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Der Gießener Anzeiger : die älteste Zeitung Gießens ; ein Beitrag zur heimischen Kulturgeschichte / von Karl Ebel
Entstehung
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b fründer d ießer Wo 5**) er die Profeſſur der Mathematik und 1757 die Leitung der 9.-ze Per Bed 5 ‧4 2 Gieß 2 Gen tattes. Univerſitätsbibliothek hinzu. Außerdem ſtellte ihn der and⸗ Im Jahre 1900 Habe ich im Gießener Anzeiger einen graf 1768 als wirklichen Bergrat im Bergkollegium an ängeren Aufſatz über die erſte Zeitung Gießens, das und ernannte ihn 1770 zum Inſpector Academiae. 7903BVochenblatt⸗ veröffentlicht. Es war mir damals der Be⸗ Es iſt erſtaunlich, was Böhm in dieſen verſchiedenen gründer dieſer Zeitung nicht bekannt geworden; ich konnte Stellungen, die er nicht etwa nacheinander, ſondern ſchließ⸗

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N. nur Vermutungen über ſeine Perſönlichkeit ausſprechen. (1f. AHhduf S. 12 des Sonderabdruckes jener Arbeit ſagte ich von

ihm:Wir werden aber ſicher nicht fehlgehen, wenn wir den Verfaſſer, wie er ſtets genannt wird, in akademiſchen oder wenigſtens der Univerſität nicht fernſtehenden Kreiſen ſuchen. Dieſe Vermutung iſt unterdes beſtätigt worden und zwar durch das Gießer Anzeigungs⸗Blättchen vom Jahre 1802, in dem ich durch Zufall die betreffende Nachricht ge⸗ funden habe.

Auf S. 134 in einer Zuſammenſtellung vonDenk⸗ würdigkeiten des 18ten Jahrhunderts, die nicht vergeſſen zu werden verdienen, lautet eine Notiz zum Jahre 1750: Gießen erhält das erſte Intelligenzblatt durch den Prof. Boehm. Dies wird beſtätigt durch das Verzeichnis von Böhms Schriften in Strieders heſſi⸗ ſcher Gelehrtengeſchichte, in dem auch das Gießer Wochen⸗ blatt auf das Jahr 1750 erſcheint.

Andreas Bohm war am 17. November 1720 in Darmſtadt geboren. Sein Vater war Heſſiſcher, ſpäter Württember⸗ ſcher Sekretär und Konzertmeiſter, ſeine Mutter eine ge⸗ orene Textor aus Frankfurt. Schon mit 17 Jahren bezog B. die Univerſität Marburg, um Mathematit und unter Wolff Philoſophie zu ſtudieren. An ſeinem zwanzigſten Geburtstag wurde er zum Doktor philoſophiae promoviert und hielt ſeitdem Vorleſungen in Marburg. Mit 24 Jahren (1744) wurde er als ordentlicher Profeſſor der Logik und Metaphyſit nach Gießen berufen. Nach zuwwei Jahren erhielt

*) Aus demGießer Wochenblatt iſt im Laufe der Jahre bekanntlich derGießener Anzeiger herausgewachſen. Dieſen Namen führt unſere Zeituna ſeit 1868. D. Red.

lich gleichzeitig bekleidete, geleiſtet hat. Schon als Uni⸗ verſitäts⸗Bibliothekar hatte er ein gut Stück Arbeit zu bewältigen, ohne jemals ausreichende Hilfskräfte zur Ver⸗ fügung gehabt zu haben.

Neben dieſer vielſeitigen amtlichen Wirkſamkeit übte Böhm noch eine ausgebreitete ſchriftſtelleriſche Tätigkeit aus, die ſich auf alle von ihm vertretenen Fächer erſtreckte. Wenn ſeine zahlreichen Schriften heute auch wiſſenſchaftlich über⸗ holt ſind, ſo hat er ſich doch bei ſeinen Zeitgenoſſen un⸗ gewöhnlichen Beifall errungen durch ſcharfſinnige An⸗ wendung der mathematiſchen Methode auf die verſchie⸗ denen Zweige des Wiſſens(Bernhardi in der Allg. deutſchen Biographie.) Dieſer Beifall fand Ausdruck in den Aus⸗ zeichnungen, die ihm von gelehrten Körperſchaften zuteil wurden. Er ward Mitglied der Geſellſchaften in Erfurt, Frankfurt a. O., Gießen und Vlieſſingen. Zwei Berufungen ſchlug er aus. Auch ſein Landesherr erkannte ſeine Ver⸗ dienſte an und ernannte ihn 1778 zum wirklichen Geheimen Rat.

Böhm war dreimal verheiratet und hatte zehn Kinder, von denen fünf den Vater überlebten. Er ſtarb am 6. Juli 1790. Das iſt in knappen Umriſſen das Bild eines Mannes von gewaltiger Arbeitskraft, vielſeitiger Tätigkeit und nicht gewöhnlichen Erfolgen, eines Mannes, der zudem ſein ganzes Leben lang von der größten Beſcheidenheit beſeelt war. Als ihn Strieder aufforderte, für deſſen Gelehrten⸗ und Schriflſtellergeſchichte, deren erſter Band 1782 er⸗ ſchien, ſelbſt einige Lebensdaten zu liefern, bat er unter Bezug auf eine früher gedruckte Lebensbeſchreibung alles Schmeichelhafte über ihn wegzulaſſen.Ich bitte, ſchrieb

er,mich als einen Mann anzuſehen, der von ſich ſelbſt weniger als von allen anderen Menſchen hält und daher auch das geringſte Lob vor übertrieben und vor ein Zeichen eines bey ihm vermuteten Stolzes anſiehet.