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Der Gießener Anzeiger : die älteste Zeitung Gießens ; ein Beitrag zur heimischen Kulturgeschichte / von Karl Ebel
Entstehung
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einige Zeit hero jährlich verrechnete 4 fl. ſollen auch noch künftig in Rechnung paſſiert und die Zeitungen bey Rath beybehalten werden, um daraus ſowohl die anderwärts in guten und böſen Zufällen verordnete Anſtalten zu beſt⸗ möglichſter Imitation, als die öfters darin gemeldete Nach⸗ richten von Sterbfällen, verlohrnen Waaren und andern dem Publico nöthigen Umſtänden daraus des mehrern zu erfahren. Es war alſo nicht ganz ausſichtslos, wenn der Gießener Buchhändler Johann Philipp Krieger den Plan faßte, eine wöchentlich einmal erſcheinende Zeitung herauszugeben.

Von Frankfurt kommend war Krieger ſeit 1724 Gießener, von 17261737 zugleich auch Marburger Univer⸗ ſitäts⸗Buchhändler. Könnecke ſagt von ihm im Heſſiſchen Buchdruckerbuch, daß er für die Geſchichte des Buchhandels durch die Herausgabe von Meß⸗Katalogen, die er ſeit 1725 beſorgte, von Bedeutung geworden ſei. Seine Buch⸗ handlung betrieb er zugleich als Verlag und Sortiment. Daneben hatte er 1750 eine Leihbibliothek errichtet, die Reiſebeſchreibungen, Begebenheiten(l]I, moraliſche Schriften, Lebensbeſchreibungen ꝛc. enthielt(Wochenblatt 1750 S. 128). Dieſe Leihbibliothek iſt dieſelbe, die nach und nach auf 2000 Nummern anwuchs und nach dem im Wochenblatt fortlaufend veröffentlichten Katalog eine ganze Reihe guter und wertvoller Schriften enthielt. Laukhards Urteil über dieſe Bibliothek iſt falſch und er hat mit ihm ganz falſche Vorſtellungen über die geiſtigen Bedürfniſſe unſerer Vor⸗ eltern erweckt. Da ſich auch Buchner in ſeiner Schrift Gießen vor 100 Jahren auf ihn ſtützt und ſeinem Urteil weitere Verbreitung gegeben hat, ſo halte ich es für nützlich, für die Beurteilung des Kriegerſchen Geſchäftsbetriebs ſo⸗ gar für nötig, die Sache mit einigen Worten klarzuſtellen. Laukhard ſagt(Leben II, 282), zu ſeiner Zeit(17751778) habe es dem Buchhändler Krieger noch nicht beliebt, ſeine Romanliteratur binden und zirkulieren zu laſſen. Im Jahre 1787, in dem er ſich gelegentlich einer Urlaubsreiſe einige Tage in Gießen aufhielt, habe er bei Krieger, der zugleich Speiſewirt und Pferdeverleiher geweſen ſei, zu Mittag gegeſſen und dabei deſſen Leihbibliothek kennen gelernt. Dieſe habe aus lauterSchofelzeug beſtanden; auch führe Krieger keinen gedruckten Katalogvielleicht