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Eine Wohl-vollbrachte Ritterschafft Und Wallfahrt zur ewigen Wohlfahrt, Dardurch man des Himmlischen Kleinods wird theilhafft : In einer sonderbahren Leichen-Rede, Aus 2. Tim. IV,7. 8. Nach dem seeligen Ableiben Des ... Herrn Johann Heinrich Palmen ... Hof-Jubiliers, und Niederlags-Verwandten zu Wien ... Als Derselbe ... 1710. den 18. Aprilis allda seelig gestorben ... / Vorgestellt und auf Begehren ausgefertiget Von M. Ludwig Carl Ditzinger, Ministerii Seniore
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Leich⸗Predigt. 13 oſen Kummer/ Plage und Klage erſt recht wird angehen ohne Ende/ ſo wirdes heiſſen bey den wohl geuͤbten und biß ans End verharrenden: Unſer Jammer Truͤbſaal und Elend iſt kommen zu einem ſeeligen End ꝛc. da es jetzt bey einzelen/ wie einmahl wenn Chriſti Erlofung an allen wird vollbracht ſeyn/ heiſſet; Tod/ wo iſt dein Stachel/ 1. Cor. XV, 25. 26. 5§. Was konnte wohl mehr den Tod verſuſſen/ als ſolche Verſicherung der voͤlligen Vollbringung aller Arbeit und Leiden/ und daß nach dem Tod der im HERRN Verſtorbenen kein weiteres Weh/ ſondern ewiges Wohl Ruhe und vollkomimnene Seeligkeit erfolgen ſolle?

In welcher Abſicht und Hoffnung der Befeſtigung und Verwahrung, aus SoOtres Macht durch den Glauben/ biß zu einen ſeeligen End/ Paulus ſein Sieg⸗ und Triumph⸗ Lied anſtimmet: Ich habe einen guten Kampff ge⸗ kaͤmpffet ꝛc. O wte ſeelig der alle Stuͤcke vollbracht/ O wie ſeelig der allem Ungemach entgangen iſt! Darum ſeuffzet eine der Vollendung nachjagende Seele: Hilff daß ich ja nicht wancke von dir HErꝛ JEſu Chriſt/ den ſchwachen Glauben ſtaͤrcke/ allhier zu dieſer Friſt/ huff ritterlich mir ringen/ dein Hand mich halte feſi/ biß daß ich froͤlich ſinge/ das conſummatum eſt. Ddiieſes bezeuget/ zum Ruhm der Gnade Gottes/ von ſich unſer ſeelige Herꝛ Palm/ daß Ihme durch vtel Kampff/ Streit/ Muͤhe/ Arbeit und Fleiß der wahren Gottſeeligkeit ſeye dargereichet worden der herꝛliche Eingang in das Reich IEſu Chriſti; da Er theilhafftig worden deſſen Herꝛlichkeit. Und daß Er/ in ſeiner Maaß/ auch Paulo nachſagen koͤnne: Ich habe einen guten Kampff gekaͤmpffet ꝛc.

Welche Pauliniſche Worte der Seelige zu ſeinem Leichen⸗Tert erwaͤhlet hat; nicht/ wie meiſtens geſchicht/ aus Unbedachtſamkeit/ von denen/ wel⸗ che noch wenig von den geiſtlichen Feinden/ oder dein rechten Chriſten Kampff wiſſen/ ja den Feinden mit Willen unterworffen ſeyn/ und wider&OTT/ ſein Wort/ Geiſt und Gewiſſen ſtreiten; ſo gar den Lauff nicht begehren zu vollen⸗ den/ daß ſie nicht einmahl Fuſſe haben zu gehen/ ſondern zuruck/ in der Irꝛ/ ih⸗ ren eigenen Gedancken nach auf ſunduchen Wegen/ ja gar verlohren gehen; Weder Glauben noch g ut Gewiſſen bewahren/ und alſo falſchlich ſich des ewigen 14 getroſten; die Beuthohne Streit/ das Ziel ohne Müͤhe/ dengweck ohne Be⸗

rrung zu erreichen vergeblich hoffen. Viel weniger geſchahe ſolches von Ihm aus Hoffart und Vermeſſenheit/ als ob Er ſich haͤtte über das Ziel ruͤhmen wol⸗ len/ oder mehr duncken laſſen als Er in der That geweſen/ und den hoͤchſten Grad der vollkommenſten Heiligung erreichet zu haben/ ruhmredig vorgeben wollen; wohl wiſſend/ wann Er auch gethan haͤtte/ was Er zu thun ſchuldig geweſen/ daß Er dennoch ein unnutzer Knecht. Luc. XVII. Indeine ſeine Selbſt⸗ erkanntnuß/ Demuth und Beſcheidenheit nicht zugelaſſen/ ſich etwas zu ruͤh⸗ men als der Krafft GOttes in ſeiner Schwachheit: Wie ſeine ſchrifftliche An⸗ merckung in ſeinem Hand⸗Buch bey Aufzeichnung dieſes Texts zu erkennen gibt: Es iſt nit/ dann ich habe noch lang nicht aufs Blut gekaͤmpffet/ dahero ich keiner Crone wuͤrdig/ aber der Gnade um Chriſtus willen hoͤchſt beduͤrfftig bin. Deoch geſchahe es in der Gewißheit/ daß Er nach dieſem Leben nichts weiters zu kaͤmpffen/ zu leiden/ zu vollenden/ ſon⸗ dern gleich ewige Ruhe/ und Friede haben wuͤrde/ Apoc. XIV. da es heiſſen wer⸗ de; Es iſt vollbracht/ der HErꝛ hat mir ausgeholffen zu ſeinen ewigen Reiche/ GOit ſeye Danck/ der mir den Sieg gegeben hat durch unſern HErꝛn JEſum Chriſtum. Es geſchahe am wenigſten aus fleiſchlichen Abſichten des D zanck⸗