er wieder von Neuem nicht einig mit sich selbst, welchen von den beiden Rufen er annehmen sollte! Im höchsten Unmute darüber schreibt er deshalb, um die Qual der Wahl, welche in seiner damaligen Lage doppelt unerträglich gewesen sein muss, los zu sein, an eine„vornehme gräfliche Dame“ und bittet sie um Rat. Diese gab ihm folgende Antwort:„Mein lieber Dr. Schupp! Ich sehe, dass Euch Gott jetzo recht auff die Probe setzen wolle. Ich weiss gar wol, dass Ihr Euer Lebtage dem Geitz nicht seid er- geben gewesen. Allein weil Ihr für einem Jahr in der Plünderung zu Marpurg so grossen Schaden gelitten habt, so sorge ich, Ihr möget hinführo geitzig werden. Mich dünkt, die Augspurger seyn Euch nicht reich genug, weil bisshero eine bedrängte Kirche daselbst gewesen ist. Ich merke, dass Euch der Kopff nach Hamburg zustehe, und dass Ihr gedenket, es würde daselbst Rosenobel und Du- caten regnen, also dass Ihr nur dürffet Euren Hut nehmen und einsammeln gleichwie die Kinder Israel das Manna. Allein ich sorge, Ihr werdet in Eurer Hoffnung betrogen werden. Und wenn Ihr die Augspurger verlasset, so wird es Euch an Creutz und Trübsal nicht mangeln“ ¹). Endlich aber siegte doch über seine eignen Wünsche und' über den Rat seiner gräflichen Gönnerin seine Treue zu dem gege- benen Worte; er zog nach Hamburg und wurde am 20. Juli 1649 Hauptpastor zu St. Jacob.
In Hamburg hat es nun Schuppius an Kreuz und Trübsal, wie ihm die gräfliche Dame prophezeite, nicht gemangelt. Denn wenn sich Schuppius auch damit etwas weiss, dass er durch Reisen, Bekanntschaften und Berufs- thätigkeiten gelernt habe,„was in der Welt Kauf und Lauf sei,“ so gesteht er doch selbst, dass er in Hamburg, das
¹) Abgenötigte Ehrenrettung p. 686 687. 2*


