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wird, wodurch immer jene, die doch auch Bedürfnuss ist, sofort wieder aufgehoben wird.
Das ist jedoch etwas ganz anderes, als wenn Schup- pius die Theologie auch überhaupt gar nicht mehr als Wissenschaft gewollt habe. Demn wenn er auch das für das Leben bestimmte Christentum, weil es weniger etwas Lehr- und Lernbares sei, als vielmehr durch Erfahrung angeeignet würde, nicht in der blosen Form der Lehre, der Theologie, auch der rechtgläubigsten Theologie, wollte- so misst er doch dankbar genug allen theologischen Doc- trinen einen nicht unbedeutenden formalen Wert bei, wie für die Bildung des Geistlichen, so auch für die Leitung der Seelen zum„Fischer- und Bauernhimmel“. Er war weit davon entfernt die Theologie als Wissenschaft, da sie keinen zum Heil absolut notwendigen Wert hat, nun auch als ganz überflüssig oder wenigstens bedeutungslos herabzuwürdigen, was überhaupt nur denen beifallen kann, die keinen Be- griff vom Begriff haben, die daher dadurch, dass sie das Wissen zum Glauben machen, auch den Glauben eben wieder in ein bloses Wissen verwandeln möchten.
Aber freilich scharf abgegrenzt und genau bestimmt ist, bei Schuppius das Verhältniss von Christentum und Theo- logie, von Glauben und Wissen noch nicht; desshalb erscheinen wol auch seine gelegentlichen und concreten Aeusserungen oft widersprechend oder doch wenigstens so, dass man ihn bald mit Calov für einen guten Lutheraner damaligen Begriffs und bald mit Gottfried Arnold für einen solchen halten kann, welcher der„guten Sache“ der Lutheraner den grössten Abbruch gethan hat. Das macht aber, weil seine Ansichten mehr das Product der ummittel- baren Erfahrung des Lebens sind und deshalb, wie das Leben selbst, der Consequenz des Systems ermangeln. In- dess merkwürdig ist es immer, dass das, was die beson-
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