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Der Gießener Anzeiger : die älteste Zeitung Gießens ; ein Beitrag zur heimischen Kulturgeschichte / von Karl Ebel
Entstehung
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weil er ſich ſchämt, ſolch fatales Zeug zum Leſen aufzu⸗ ſtellen. Auf den Gründer des Wochenblattes kann ſich dies Urteil nicht beziehen, denn Joh. Phil. Krieger ſtarb bereits 1775, als Laukhard eben nach Gießen kam.*) Kriegers Söhne aber übernahmen das Geſchäft des Vaters und mit ihm auch die 1750 gegründete Leihbibliothek. Vier Jahre lang betrieben die beiden Brüder**) Juſtus Friedrich und Jo⸗ hann Chriſtian Konrad die Buchhandlung gemeinſam, dann trennte ſich 1779 der jüngere vom älteren, um unter der Firma Johann Chriſtian Krieger der Jüngere eine eigene Buchhandlung zu führen(Könnecke a. a. O. S. 277). Als Univerſitäts⸗Buchhändler und rucker geht Johann Chriſtian ſpäter nach Marburg, behält aber ſein Geſchäft in Gießen bei. Bei ihm erſcheint die Fortſetzung des Wochen⸗ blattes unter ihren verſchiedenen Benennungen bis zum Jahre 1799 und er iſt auch als der Beſitzer der Leſebibliothek anzuſehen, deren Katalog in ſeinem Blatt abgedruckt wird. Sein Verlag, für den er ſelber druckte, war bedeutend, er hatte alſo nicht nötig, nebenbei eine Speiſewirtſchaft und eine Pferdeverleih⸗Anſtalt zu betreiben. Beide Krieger, Johann Philipp und Johann Chriſtian, befaßten ſich außer mit ihren Berufsgeſchäften nur mit ſolchen Dingen, die ſich aus dem Verlag der Zeitung ergaben und die heute noch von den Zeitungsexpeditionen erledigt werden; der Vater Krieger hatte indeſſen noch den Vertrieb von Lotterieloſen übernommen. Von Juſtus Friedrich Krieger wiſſen wir dagegen wenig Näheres, vielleicht iſt er nach der Trennung von ſeinem Bruder jener betriebſame Mann geworden, bei dem Laukhard eingekehrt iſt.***)

Daß Krieger auch Häringe verkauft habe, iſt gleichfalls ein Irrtum Buchners. Nicht er, ſondern Johann Philipp Nic. Kracher zeigt öfters dieſen nützlichen Fiſch in den Spalten des Wochenblattes an.

**) Joh. Phil. Krieger, der zweimal verheiratet war, hatte neun Kinden. darunter ſieben Söhne; Johann Chriſtian Konrad war das jüngſte Kind, geb. am 26. April 1746. Kirchenb. d. St. Gießen, Getaufte bei der Stadt⸗Kirche.

***) Juſtus Friedrich Kr. war geboren 1740(getauft am 3. Nov.) Ebenda. 1783 verlegt er ein Werkchen A. J. Schnau⸗ berts,(gütige Mitteilung Herrn C. v. Münchow's). 1787 be⸗ ſchwert er ſich gemeinſam mit ſeinem Bruder Joh. Chr. Konr. bi der Univerſität gegen den Profeſſor Crome(Univerſitäts⸗

ten).