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Johann Balthasar Schuppius, ein Vorläufer Speners, / für unsere Zeit dargestellt von Alexander Vial, Pfarrer Extraordinarius und Rector zu Neukirchen in Kurhessen
Entstehung
Seite
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dadurch den Willen aufzumuntern und zu bewegen. Diess alles aber wäre in der That widersprechend und bei einem Manne wie Schuppius unbegreiflich, wenn wir nicht an- nehmen mässten, dass seine Ausfälle gegen diese Disciplinen nur dem Missbrauche gegolten hätten, welcher damals mit ihnen getrieben wurde. Von diesem erblickte er nun die Wurzel darin, dass alle diese Disciplinen in einem zu frühen Alter und mit zu wenig Anschauung und freier Auffassung der Schüler tractiert würden und so notwendig zu einem blosen Spiel mit Gedächtnisformeln herabsänken ¹).

Indess begnügte er sich nicht damit, die Wurzel des Schadens blos zu legen und die Behandlung der Wissen- schaften negativ als eine verkehrte hinzustellen, wodurch sein Verhältnis zu denselben immer noch zweifelhaft ge- blieben wäre, sondern er versucht es auch etwas Positives an die Hand zu geben, welches geeigneter sei wahre Wis- senschaftlichkeit zu fördern als die spitzfindigen Künsteleien derGeneralmajores in bello grammaticale, wie er sie nannte. Und dieses war, wie er es nennt, die Natur oder die gesunde Vernunft ²). Nicht als ob Schuppius damit nun allen Unterricht und Lehre überflüssig befunden hätte, aber er betrachtet sie doch nur als eineSchmiede, worin die Waffe geschmiedet werde, die Einer im Leben selbst führen müsse, oder auch alsWegweiser für die Wege des Lebens³), so dass ihm doch die Erfahrung, aus der Natur, der Geschichte und dem gegenwärtigen Leben ge- schöpft, noch höher gilt. Darum beklagt er es auch, dass die Philosophen so wenig die Physik und andere mehr an das industrielle und praktische Leben sich halten-

¹) Reg. Sp. p. 50. ²) Von der Einbildung p. 534 535. Lana caprina 417. ) Reg. Sp. p. 4. 51,