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50 Chriſtliche
Maaß bereits ſeelig bin. Rom. VIII. Tit. III,§. Eph. II. Das beſte Theil aber und vollkommene Gut/ deſſen ich in dieſem Leibe und Leben nicht voͤllig faͤhig geweſen bin/ Gal. III.& IV. Wie ein unmuͤndiges Kind/ welches wohl Erbe/ aber noch nicht in die voͤllige Poſſeſſion immitiret iſt/ weil es ſolches zu faſſen und zu behaup⸗ ten noch nicht faͤhig iſt/ 1. Pet. I, 4. iſt mir beygelegt/ als ein gewiſſer unſchaͤtz⸗ barer Schatz bey GOtt/ als einem Pfleger und Vormund/ und in ſeinen treuen Haͤnden/ als einen beſten Schatz⸗Kaſten/ in ſicherer Verwahrung/ 1. Cor. I, z. 2. Tim. I, 12. da weder Feinde noch Diebe denſelben rauben koͤnnen/ wenn ich michs nur nicht ſelbſten verluſtig machen will;(als welcher zwar allen erworben aber nur Glaubigen und Beharrenden eigen wird und bleibet) da GOtt/ und alles wus ſein iſt/ mein eigenthum iſt. Darum Paulus ſonſten es nennet ein Ergreiffen des ewigen Lebens. 1. Tim VI, 12.
Iſts nicht ſo? wer lauffen ſoll/ muß gute Fuͤße haben/ wer ſtreiten ſoll/ muß tapffere Faͤuſte haben/ wer was ergreiffen und hatten ſoll/ muß tuͤchtige Haͤnde haben? nun aber helffen zu dieſem lauffen weder Aſahels ſchnelle Fuͤſſe/ noch Sim⸗ ſons ſtarcke Faͤuſte/ noch die Finger Ogs zu Baſan oder Goliaths; ſondern wie zum Geiſtlichen Gehoͤr auch Midas Ohren nicht groß genug ſeyn/ Matth. XIII, Apoc. II, 3. ſo kan einer an aͤuſſerlichen Gliedern lahm und ein Krippel ſeyn/ und doch Haͤnde und Fuͤſſe haben nach dem inwendigen Menſchen/ an der neuen Crea⸗
tur; denn wie das Lauffen und Kaͤmpffen/ ſo muß auch das Ergreiffen Geiſt⸗ lich ſeyn/ und mit Glaubens⸗Haͤnden geſchehen.
Es iſt aber auch darinnen ein Gleichnuß hergenommen von dem Siegern im
Wett⸗Lauff und Wett Kampff; da der jenige/ welcher dem andern vorkommt/ die Crone oder Kleinod/ das an einem erhabenen Ort vorgeſteckt iſt/ erreicht/ und er⸗ greifft/ oder von den Kampffs⸗Richtern und Schieds Leuthen ſolches empfangt und annimmt; Alſo wird ein geiſtlicher Streiter angefriſchet/ zu lauffen/ zu kaͤmpffen/ anzuhalten/ biß Er das Ziel erreicht/ das Kleinod ergriffen/ und eine ſchone Cron einpfanget von der Hand des HEren.
Da iſt nun die ergreiffende Hand der Glaube/ der nach dem vorgeſteck⸗
ten und erkannten Kleinod in begierigem Verlangen ſich ausſtreckt/ nicht nur die
Zuſage und Verheiſſung des Guten ergreifft und auf ſich ziehet/ ſondern ſich aller
Mittel ſorgfaͤltig bedienet/ die verheiſſene Sache und vorgelegte Gabe und Preiß
ſelber gegenwaͤrtig und wuͤrcklich zu erlangen/ zu beſitzen/ zu genuͤſſen. Und das nicht in der leeren Einbildung/ wie ein Traͤumender offt vermeint einen groſſen
Schatz ergriffen zu haben/ und zu beſitzen/ ſich aber/ wenn Er erwachet/ leer und
betrogen findet/ Eſa. XXIX, 8. ſondern in der Gewißheit und Warheit/ daß man
wiſſe/und wahrnehme/ daß man das Gute habe und beſitze/ z. Tim. I, 12. daß man
GOtt/ das hochſte Gut/ beſitze/ Pſ. LXXIII. und Chriſtus durch den Glauben im Hertzen wohne/ Eph. III, 177. daß man innigſt mit der Heil. Dreyeinigkeit ver⸗ einiget ſeye/ und Gemeinſchafft habe; und aus der Fuͤſle IEſu nehme Gnade um Gnade/ Ioh. I. In Ihme habe Leben und volle Genuge/ c. 10. daß man alſo nicht nur wiſſe/ was einem von GOtt gegeben worden/ was man errungen/ er⸗ kaͤmpffet/ erarbeitet habe/ 1. Cor. II,/ 2. 1. Joh. VIII. wie man geſeegnet worden mit geiſtlichem Seegen in Himmliſchen Guͤtern/ durch Chriſtum/ Eph. I, 3. ſon⸗ dern wuͤrcklich ins umnunuee Weſen verſetzet/ Eph. I, 6. zur Gemeinſchafft der Geiſter der vollkommenen Gerechten/ Hebr. XII. zum Hummliſchen Wandel und Converſation, Phil. III. Col. III. komen ſeye. Daß man alſo bereits aus Gnaden nicht nur ſeelig ſeye gemacht worden/ Eph. II, 8. Tit. III, 7. ſondern auch bereits im Ge⸗ nuß und Vorſchmack/ noch viel groſere und herꝛlichere Seeligkeit hoffe und erwar⸗ tee/ Hebr. II, r. und demnach theils in einigem Genuß/ theils in nochgroͤſſerer Soß⸗ nung ſchon beligſeye Rom. VIII, 24. Darum ſo feſt das Kleinod halte/ GOtt nicht laſſe/ Gen. XXXII. daß man auch gewiß werde/ duß die Seele nichts ſcheiden werde
von


