Druckschrift 
Eine Wohl-vollbrachte Ritterschafft Und Wallfahrt zur ewigen Wohlfahrt, Dardurch man des Himmlischen Kleinods wird theilhafft : In einer sonderbahren Leichen-Rede, Aus 2. Tim. IV,7. 8. Nach dem seeligen Ableiben Des ... Herrn Johann Heinrich Palmen ... Hof-Jubiliers, und Niederlags-Verwandten zu Wien ... Als Derselbe ... 1710. den 18. Aprilis allda seelig gestorben ... / Vorgestellt und auf Begehren ausgefertiget Von M. Ludwig Carl Ditzinger, Ministerii Seniore
Entstehung
Seite
12
Einzelbild herunterladen

12 Chriſtliche

geſchweige die hoͤhere vor dem Tod erreichen/ und alſo im voͤlligen Tod erſt der Leib der Sunden aufhoͤret; dennoch/ vorhero/ wenn ſorgfaͤltige Seeien ſich um Gewiſſen vor GOttes Gericht ſtellen/ und noch ſo viel defecte, Unreinig⸗ keit/ Befteckungen(zu deren voͤlligen Reinigung ſie doch ſo ernſtlich angetrie⸗ ben werden 2. Cor. VII, 1. 1. Joh. III, 3. weil nichts unreines in das Himm⸗ liſche Jeruſalem wird eingehen/ Apoc. XXI, 22. und ohne Vollendung der Hei⸗ ligung niemand wird den HeErꝛn ſehen/ Hebr. XII. 14.) in ſich erblicken/ ſo bitten ſie ſolche Fehler.und Maͤngel in taͤglicher Buße ab; HErꝛ gehe nicht ins Gericht! erſetzen ihren Mangel von der Fuͤlle Chriſti und ſeinem Gehorſam/ und werden alſoin Chriſto vollkommen heilig GOtt dargeſtellet/ daß Er weder Flecken noch Runhel an ihnen findet/ Eph. V. Pf. XLV. Indeme das/ was ſie nicht ge⸗ than und erfuͤllet haben/ ihnen vergeben/ zugedeckt und uͤberſehen wird. In⸗ zwiſchen/ und da ſie ſich nicht duncken laſſen/ daß ſie es bereits ergriffen haben/ jagen ſie dem Ziel/ welches vorbehaͤlt die Goͤttliche Beruffung/ ernſtlich nach/ daß ſie es ergreiffen/ Phil. III. verſparen nicht den groſſen Reſt der Suͤnden aufs Todbett/ oder unterlaſſen den Fleiß guter Wercke/ biß aufs Ende/ damit SOtt vielhabe zu vergeben/ und Chriſtus viel zu erſetzen. Weilen die Ehre der Er⸗ loſung Chriſti ſelbe vielmehr ſuchen im Wachsthum des Guten aus immer voͤl⸗ ugerm Glauben und einfaͤltiger Liebe/ Eph. IV, 13. feqq. 1. Theſſ. III, 12. c. IV;. 1. 2. Ep. I, 3. daß es unmer heiſſe: Dieſes Werck in der Liebe iſt vollbracht; in dieſem und jenem/ iſt der Wille GOttes vollbracht/ nach dem Vermoͤgen und Maaß der Gaben das G0TT dargereichet hat; da einer das Maaß und Ziel eines Kindes/ der andere eines Junglings/ der dritte eines Mannes errer⸗ chet/ nachdeme GOtt ausgetheilet hat das Maaß des Glaubens; Welcher bey vielen/ wiewol meiſtens aus eigener Schuld/ ſchwach/ bey andern ſtaͤrcker iſt/ Rom. XIV. Wer aber trachtet nach den beſten Gaben/ und beharret biß ans Ende/ der wird ſeelig// Matth. X, 24. Phil. II, 8. Sintemahl die Buß ihre ge⸗ wiſſe Art/ der Glaube ſeine beſondere Natur/ die Tugenden ihre ſonderbahre Beſchaffenheit/ die Baben ihr beſonderes Maaß/ ein jedes Werck ſeine Regel Schrancken und Ziel/ und das gantze Chriſtenthum ſeine weſentliche Stuͤcke hat/ welches alles bey einem jeden ſich muß finden/ wann Er will ſeelig wer⸗ den; daß Er/ in ſeiner Art und Maaß ſeye vollkommen und gantz in Chriſto. Col. I, 28. Jac. I, 14. da GOtt von ſeinen Ordnungen und Bedinqumgen nicht das geringſte vergibt; ohne Buß und Glauben will und kan Er keine Suͤnde vergeben/ Luc. XXIV, 47. ohne Wiedergeburt und Veraͤnderung keinen in ſein Reich aufnehmen/ Joh. III, 3. Matth. XVIII, 3. ohne Beſchwehrung und Be⸗ wehrung folgt keine Verehrung. Act. XIV. Rom. VIII. Luc. XXIV. Hebr. XII.

So folget dann endlich auch die Vollbringung des Leidens/ welches

ein ſtarcker Grund iſt des Troſtes und der Gedult) und zwar deß Leidens/ ſo wohl

für andere/ Col. 1I, 24. welche Stelle ſehr werckwuͤrdig iſt. 2. Cor. XII, 15.

2. Tim. II, 10. I. Joh. III, 16. als welches der hoͤchſte Grad der Liebe iſt/ und mehr als die Liebe ſeiner ſelbſt zu ſeyn ſcheinet; als fuͤr ſich ſelbſten/ wenn durch langwuͤrriges Leiden das Maaß immer abnunmt/ man immer mehr und

mehr/ 2. Cor. I, 10. und endlich gar erloͤſet wird von allem Ubel/ von allem

Natur⸗Suͤnden⸗und Straff⸗Ubel/ 2. Tim. IV; 18. wenn es wider den Sturm der Feinde und alles Ungluͤcks wird heiſſen: Biß hieher ſolt du kommen/ hier ſollen ſich legen deine ſtoltze Wellen. Job. XXXVIII, I1. Wenn der Gerechten

Fuß wird ſo hoch geſetzet ſeyn/ daß kein Feind dahin reichen/ kein Ungluͤck zur

Huͤtte des Friedens nahen kan; wo kein Leid/ kein Geſchrey mehr ſeyn wird/

Apoc. XXI, 4. Eſ. LXV, 16. Ef. XXXV, 16. Sap. III. Wenn hingegen der Gott⸗

loſen