Leich⸗Predigt. 31
von der Liebe SOttes/ die da iſt in Chriſto JEſu/ Rom. VIII. Dannenhero ſich ernſtlich angelegen ſeyn laſſe zu beharren im Glauben/ Matth. XX. X&XXIV. feſt zu halten an der Demuth/ 1. Petr. V. und dem weißen Rath zu folgen/ Prov. XIV. 13. Zaſſe die Zucht/ laß nicht davon/ bewahre ſie/ denn ſie iſt dein Le⸗ ben. Sleich wie dieſes alles Wege und Bedingungen ſind zum Leben/ ſo ſoll ein Chriſt ſich deren befleiſſen/ damit er endlich das andere auch moͤge erreichen/ und auf den Weg das Ziel erfolgen/ wie auch die Saat/ die Erndt/ auff den Streit/ die Beut. Dannobwohl die Beruffene aus GOttes Macht durch den Glauben muͤſ ſen bewahret werden zur Seeligkeit/ das Ende ihres Glaubens zu erlangen/ I. Petr. I, 5. 9. Und der das gute Werck in den Glaubtigen angefangen hat/ daſſel⸗
bige auch vollfuͤhren muß und will/ Phil. I.& II. und der das ewige Leben verheiſſen
hat/ es ſelber wuͤrcken/ und ſchencken muß; ſo will ers doch keinem gezwungener
Weiß aufdringen/ volentibus, non invitis, vita æterna datur. Dahero erfordert
Paulus/ daß man ſich niemahlen/ und ſonderlich/ wenn man ſchon ſo weit kommen
iſt/ erſtim Ausgang ſolle abwenden/ mude machen laſſen/ und dann erſt/ nach ſo vieler Mühe und Schweiß/ des beſten Preiſſes verluſtig werde. Wie aber im Wett⸗Lauff und Kampff die Streiter nicht ſo wohl auf den Werth der Beuthe/ als die Ehre des Siegs achten/ alſo koͤnte man im Glaubens Kampff auff bedes ſehen/ und ſo wohh um der Koſtbarkeit als Herrlichkeit willen des Preiſſes alles darauff ſe⸗ en.(i
Dann eben das iſt es/ was Paulus mit der einigen Benamſung des Lebens
vorſtellet/ wenn Erſpricht: Eegreiffe das ewige Leben/ welches iſt der ergriffene
Stand. In Gegenſatz gegen das zeitliche/ irrdiſche und vergaͤngliche Leben; (oder/ wie das Wort Leben/ für die Mittel und Unterhaltung des Lebens kan genom⸗ men werden/ wie Matth. XVI, 25.) als welches mehr ein Schatten/ als was War⸗ hafftiges/ mehr ein taͤglicher Todt und Kraͤnckung/ als Leben iſt/ und den meiſten/ das/ was zum Leben gegeben iſt/ ihnen zum Todtgereichet; da keinen hilfft/ wenn
er gleich die Pue Welt gewoͤnne/ und doch Schaden an ſeiner Seelen nehme/ l. c.
Luc. XVI. Darum zu beklagen/ daß dennoch der irrdiſch⸗geſinnte Menſch ſein Le⸗ ben/ ſein Vergnuͤgen/ darinnen ſuchet/ und das Lehen ſeiner Seelen faſt gantz dar⸗ innen beſtehet/ was doch ſein Todt iſt/ und nur den Namen darbey hat/ daß er lebe/ aber lebendig todt/ und von dem Leben das aus GOtt iſt, entfernet iſt/ weilen die Finſternuͤſſe das Licht des Lebens nicht haben begreiffen koͤnnen. Darum weiſſet Paulus auff was beſſers/ gegen welchem man alles andere verſchmaͤhen und fahren
laſſen kan/ nemlich das ewige Leben/ welches man zuergreiffen: Welches iſt Chriſtus ſelbſt/ die Gnade GoOttes in ſelbigen/ die ewige Seeligkeit und alle Gu⸗
ter und Schaͤtze des Himmels. Welches alles ein Leben wird genennet/ weilen der Seelen wahres Leben/ Ruhe/ Vergnuͤgung/ Friede/ Erhaltung und Saͤtti⸗
gung darinnen beſtehet/ Ef. XXXVIII, 16. als die mit nichts. rrdiſches und Ver⸗ gaͤngliches kan in der Warheit geſaͤttiget werden; weilen ſie ein unſterblicher Geiſt/
alles aber auſſer GOtt eitel und vergaͤnglich in der Welt iſt/ 1. Joh. III. darum
heiſt die Seeligkeit ein unvergaͤngliches/ unverwelckliches Erbe/ 1. Petr. I, 4.
1. Cor. IX, 25. eine unverwelckliche Crone/ ein unvergaͤngliches Weſen und Leben/
ſo Chriſtus aus Licht gebracht durchs Evangelium/ 2. Tim. 1, 10. davon einem das
Hertz lebet und wallet. Solches Leben aber iſt alſo/ wie gedacht/ vornemlich und im Haupt⸗ Begriff/ Chriſtus ſelbſt/ welcher nicht nur ſagt. Joh. XIV, 6. Er ſeye das Leben. Paulus Ihn
auch fur ſein einiges und eigenes Leben erkennet und rühmet/ Gal. II, 20. Phil. I, 21. ſondern/ welcher auch iſt und heiſſet das ewige Leben/ 1. Joh. V, 11. 20. hernach
und ( Gericus in Ep. ad Phil p. 219. 3.


