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Johann Balthasar Schuppius, ein Vorläufer Speners, / für unsere Zeit dargestellt von Alexander Vial, Pfarrer Extraordinarius und Rector zu Neukirchen in Kurhessen
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seinen Herrn in der Nähe glaube, den Diebstahl und alle andere Sünden gegen Gottes Gebot für Mangel an Glauben ansah, sagt er auch ausdrücklich:wo lieset man doch in der heiligen Schrift von gläubigen Hurern und Ehebrechern. von gläubigen Zauberinnen und Gotteslästerern, von gläu- bigen Meineidigen, von gläubigen Trunkenbolden, von gläubigen Geitzigen und Neidischen, von gläubigen Zän- kern, von gläubigen unversöhnlichen und zornigen Herzen, von gläubigen Lügnern und Verläumdern. Dieben und der- gleichen?) Ja, manchmal scheint es. als ob Schuppius gerade in dem, was seiner wie auch wieder unserer Zeit für die hauptsächlichsten Kriterien des wahren Glaubens galt, in dem Halten über der reinen Lehre und in dem Mitmachen kirchlicher Gebräuche, wenn nicht ein Hindernis des wahren Lebens, so doch ein bequemes Polster und einen bestechenden Deckmantel für die Lasterhaftigkeit er- blicke. Für solche Ansicht spricht zunächst seine Abfas- sung des doppelten Tractatsvon der erbaren Hure. Nachdem er in der Vorrede zu demselben Personen aufge- führt hat, welche trotzdem oder vielmehr gerade weil ihr Priester ihnen durch Handauflegung die Sünden vergeben, weil sie in die Kirche gehen und fleissig in der Bibel und in Arnds wahrem Christentum und dessen Paradiessgärtlein lesen ²), mit ihrer Hurerei desto sicherer prahlen: beschreibt er in dem Tractat selbst die scheussliche Hurenwirtschaft einer Mutter und ihrer Tochter, welche die Kirche nie versäumen, aber sich nicht darin gefallen, wann ein Pre- diger Ehrenhold(wahrscheinlich Schuppius selbst) ins Leben

¹) Erklärung der Litanei p. 911.

²) Von diesen Werken Johann Arnds spricht übrigens Schuppius sonst mit grosser Verchrung und hält sie für die bedeutendsten

zur Förderung christlicher Frömmigkeit und christlichen Lebens.