Druckschrift 
Eine Wohl-vollbrachte Ritterschafft Und Wallfahrt zur ewigen Wohlfahrt, Dardurch man des Himmlischen Kleinods wird theilhafft : In einer sonderbahren Leichen-Rede, Aus 2. Tim. IV,7. 8. Nach dem seeligen Ableiben Des ... Herrn Johann Heinrich Palmen ... Hof-Jubiliers, und Niederlags-Verwandten zu Wien ... Als Derselbe ... 1710. den 18. Aprilis allda seelig gestorben ... / Vorgestellt und auf Begehren ausgefertiget Von M. Ludwig Carl Ditzinger, Ministerii Seniore
Entstehung
Seite
44
Einzelbild herunterladen

44 Chriſtliche

auff der Wallfarth zum himmliſchen Vatterland/ das beyzeiten gethan habe/

e.

was man wuͤnſchet/ wenn man ſterben ſolte/ bereits geſchehen ſeye; Und dannenhero in der hoͤſen Zeit eile ſeine Seele zu erretten/ auff daß man in dem entgegen kommen Chriſto/ und annahen zu GOtt nach und nach in ſolchen ſeeligen Stand gelange/ daß man nur noch warte auff die ſeelige Erſcheinung IEſu Chriſti/ und Einhohlung zur ewigen Ruhe/ 1. Cor. I. Da dann ein Auserwohiter in der Ge⸗ wißheit der vollendenden Krafft Chriſti und Vorſatz der Endsbeharrlichkeit getroſt ſagen kan: Ich hab den Lauff vollendet. Ich bin vollkommen in Chriſto.

Worzu dann noch ferner das Letzte und Beſte erfordert wird/ nemlich Verhar⸗ rung/ Standhafftigkeit und Treue; daß man das angefangene Weſen biß ans Ende feſt behalte/ Hebr. III, 14. ſich nicht wende von dem H. Gebott und Ge⸗ rechtigkeit/ 2. Petr. II, 2 1. Ingedeuck/ daß ſonſt aller vorhergehenden Gerechtigkeit nicht mehr ſoll gedacht werden/ Ez. XVIII. Und weder Saul uoch Juda etwas ſolle helffen/ daß ſie einmahl wohl angefangen; weilen die Zuruck weichen/ werden groß Hertzenleyd haben; der HErr umbringet alle/ die wider Ihn huren/ Pſ. LXXIII. So wurde auch das Letzte immer aͤrger/ dann das Erſte geweſen; da bey ſo vielem Ruckfall und Umkehren das Auffſtehen und Wiederkehren/ durch die Macht und Gewohnheit der Sunden/ immer ſchwerer/ und wohl endlich ohnmoͤglich wird; ja ein Anzeigen iſt/ daß man noch kaum einmahl die erſte Buß der todten Wercke ge⸗ than/ und zum Himmelreich untuͤchtig ſeye. Wie nun das Anfangen ſo rahr/ ſo iſt das Verharren vielungemeiner/ und doch ſchlechterdings nothwendig/ ſonderlich/ wenn man nach ei und andern Zuruckfall/ vielen Vorſatz und Verſpruch/ bey neu⸗ erlangter Gnade kluͤger und vorſichtiger werden ſoll; dann da ſagt Chriſtus/ Matth. X.& XXIV. Wer verharre biß ans End/ der werde ſeelig und Apoc. II, 10. C. III, 12. c. XXl, 7. Weil wir aber fuͤr uns ſelber zerbrechliche Gefaͤſſe/ leicht bewegendes Rohr/ leichtglaubige Kinder ſind/ ſo haben wir um die befeſtigende Suade SOttes ſtuͤndlich anzuhalten/ daß wir nicht verſuchet moͤgen werden uͤber Vermögen. unvod eben ſolches ruͤhmet Paulus auch von ſich/ wenn er ferner weiſt/ wie der tapffere Glaubens⸗Held ſeine Ritterſchafft auch uͤbet/ im Glauben halten. Welches mag fuͤr eine deutliche Beſchreibung/ ohne Figur und Sprich⸗ wort der vorigen Gleichnuͤſſen/ und alſo als ein eigentlicher Ausdruck der Art und Weiſe des gefuhrten Ampts und Chriſtenthums in einer Haupt⸗Sumia angeſe⸗ hen werden. Weilen ohne den Glauben alles andere GOtt nicht gefallen kau⸗ Rom. XIV, 23. Hebr. XI. 16. Anbey aber auch nicht die Bloßglaubige/ ſondern beharrlich Glaubige/ Auserwoͤhlte ſind/ und ſeelig werden. Muß alſo dieſes was ſonderliches ſeyn/ und der Glaube gar leicht wieder koͤnnen verlohren/ Gal. V. Pſ. CXIX. 1. Cor. X. Col. II. aber ſo ſchwer wieder gefunden werden/ als einem Blinden das Geſicht/ und einem Todten das Leben wieder gegeben wird. Aug. Conf. art. 12. Artic. Smalc. n. 3. art. Z. Darum/ wie es die groͤſte Tugend iſt im Gluͤck und Un⸗ gluck gleiche Farbe und Geſicht behalten; alſo ſcheinets nicht ſo ſchwer zu ſeyn/ in gu⸗ ten Tagen/ als in Verſuchungen den Glauben halten/ deſſen ſich doch Paulus bee⸗ des ruͤhmet. Und daß Er habe/ wie ein kluger Baumeiſter/ das Angefangene auch ausgefuͤhret/ Luc. XiV, 30.*

Wie aber durch den Glauben/ als wiroben berichtet worden ſeynd/ entweder verſtandenwird die Lehre des Glaubens/ oder das Werck/ die Krafft/

das Weſen des Glaubens/ und das Abermahl entweder ſo fern er eine Tu⸗ aend der erſten Gebotten/ und alſo ein Stuͤck iſt der Heiligung und Pflicht der Men⸗ ſchen/ oder ſo fern er iſt eine Relation und Beziehung auff GOtt und die Mittel der Begnadigung/ Rechtfertigung und Seeligmachung; ſo mag dieſes alln

32 H 1

11

yöO/ʒ