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Johann Balthasar Schuppius, ein Vorläufer Speners, / für unsere Zeit dargestellt von Alexander Vial, Pfarrer Extraordinarius und Rector zu Neukirchen in Kurhessen
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gegenwärtigen, nicht aus Büchern lernen lasse, so wol, als er mehrere Male bekennt, sein Lehrmeister sei die Welt ge- wesen; aber darum will er ja auch gerade, dass die Theo- logie mehr als eine Erfahrung, denn als eine Wissenschaft betrachtet werde, darum spricht er von dem Verhältnisse der wissenschaftlichen Studien zu der praktischen Thätig- keit des Geistlichen, es sei ein anderer, der die Waffen schmiede, und ein anderer, der sie führe und ge- brauche; und seinem Sohne Anton Meno empfiehlt er zwar das eifrigste Studium aller theologischen Disciplinen und so namentlich auch der heiligen Schrift, Sagt aber doch, dass er diese erst durch die Erfahrung verstehen lernen werde; durch diese unterrichtet werde er erst empfinden, was für ein Unterschied sei zwischen dem Ver- ständnis der heiligen Schrift durch Studiren und dem qurch die Erfahrung empfangenen, denn Beides verhalte sich zu einander wie die Uebungen auf dem Fechtboden und ein wirkliches Gefecht im Kriege auf Leben und Tod). Deshalb sagt Schuppius auch, dem Theologen sei Kreuz und Trübsal so notwendig, wie das Brod ²), und findet er es lächerlich, dass einem erfahrenen Theologen nicht selten ein solcher vorgezogen werde, der ein feineres Latein schreibe, mit welchem doch nimmer einer Gemeinde etwas gedient sei.

Aus dieser Ansicht erklärt sich auch zum Theil seine Abneigung gegen das damalige Universitätsleben, wie gegen die Schulen und den Betrieb der Wissenschaften zu seiner Zeit überhaupt, denen er Reisen ins Ausland und das Leben an einem Fürstenhofe hinsichtlich dessen, was zu einem Theologen bildet, vorziehen zu müssen glaubt.

¹) Freund in der Not. p. 261. 268. ²) Der geplagte Hiob p. 132.