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Eine Wohl-vollbrachte Ritterschafft Und Wallfahrt zur ewigen Wohlfahrt, Dardurch man des Himmlischen Kleinods wird theilhafft : In einer sonderbahren Leichen-Rede, Aus 2. Tim. IV,7. 8. Nach dem seeligen Ableiben Des ... Herrn Johann Heinrich Palmen ... Hof-Jubiliers, und Niederlags-Verwandten zu Wien ... Als Derselbe ... 1710. den 18. Aprilis allda seelig gestorben ... / Vorgestellt und auf Begehren ausgefertiget Von M. Ludwig Carl Ditzinger, Ministerii Seniore
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Prov. XVIII. eingeſchloſſen/ die

Leich⸗Predigt. 33

nſepar del iſt/ ihnen nicht beſſer bekommen werden/ als den Kindern Iſrael die Wachteln in der Wuſten/ oder dem Beel zu Babel die vorgeworffene und einge⸗ ſchluckte Kuͤchletn.

Dannenhero findet ſich ſo wenig Verlaͤugnung ſein ſelbſt/ Abſagung der Welt/ Gefangennehmung der Vernunfft/ Verlaͤugnung falſcher Weißheit/ Geringach⸗ tung eigener Gerechtigkeit/ Widerſpruch den Luͤgen/ Haͤmpffung der Luſt. u Creutzigung des Fleiſches/ Todtung und Abhanung der Gleeder des alten Men⸗ ſchen/ Betaͤubung und Zaͤmung des Leibes/ Abbruch der Begierdten/ Vergeſſen⸗ heit deſſen/ was dahinden iſt/ Geringſchaͤtzung deſſen/ was dem irrdiſchen Sinn koſtbar und Gewinn geweſen iſt; Widerſtand dem Satan/ Vorſicht vor deſſen Verſuchungen/ Ausſchlagung deſſen Anerbott/ Auffhaltung deſſen Anlauffen/ Ein⸗ ſicht der Tieſſe der Boßheit/ Entdeckung der geiſtlichen Schalckheſten. Vielweni⸗ ger/ daß man von der Finſternuͤß zum Licht/ vom Irrthum zur Warheit/ von der Gewalt des Satans zu HOtt/ von ſich ſelbſt zum Eigenthum Chriſti/ von der Knechtſchafft zur Freyheit/ von der alten zur neuen Geburt/ vom Leib der Sunden/

um neuen Weſendes Geiſtes/ von Sinn des Fleiſches/ zu Chriſti Sinn/ vom Lauf er Welt/ zur Nachfolge Chriſti/ und wandel im Geiſt/ von der Gleichſtellung der Welt/ zur Gleichfornugkeit Chriſti/ von der Hoffart zur wahren Demuth/ vom Haß zur Liebe/ vom Zorn zur Saufftmuth/ vom Geitz zur Vergnuͤglichkeit/ in Sunima aus dem Reich des Satans und Herrſchufft der Suͤnden in das herrliche Reich IEſu Chriſtiſolte eingedrungen ſeyn/ daß man immer mit mehrerer Warheit ſagen konte: Man habe einen guten Kampff gekämpffet/ und werde ſelbigen auchin GOttes⸗Krafft ferner auskäͤmpffen.

Dann eben darum nennet ſolchen Kampff Paulus anderwaͤrtig einen Glaubens⸗Kampff/ 1. Tim. VI, 12. Weilen Er allein von Bekehrten und Glaubigen kan gekaͤmpffet/ und muß im Glauben angefangen fortgeſetzet/ in/ durch und über den Glauben ausgekaͤmpfft werden. Es heiſt aber ein Glaubens⸗ Kampff/ mcht nur/ wie obgedacht damit anzuzeigen/ daß die Waffen der Chriſt⸗ lichen Ritterſchaßft nicht ſer enfleif blich/ ſondern geiſtlich/ 1 Cor. X. Sondern/ daß zu der geiſtlichen Ruͤſtung auf geiſtliche und uͤberngtuͤrliche Kruͤfften erfordert wer⸗ den/ Eph. VI, 10. alſo auch eiu richtiger Stand der Buß/ der Lehre des Glaubens/ des rechtſchaffenen Weſens/ der Redlichkeit und Treue/ ein Stand eines guten Gewiſ⸗ ſens/ guter Werck/ des Eyffers im Beruff/ rechten Gebrauchs des Worts/ in der Krafft des Geiſtes unter dem Schutz und Panter Chriſti ein Widerſtanddes Giau⸗ bens/ 1. Petr. V, 9. Jac. IV, 7. daß man ſich gleichſam mit dem Wort Gottes feſt mache/ 2. Cor. VI. 7. ſich hinter die Bruſt⸗Wehre der Krafft und Namens Chriſti ſich gleichſam verſchantze; inflbzgemn als in einem feſten Schloß und Burg/

nlaͤuffe der Feinde auffhalte/ abtreibe. Darzu der Slaube/ Weißheit/ Kraͤfften und Erfolg mitgibt/ mit Chriſto und in Ihme weit zu überwuͤnden; wie die Glaubige/ in deren Schwachheit allezeit Chriſtus maͤchtig ſeyn/ und ihre Kraͤfften vermehren will/ 2. Cor. IX, 8. Xll, 9. Eſ. XL. 29.2. Perr I, 3. Zu allen Zeiten alles vermoͤcht haben durch den/ der ſie maͤchtig gemacht/ Chri⸗ ſt un/ Phil. IV. wie das eilffte Capitel oder Epiſtel an die Hebreer trefflich davon euget. Durch ſolchen Glauben wird der Satan vertrieben/ 1. Petr. V, 9. die Welt berwunde /1. Ioh. V, 4. durch den Geiſt des Glaubeus/ 2. Cor. IV, 13. wird das Fleiſch und deſſen Geſchaͤffte getoͤdtet/ Rom. VIII. durch den Glauben wird der un⸗ uberwuͤndlichſte überwunden/ wie Jacobs und des Cananeiſchen Weibleins Exem⸗ pelbekraͤfftigen/ Gen. XXXII, 28. Matth. XV, 28.

Es heiſſet aber nicht deßwegen ein Glaubens⸗Kampff/ weil ſelbiger kein

Martis-Venus-Bachus- oder Proceſs⸗Streit/ oder ein thorichtes Spiegel⸗Fechten/

Feder Fechten/ Wort⸗Streit ſeyn ſoll; Denn/ ob wir ſchon im Fleiſch wandeln/ J ſtreiten