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Johann Balthasar Schuppius, ein Vorläufer Speners, / für unsere Zeit dargestellt von Alexander Vial, Pfarrer Extraordinarius und Rector zu Neukirchen in Kurhessen
Entstehung
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heit Deckel sein¹), wenn er so eifernd es nicht zugleich beklagt hätte, dass eben diess alles ein Polster und Deck- mantel sein konnte? Wie wenig Gewicht muss er selbst auf das an sich gelegt haben, ohne das man sich doch sonst so schwer wahres Christentum denken kann, wenn er dann ferner ausruft:Wie viele sind noch deren, welche an jenem grossen Tage sagen werden: Herr, Herr, sind wir nicht fast alle Tage in die Kirche kommen? Haben wir nicht fast in allen Kirchen unsere Stühle gehabt? Sind wir nicht oft genug zum Beichtstuhl, zum h. Abendmahl ge- gangen? Haben wir nicht reichlich genug gegeben zur Er- bauung der Kirchen und Schulen? Haben wir nicht ins Waisenhaus, ins Gasthaus, in andere Hospitalia nicht genug geschicket? ²)

Diess alles hätte Schuppius nicht sagen können, wenn er nicht noch Etwas gekannt hätte, was höhern Wert und Bedeutung hat, und von dem ihm eben das gleich Notwendig- und gleich Bedeutend finden dessen, worauf er sich jene berufen lässt, die gefährlichste Ablenkung zu sein schien. Und dieses Etwas ist das Eine, was Not thut, die sola fides. Schuppius lässt sich dessen zwar nur ein Mal merken(Abgenötigte Ehrenrettung p. 651), allein es lässt sich dieses Eine auch nicht weiter exponiren, weil es dann eben nicht mehr das Eine, sondern ein Vieles wäre. Man trägt es als eine Richtung zu Gott in der Brust und wird von ihm bewegt und getragen, und so auch Schuppius.

Weil nun aber verhältnismässig nur wenige Menschen Theologen sein und für das feinere theologische Wissen

¹) de opinione(v. der Einbildung) p. 555; namentlichder ge- plagte Hiob p. 144. ²) Abgenötigte Ehrenrettung p. 640 642.