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Eine Wohl-vollbrachte Ritterschafft Und Wallfahrt zur ewigen Wohlfahrt, Dardurch man des Himmlischen Kleinods wird theilhafft : In einer sonderbahren Leichen-Rede, Aus 2. Tim. IV,7. 8. Nach dem seeligen Ableiben Des ... Herrn Johann Heinrich Palmen ... Hof-Jubiliers, und Niederlags-Verwandten zu Wien ... Als Derselbe ... 1710. den 18. Aprilis allda seelig gestorben ... / Vorgestellt und auf Begehren ausgefertiget Von M. Ludwig Carl Ditzinger, Ministerii Seniore
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Leich⸗Predigt. 55

Freude die Fuͤlle und liebliches Weſen zur Rechten GOttes imer und ewiglich ſeyn werden/ Pſ. XVI, II. Eſ. XXXV. Im Gegenſatz/ wie gedacht/ der verwelcklichen/ vergaͤnglichen Cronen von Laub oder Blumen/ 2. Cor. IX. Wie die Cronen mit vielen Edelgeſteinen und Perlen ſind beſetzt; ſo wird auch mit angeditten die vielfaͤltige Herꝛlichkeit. Und wie Cronen oͤffters von groſſem Gewicht ſind/ wie 2. Sam. XII, 30. einer Centner ſchweren Cron gedacht wird; ſo folget eine ewige

und uͤber alle Maß wichtige Herꝛlichkeit. 2. Cor. IV, 17. Rom. VIII, 18.

Es heiſſet aber mit einem beſondern Zuſatz eine Crone der Gerechtigkeit/ nicht nur darum/ weil die Glaubige alsdann ohne Suͤnde ſeyn/ und wie die Sonne von vollkommener Klarheit/ ohne Flecken/ auch ſo gar an ihrem Leibe leuchten werden; und gegen ihren Feinden im vollkommenen Sieg/ im Koͤniglichen und Helden⸗Schmuck prangen werden; Da GOTT ſelbſt ihr Lohn und Cron ſeyn wird/ ja ſie werden ſeyn ein ſchoͤne Crone/ in der Hand des HErꝛn/ Eſa. LXII, 3. ſeine Ehre und Ruhm/ der ihre Seele/ als eine Ausbeute darvon getragen. Und alſo wird ſeyn eine Vollkomenheit ohne Stuͤckwerck 1. Cor. XIII. Leben/ ohne Tod; Tag ohne Nacht. Gewißheit ohne Zweiffel. Sicherheit ohne Furcht. Ruhe/ ohne Arbeit. Vergnügung/ ohne Zerſtorung. Schoͤnheit/ ohne Ungeſtalt. Staͤrcke ohne Schwachheit. Genuß/ ohne Verdruß. Saͤttigung ohne Eckel. Freude ohne Traurigkelt. Freundſchafft/ ohne Falſchheit. Heiligkeit/ ohne Sündlich⸗ keit. Gluͤckſeeligkeit/ ohne Abbruch; Sondern weil ſelbe den Gerechten nach Gerechtigkeit wird gegeben. Nicht zwar als ob ſelbe aus Verdienſt erworben wuͤrde; weilen nicht allein auch die beſte Wercke gegen ſolche Belohnung keine Proportion haben/ Luc. XVII, 10. 1. Cor. IV, 4. ſondern das ewige Leben zwar wohl ein Lohn/ aber eine Gnaden⸗Belohnung iſt/ Matth. XX. Rom. VI, 23, c. XI, 6. Da auch die Auserwaͤhlten die Cronen vor des Lammes Stuhl und Füſ⸗ ſen legen/ Apoc. IV, 10. und ihre Unwürdigkeit zu erkennen geben. Darum heiſſet ſelbe eine Crone der Verheiſſung/ jac. 1I, 12. Weilen GOtt ſeine Ga⸗ ben in den Seinen kroͤnet. Und alſo nicht umſonſt iſt/ daß man dem HEran dienet/ Malach. III. Matth. XIX. Rom. III. ſondern wie mau in allerley guten Wercken getrachtet hatte nach dem ewigen Leben/ ſo wird auch der HErꝛ vergelten nach ei⸗ nes jeden Wercken. Eine Crone des Lebens/ jac. I, 12. Weil die Rechtfer⸗ tigung, Gerechtigkeit und Seeligkeit des ewigen Lebens dem Tod entgegen geſetzt wird/ Rom. VI, 16. Dannoch aber/ wie Chriſtus mit Gerechtigkeit ſolches erwor⸗ ben/ ſo wird es auch nicht Selbſt⸗und Geſet Gerechten/ ſondern den Evangeliſche Glaubens⸗Gerechten/ welche in und durch Chriſtum voͤlliges Recht darzu und vollkommene Gerechtigkeit haben/ aus dem Recht des Bundes und auch Gerechtig⸗ keit der Verheiſſung gegeben; Weilen GOtt nicht ungerecht iſt/ daß Ihn ſeine Gaben und Verheiſſungen ſolten gereuen. Rom. XI, 29. So dann erforderts die vergelten⸗ de Gerechtigkeit Sottes ſelber/ daß/ wie ſie das Boͤſe ſtraffen muß/ alſo das Gute belohne/ 2. Theſſ. I, 6. 7. und zwar abermahl mit ſolcher Gerechtigkeit/ dat ob ſchon die Belohnung in ihrem valor alle Wercke unendlich uͤbertrifft/ dennoch die Vergeltung eine proportion habe nach den Wercken/ Rom. II, 6. Dan. XII, 3. 1. Cor. XV, 41. 42. 2. Cor. I, 5. daß einem jeden ſeine gewiſſe portion zukom⸗ me/ Pſ. XVI, 6. LXXIII, 26. obwohlen ſolches ſcheinet verneinet zu werden/ Apoc. XXI, 7. da es heiſſet: Wer uͤberwindet/ der wird alles erben ꝛc. und auch darmit/ weil die Rede iſt von einer einigen Crone. Worvon aber zu anderer Zeit. Darum ſagt Auguſtinus ſehr wohl: Wem gebe der Gerechte Richter die Cron/ wo der barmhertzige Vatter die Gnade nicht darzu geſchencket haͤtte? Oder wie waͤre Gerechtigkeit/ wo nicht die Gnade vorgegangen/ die den Gottloſen gerecht machet 7 wie wuͤrde jene ſchuldig gegeben/ wo nicht dieſe unverſchuld ge⸗

ſchenckt worden waͤre? Ja/ wie rechnet Er die Gerechtigkeit unſern e 6