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Der Gießener Anzeiger : die älteste Zeitung Gießens ; ein Beitrag zur heimischen Kulturgeschichte / von Karl Ebel
Entstehung
Seite
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auszuſetzen, bis ermit einer neuen und zu dem gemeinen Vortheil noch mehr beitragenden Einrichtung zuſtande ge⸗ kommen ſein wird.

Die Pauſe ſcheint aber doch länger gedauert zu haben, als Krieger urſprünglich beabſichtigt hatte. Am 17. De⸗ zember 1763 ſuchte er bei der Regierung in Darmſtadt um die Erlaubniszur Verlegung eines wöchentlichen Anzeig⸗ Blattes nach und erhielt ſie unter der Bedingung, daß die Nummern jedesmal vor dem Druck zur Zenſur vorzulegen ſeien und das Blatt nach dem Muſter des Marburger Anzeig⸗Blattes eingerichtet werde. Trotzdem die Erlaubnis erſt am 7. Mai 1764 erteilt worden war, trägt doch ſchon die erſte Nummer(vom 3. Januar) den Vermerk:Mit Hochfürſtl. Heſſen⸗Darmſtädtiſcher gnädigſten Erlaubnis. Auch läßt eine Notiz derſelben Nummer darauf ſchließen, daß bereits im vorhergehenden Jahr mindeſtens einige (Probe?) Nummern erſchienen waren. Die von der Re⸗ gierung als Muſter empfohlenenMarburgiſche Anzeigen enthielten in höherem Maße als das Gießener Blatt gering⸗ wertige Neuigkeiten, die man heute unter der RubrikVer⸗ miſchtes finden würde, kümmerten ſich jedoch ebenſowenig um Politik. Dagegen brachten ſie hiſtoriſche Aufſätze. Der Jahrgang 1764 z. B. enthält eine Abhandlungvon der Herrſchaft Limburg an der Lahn ſowie eine mehrere hundert Nummern umfaſſende Beſchreibung heſſiſcher Münzen, die für den Numismatiker ſicher heute noch wert⸗ voll iſt. In dieſem Punkte läßt ſich wie wir gleich ſehen werden, vielleicht der Einfluß des Marburgiſchen Vorbildes erkennen..

Die Einrichtung des Blattes war ſonſt ziemlich die alte geblieben, doch führte es jetzt den Titel:Gieſiſche wöchent⸗ lich⸗gemeinnützige Anzeigen und Nachrichten. Auch das Format war nicht verändert. Die Zahl der Mitarbeiter hatte ſich augenſcheinlich vermehrt. Der Inhalt war da⸗ durch vielſeitiger geworden. Statt der ewig humoriſtiſch⸗ philoſophiſch⸗moraliſchen Betrachtungen des erſten Jahr⸗ ganges erſchienen jetzt öfter Aufſätze hiſtoriſchen und ethnographiſchen Inhalts. Beſonders der vaterſtädtiſchen Geſchichte wird in den Jahrgängen 1764, 1765, 1766 und 1771 Aufmerkſamkeit geſchenkt. Aus Hausbüchern und nicht näher bezeichneten Chroniken werden Stücke veröffentlicht;