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Der Gießener Anzeiger : die älteste Zeitung Gießens ; ein Beitrag zur heimischen Kulturgeschichte / von Karl Ebel
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erſcheinen viele Gedichte und kleinere Erzählungen, ja ſogar ein Luſtſpiel wird zu ſeinem größten Teil wörtlich abge⸗ druckt. Wie ſehr die Gießener Geſellſchaft an litterariſchen Ereigniſſen Anteil nahm, zeigt der Jahrgang 1775. Er enthält mindeſtens drei Beiträge über Werthers Leiden, die im Jahre vorher erſchienen waren. Einer davon, ein Gedicht betiteltLotte bey Werthers Grab iſt ein Symptom desWertherfiebers, das auch hier um ſich ge⸗ griffen hatte. Schade nur, daß unmittelbar darunter ein triviales Poem,Der Caffee⸗Freund, zu ſtehen ge⸗ kommen iſt. Nur eins gelang nicht, nämlich den Anzeigeteil zu vergrößern, da das Publikum der Reklame abgeneigt ſich ſogar durch das vom Verleger gemachte Angebot der unentgeltlichen Aufnahme zur Aufgabe von Anzeigen nicht verlocken ließ.

Dieſer verhältnismäßig reiche Inhalt iſt vermutlich dem rührigen Verleger, Johann Philipp Krieger, zu ver⸗ danken, der es immer wieder verſtanden hat, tüchtige Mit⸗ arbeiter zu gewinnen. Denn genau mit ſeinem Tode(1775) wird das Blatt dürftiger. Schon der Jahrgang 1776 wird mühſam mit Anekdoten und anderen aus fremden Zeit⸗ ſchriften entnommenen Dingen gefüllt, ſoweit amtliche Ver⸗ ordnungen und Bekanntmachungen Raum übrig laſſen. Mit Schluß des Jahres 1777 wird das Erſcheinen ganz ein⸗ geſtellt. Bereits früher hatte der Verleger um Zahlung der rückſtändigen Praenumerationsgelder(!) mahnen müſſen mit der Drohung, denen, die ſeit mehreren Jahren nicht gezahlt hätten, das Blatt nicht mehr zuſenden zu wollen. In der letzten Nummer erklärt er melancholiſch:die weitere Fortſetzung dieſer Blätter wird mit dieſem Jahre gänzlich aufgehoben. Der Zeitpunkt muß günſtiger werden, waͤnn es wieder anfangen ſoll. Dürftigkeit an Materialien

.. iſt der ſtärkſte Beweggrund es aufzuheben. Eigennutz hat ſchon lange keinen Anteil mehr daran, denn von Anfang her reſtieren viele noch die Vorſchußgelder, die nun hier zum letztenmal erinnert werden.

Das Aeußere des Blattes war ſeither unverändert geblieben. Nur der Titel hatte wieder mit der alten Be⸗ zeichnungGießer Wochenblatt abgewechſelt und die Be⸗ zeichnung der Verlagsfirma lautete ſeit 1773:in der Kriegerſchen Buchhandlung. Die oben benannten reich⸗