Wo er das nicht zusammen sieht, da erblickt er„Maul- christentum“*). Er selbst aber hält sich nicht dafür be- rufen, die reine Lehre zu excultiviren, sondern das christ- liche Leben zu befördern. Denn in seiner Zuschrift zu dem Tractat„die sieben bösen Geister“ ²) sagt er(die Auffor- derung Controversen zu schreiben, wie man damals die confessionellen Streitführungen nannte, ablehnend):„Es ist verhoffentlich Niemand unter meiner Gemeinde, der begehret ein Jude zu werden; ich weiss auch nicht, dass viele Arianer, Photinianer, Papisten und dergleichen unter meiner Gemeinde seien. Allein ich weiss, dass viele gottlose und arme Leute in der Rosenstrasse, in der Steinstrasse und anderswo in den Armenhäusern liegen, welche ihre Kinder in allem Mut- willen aufwachsen lassen. Was wäre es, wenn ich zehn Jahre predigte und die Arianer, Photinianer, Nestorianer, die Juden, Türken un andere Ketzer und Schwärmer wider- legte und innerhalb zehn Jahre einen solchen Ketzer be- kehrte und liesse unterweilens so viele tausend arme Maul- christen zum Teufel in die Höllen fahre? Der Teufel kann wol leiden, dass ich unter Hurern und Ehebrechern stehe und widerlege die Juden“, u. S. f.
Im Gegensatz zu der allgemeinen Anschauung der Zeit war nämlich Schuppius der Glaube etwas wesentlich sittlich- praktisches und nicht blose Theorie. Ihm hatte jeder Mensch nur so viel Glaube, nicht etwa als er sich zu allen Dogmen der invariata oder der Concordienformel bekannte, sondern als er sich in Christo über die Gemeinheit, Rohheit und Selbstsucht erhob, denn nicht allein, dass er mit Hinweisung auf den „Krämerjung“, der sicher nicht im Laden stehle, wenn er
¹) Abgenötigte Ehrenrettung p. 639. 640 Erbare Hure p. 496 2) p. 331. 332. Diese Worte kehren häufig in den andern Schriften wieder.


