Leich⸗Predigt. 53 Dienſt beruffen? O! verwegene Menſchen die ihren Beruff wiſſen/ und dem Goͤttlichen Beruff zuwider handlen/ ſich Chriſto verloben/ und doch ſeinem Geiſt und ihrem Gewiſſen widerſtreben! Die Crone/ das Leben/ Hoffen und Begehren/ aber nicht die Haͤnde darnach moͤgen ausſtrecken 3 wie inancher Fauler nicht mag den Mund auffthun zum eſſen. Darum haͤlt der Geiſt GOttes denen Beruffenen billich vor des Beruffs Vortrefflichkeit/ und des Kleinods Koſtbarkeit⸗ Daß man nicht nurzum Namen/ ſondern Weſen und Werck/ nicht nur zum An⸗ fang/ ſondern zur Vollendung beruffen. Will doch GOtt keine Arbeit ohne Beloh⸗ nung/ keine Verlaͤugnungohne Entgeltung/ und hundertfaͤltige Erſetzung/ keine Gottſeeligkeit ohne Genuß und Gewinn/ keinen Tritt ohne Lob/ keinen Kampff ohne Sieg/ kein Leiden und Truͤbſaal ohne Labſaal/ keme Verletzung ohne Ergoͤ⸗ tzung/keine Liebe ohne Gegen Liebekeine Treue ohne Croͤnung laſſen. Wer ſolte deun nicht den Koth fahren laſſen/ wenn er ein Berlein und Kleinsd darfuͤr zu erhalten weiß? Wer wolte die Welt nicht fuͤr den Himmel/ Gold fur GOtt/ tauſend Leben furs ewige Leben geben? Was thun die Menſchen nicht um zeitlichen Gewinns/ Ehre und Wolluſt willen? wie ſchafft/ wie laufft/ wie kaͤmpfft/ wie leidet man ſich um der Eitelkeit willen? iſt das hoͤchſte ewige Gut nicht mehr werth? Das Zeitliche muß verſchwinden/ das ewig Gut macht rechten Muth. Wie leichtlich kan man eine Bauren⸗Hutte um einen Koͤniglichen Pallaſt/ eine verwelckliche Krone/ um ein unvergaͤngliches Erbe/ aller Welt Freundſch afft um Goͤttliche Gemeinſchafft/ alle Welt⸗Freude um die Wolluſt in GOtt und Freude des Himmels geben? Ein Chriſt iſt zu groſſen und ewigen Dingen wiedergebohren.“. Zumahl/ wenn man bedencket des Beruffs Beſchaffenheit/ daß man mit Lauffen/ Rennen/ Strelten/ und eigenem Arbeiten ſolches iucht erſt ſelber darff er⸗ werben/ ſondern/ daß gottliche Krafft will uns machen ſieghafft/ alles will ſelbſt in uns wurcken/ anfangen und vollfuͤhren/ nach dem ernſtlichen/ kraͤfftigen Beru durchs Wort/ welches Geiſt und Krafft giebt; daß man nur der geſchenckten Kraͤff⸗ ten ſolle wohl gebrauchen. Iſt doch der Lauff und Kampff nicht werth des Lohns/ alle Truͤbſal nicht werth der Herrlichkeit; iſt es doch nur ein Weg/ Ordnung und Bedingung zum Ziel/ Zweck und Kleinod zu gelangen/ c. VI, 23. Rom. XI, 5.(k) und dorffte fich ntemand Hoffnung und Einbildung machen ſolcher Herrlichkeit/ wenn Gott ihn nicht aus Gnaden darzu beruffen und eingeladen/ Chriſtus ihme die Schrancken geoffnet⸗ und den Zugang bereitet haͤtte/ Eph. III, 12.c. I. 18. Darum heiſt es nicht: Man werde mit Kaͤmpffen das ewige Leben verdienen/ ſon⸗ dern das Ziel erreichen/ und das aus Gnaden vorgeſteckte Kleinod aus Gnaden/ obwohl aus Recht der Verheiſſung und des Beruffs/ wegen erfuͤllter Bedingung/ empfangen; weilen keine Proportion iſt zwiſchen einen kurtzen Lauff und Kampff/ und der unſchaͤtzbaren Crone des Lebens/ ſo wenig als zwiſchen einem Konigreich und Reiß dahin/ ſolches Land einzunehmen. 8 Auff dieſe ſonderheitliche und beſondere Glaubens⸗Zueignung und angemaßte
Eigenthumlichkeit wird nun auch beſchrieben des Kleinods Koſtbarkeit. Warum aber überhaupt das ewige Leben/ die Herrlichkeit und Seeligkeit/ und der⸗ ſelben Stuͤcke und Graden nit einer Crone/ von köſtlichem Zeug kunſtlicher Form/ und unſchaͤtzbaren Werth/ verglichen oder beſchrieben werde? wie Sap. V, 17. 1. Petr. V, 4. Jac. I, 12. Apoc. II, I1. wie es auff menſchliche/ dennoch auff die aller⸗ ehrlichſte/ appetibelſte/ aber auch niemahl genug ausgedacht und unausſprechliche Weiſe geſchicht/ mit einem einigen Wort/ anzuzeigen/ daß auch tauſend Worte nicht zureichen/ 2. Cor. Xll, 4 wollen wir lieber einſtens erfahren/ andern aher ietzo nur einige Gelegenheit geben/ nachzudencken/ als viel Untuͤchtiges und Unzulaͤngli⸗ ches darvon vorbringen. Cronen findet man nicht auff den Straſſen/(ob man wohl Irrdiſche/ weil ſie auch ihre ſtachlichte Darel haben/ nicht aus dem Koth auf⸗
her (LX) F. C. Apol.. m. 60. fegg. p. 270, 271, a. Decl. Sohl.


