat verabſcheuet; nun aber als die zwar bittere aber heylſame Artzney wider die Suͤnden erkennt/ und bey ſich wohl findet/ daß ohne das Creuß/ der Sinn frech/ das Fleiſch geil/ das Hertz hoffaͤrtng alles gleich wieder un Natur⸗Leben maͤchtig/ dem Geiſt und neuen Ge⸗ urth zu wider ſeye/ und dahero zur Toͤdtung ſeiner ſelbſt wuͤnſchet/ daß GOtt hier fahre fort und ſchone dort/ und laſſe alles hier wohl büſſen; wohl merckend/ wenn es gienge nach des Fleiſches Muth/ in Kunſt und Gunſt mit groſſem Gut/ man würde bald erkalten/ aber darum ſechicke GOtt die Truͤbſal her/ damit das „Fleiſch gezuͤchtiget werd/ zum ewigen Leben erhalten; Dahero ein ſolcher geuͤb⸗ ter Sinn lieber will mit Lazaro im Hundoſtall/ als mit dem reichen Schlemer un einem praͤchtigen Pallaſt und bey der koͤſtlichen Tafel ſitzen; lieber dem E⸗ henbild CEhriſti/ als dem Herꝛlichen dieſer Welt gleich ſeyn will; wohl wüfſenn 4
Druckschrift
Eine Wohl-vollbrachte Ritterschafft Und Wallfahrt zur ewigen Wohlfahrt, Dardurch man des Himmlischen Kleinods wird theilhafft : In einer sonderbahren Leichen-Rede, Aus 2. Tim. IV,7. 8. Nach dem seeligen Ableiben Des ... Herrn Johann Heinrich Palmen ... Hof-Jubiliers, und Niederlags-Verwandten zu Wien ... Als Derselbe ... 1710. den 18. Aprilis allda seelig gestorben ... / Vorgestellt und auf Begehren ausgefertiget Von M. Ludwig Carl Ditzinger, Ministerii Seniore
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