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nensten Denker in der neuesten Zeit auf dem Wege anthropologischer Forschungen mit mehr Schärfe und Con- sequenz, aber, wie es scheint, mit unverhältnissmässigem Erfolg zur Evidenz gebracht haben, und worum sich seit Spener alle Bewegungen in der protestantischen Theologie mit den extremsten Schwankungen drehen, schon vor Spe- ner ein Mann auf dem Wege des praktischen Bedürfnises auffand und, aus Mistrauen gegen die gesunde Logik seiner Zeitgenossen den langsamen Gang verstandesmäs- siger Ueberzeugung verschmähend, mit Ironie und Satyre geltend machte, nämlich das, dass die Theorie, welche sich jeder Mensch mehr oder weniger bewusst, mehr oder weniger zusammenhängend und vollkommen, mehr oder weniger nüchtern oder begeistert vom Glauben und sei- nen Objecten bildet, noch nicht sein Glaube selbst ist, dass die Bedürfnisse des Herzens anderer Art sind, als die des nur zum Distinguiren und Abstrahiren fähigen und nur die Dinge im Causalnexus begreifen wollenden und begreifen könnenden Verstandes, und dass der Glaube nicht sowol in Begriffen und Syllogismen, auch wenn diese, so unpassend freilich wie so vieles Andere, noch mit den Attributen„positiv“ und„objectiv“ geziert werden sollten, als vielmehr in Werken der Liebe und der Gerechtigkeit, und in einem vom Geiste Jesu Christi be- wegten und getragenen Leben thätig ist.
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