Teil eines Werkes 
Band 2, Zweiter Theil (1886)
Entstehung
Seite
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Die Darlehnskaſſe leiht ihre Gelder gegen Schuldſcheine und Kaufſchillinge aus. Der Zinsfuß iſt 5 pCt. und ½ pCt. Proviſion. Die Darlehen werden regelmäßig auf ½ Jahr gegeben. Die Proviſion wird bei jeder Prolongirung erneuert.

Hypotheken hat die Darlehnskaſſe nicht. Die Darlehnskaſſe beſteht ſeit 1880.

Frage VII.

a. Wie ſtehen im Allgemeinen die Arbeits⸗ und Geſindelöhne in der Gemeinde, genügt die ortsanſäſſige Bevölkerung zur Beſtreitung der landwirthſchaftlichen Arbeiten oder ſind fremde Arbeiter nöthig und wo⸗ her kommen letztere?

b. Iſt für die landwirthſchaftliche Bevölkerung Gelegenheit zum Nebenverdienſt vorhanden, event. haben dieſe Nebenverdienſte(Arbeiten im Wald, Hausinduſtrie, Fabrikbetriebe, Fuhrweſen ꝛc.) eine beſondere Bedeutung für den Wohlſtand der Landwirthſchaft treibenden Bevölkerung und der Gemeinde im Allgemeinen?

c. Gibt es Landwirthe in der Gemeinde, die mit Rückſicht auf den Umfang und die Rentabilität ihres landwirthſchaftlichen Betriebes an ſich auf Nebenverdienſt und Tagelöhnerarbeit angewieſen wären, ſolche Arbeiten aber aus Standesvorurtheil, Trägheit ꝛc. nicht ausführen?

a. Die ortsanſäſſige Bevölkerung würde zur Beſtreitung der landwirthſchaftlichen Arbeit genügen, wenn nicht die meiſten Arbeiter in den Steinbrennereien, bei der Brückenbaugeſellſchaft und im Hafen Guſtavsburg arbeiteten und müſſen aus dieſem Grunde noch fremde Arbeiter, meiſt als Knechte oder Mägde, angenommen werden.

Für Taglöhner werden durchgängig bezahlt, ohne Koſt:

für einen Mann 1,70 Mk., eine Frau 1 An Geſinde:. für einen Knecht 200 300 Mk., eine Magd 100 150

b. Gelegenheit zum Nebenverdienſt für Landwirthe iſt nicht vorhanden. Die Nachfrage ſeitens des Handels und der Induſtrie nach ſtändigen Arbeitern iſt wohl ſehr bedeutend, doch bleibt die Auffaſſung, als könnte damit reichlich Gelegenheit für Füllarbeit gegeben ſein, vollkommen ausgeſchloſſen.

c. Es läßt ſich wohl nicht leugnen, daß eine ganze Reihe von Familien ſich in günſtigeren Verhältniſſen befinden würden, wenn die männlichen Glieder ihre Kraft der Induſtrie als Arbeiter widmen wollten, anſtatt ſich unter den denkbar ungünſtigſten Verhältniſſen weiter mit ausſchließlicher Landwirthſchaft zu quälen. Dies Verhältniß

müßte noch um ſo viel günſtiger ſich geſtalten, wenn nebenher die übrigen Familien⸗ 2²⁰