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aber doch ſchöne Momente. Dem. Rauch (Roſamunde) war ſehr verdienſtlich. Un⸗ gemein lieblich ſang Dem. Padjera die Romanze im erſten Akt. Ganz vorzüg— lich war Hr. Lehmann(Fremder), der ſeine Nummern im 2. Akte exakt und mit allem Aufwande ſeiner angenehmen Stimme ſang. Herr Stoll(Theo- bald) hatte eine zu ſchwierige Aufgabe, um mit Erfolg durchzudringen.— Mö⸗ ge nun Hr. Vartay durch den Succeß ſeines erſten Werkes zu fernern Arbei— ten ermuthigt werden; er kann hie— mit ſeinem Vaterlande nur Ehre brin— gen!— Am 11. d. M. erſchien Hr. Do⸗ browsky, vom Frankfurter Theater, als Gaſt. Er gab den Sever in„Norma.“ So viel wir aus dem einen Part ent⸗ nahmen, iſt er im Beſize eines zwar nicht ſehr kräftigen, aber angenehmen und metallvollen Tenors und eines gu⸗ ten, ausnehmend deutlichen Vor- trags. Er erhielt vielen Beifall u. ward mehrere Mal gerufen.— Dem. Carl feiert, ſo oft ſie die Norma gibt, neue Triumphe. Man glaubte ſie immer vollendeter zu hören, wenn man nicht wüßte, daß das Treffliche ſtets neue Reize entfaltet.
München. Dem. Schebeſt, die berühmte Sängerin, iſt nun ſeit acht Tagen hier, und bisher in zwei Rol- len, als Alice und Romeo, aufgetre— ten. Obgleich die Preiſe erhöht waren ſo hatte doch ihr Ruf u. die Neugierde eine große Verſammlung in beiden Vor—⸗ ſtellungen angezogen, ſo daß die Kaſſe ſehr gute Einnahme gemacht hat. Dem. Schebeſt wurde zwar mit vielem Bei— fall aufgenommen und auch gerufen; indeſſen haben doch offenbar die über— triebenen Lobeserhebungen, welche von Stuttgart und Karslruhe ihr vorangin— gen, ihr mehr geſchadet als genüzt, indem ſie die Erwartung vergröſſerten, welche ihre Gegenwart, beſonders von Seite der Kenner des Geſangs, nicht
ganz befriedigte. In einer Stadt, wie die unſrige, wo man ſeit vielen Jah⸗ ren die größten Talente in der Kunſt gehört und geſehen hat, iſt es ſchwer, den größern Anſprüchen Genüge zu lei ſten. Man fand in Dem. Schebeſt ei⸗ ne routinirte Sängerin und geübte Schauſpielerin, doch ihre Stimme und Schule zeigt nichts oder wenig von je— nem klaſſiſchen Geſang, womit berühm⸗ te Sängerinen uns ehemals bezau⸗ berten; und ſelbſt die Stimme unſe⸗ rer Haſſelt wird von den Kennern der ihrigen vorzogen. Einſender glaubt da— ber, daß es der Dem. Schebeſt von weſentlichem Nuzen ſein werde, daß ſie nach Italien, in das Land des Geſanges, gehe, um ihre Stimme dort auszubilden. Mit dieſer Ausbildung und ihren perſönlichen Vorzügen kann ſie dann noch lange eine Zterde jeder größeren Bühne ſein.
Mailand. Das Echo, eine ſehr intereſſante deutſche Zeitſchrift in Mai- land, die jezt in Monatsheften erſcheint, enthält folgendes charakteriſirendes Ver⸗ zeichniß der zwölf erſten Sänger Ita⸗ liens: Lablache. Baß. Koloſſal in Ge—⸗ ſtalt, Talent u. Stimme. Zu Paris. — Cartagenova. Hoher Baß. Kunſt⸗ durchdrungen; geringe Geläufigkeit. Zu Mailand.— Coſſelli. Baß. Spiel und Sang gleich ausgezeichnet. Zu Trieſt.— David. Tenor. Verpufftes Feuerwerk. Unbeſchäftigt.— Donzelli. Tiefer Tenor. Antike Klaſſizität. Zu Turin.— Marini. Baß. Ungeſchllffe⸗ ner Diamant. Zu Mailand.— Pedraz⸗ zi. Tenor. Wechſelnd, Flamme u. Eis. Zu Mailand.— Poggi. Tenor. Mon⸗ desleuchten, Tauben-Girxen⸗ Zu Trleſt. — Reina. Tenor. Aus n rauchender Vulkan. Zu bini. Nachtigall⸗Flöͤten. 2 1 König. Zu Paris.— Salvatori. Baß. Der Seltnen einer. Im nächſten Kar⸗


