Druckschrift 
Johann Balthasar Schuppius, ein Vorläufer Speners, / für unsere Zeit dargestellt von Alexander Vial, Pfarrer Extraordinarius und Rector zu Neukirchen in Kurhessen
Entstehung
Seite
23
Einzelbild herunterladen

e

23

Die Stunden, welche dem sich mit demgeringsten Schipper in einenDiskurs einlassenden Seelsorger und Prediger übrig blieben, benutzte er dann zu seiner Er- holung, die darin bestand, dass er meistentheils unter dem fingirten NamenAntenor, ein Liebhaber der heiligen Schrift, politische Tractate, wie er sie nannte, schrieb und durch diese Schriften seine Erfahrung und seine Kennt- nisse noch einem weiteren Kreise als seiner Gemeinde zu- gänglich machte ¹).

Diess Alles bewirkte nun, dass Schuppius einerseits bei Vielen seiner Gemeinde und der Stadt ein grosses Ver- trauen erlangte, aber auch andererseits wieder Vielen eine rätselhafte Erscheinung war; denn seine gewaltigen Predigten wie seine ganze Bemühungen, überall christlichen Sinn und christliches Leben zu erwecken, wichen zu sehr von dem Schlendrian des Herkommens ab, und seine heitere Frei- mütigkeit und doch tief innerliche Frömmigkeit, die Be- kanntschaft mit allen Verhältnissen der Stadt, wie sie aus seinen Predigten hervorleuchteten, und sein doch dabei zurückgezogenes den Studien gewidmetes Leben waren Gegensätze, welche sich die wenigsten anfänglich zusammen reimen konnten. Deswegen zog man Erkundigungen ein über des interessanten Mannes häusliches Leben, die dann entstellt in ganz Hamburg herumgetragen wurden ²). Schup- pius erzählt selbst einige dieser Mährlein, über die er je-

2) Zu den Schriften einer freien Muse gehören: Ambrosii Malli- lambii Sendschreiben; Ein Holländisch Pratgen; Salomo; Der geplagte Hiob; Corinna; Der rachgierige Lucidor; Der teutsche

Lucian; Freund in der Not; Sieben böse Geister; Die Almosen-

büchse; Der geistliche Spatziergang; Der Hauptmam von Ca-

pernaum; Der stumme Lehrer und Prediger; Der bekehrte Ritter

Florian; Die geistlichen Sprüche; der Sabbathschänder; Sünden-

register; und wol auch Ambassadeur Ziphusius,

²) Abgenötigte Ehrenrettung p. 632.