Der Schmetterling.
— 22e Ein
Flugblatt zum Spiegel.
Mittwoch, 20. Dez.
Theater.
Pe ſſt h.(Neue Oper eines heimathlichen Kompoſiteurs. — Gaſtrolle des Herrn Do⸗ browsky.) Am 16. d. M. kam die lange erwartete neue Oper, betitelt: „Aurelia, oder das Weib am Conrad⸗ ſtein“, romantiſche Oper in 2 Aufz. von Carl Haffner, Muſik v. A. v. Bar⸗ tay, als Benefize des Hrn. Oberhof— fer, zur erſten Aufführung. Daß das Publikum auf dieſe Erſcheinung ſehr geſpannt war, beweiſt das ungemein volle Haus. Dieſe Theilnahme liefert den erfreulichſten Beleg, daß der Sinn für das Vaterländiſche und für die Kunſt bei uns, wenn Anläſſe geboten werden, ſtets lebhaft in Anregung ge— ſezt wird. Die Kritik aber, eben ſo we⸗ nig wie das Publikum, kann bei der erſten Anbörung einer Muſik, dle ſich in vielen Theilen in einem ſchwieri— gen Saze bewegt,, ein ausführliches und umfaſſendes Urtheil fällen. Wenn wir uns aber dieſes für ſpätere Repro⸗ duktionen vorbehalten, ſo können wir doch jezt ſchon ſagen, daß der vater— eite Kompoſiteur einen entſchie—
zeigte, auf dem von ihm elde ſeine Kräfte zu ent⸗
Verf ſonſt verdienſtliche Arbeiten lie— erte, macht von den gewöhnlichen deut⸗
ſchen und dem größten Theile der ita⸗
lieniſchen Operbücher keine Ausnahme— er iſt ziemlich gehaltlos und ganz leer vom Effekte, was dem Tonſezer ſeine Arbeit ſehr erſchwerte. Erwägt man dies und zieht man die Erſtlingsarbeit in Betracht, ſo kann man Herrn von Bartay nur gratuliren, daß er doch im Allgemeinen ſo Anſprechendes u. Ge—⸗ lungenes zu Tage förderte. Der Beifall war notoriſch und eklatant. Am meiſten gefielen die Romanze der Roſa, der Trom⸗ peterchor u. die Arie der Aurelia im er⸗ ſten Akte, die Arie des Fremden, das darauf folgende Duett zwiſchen dieſem u. Aurelia und das Finale des zweiten Aktes. Das Duett mußte wiederholt werden. Außerdem gibt es noch eine Menge muſikaliſcher Schönheiten, die gewiß noch mehr Wirkung hervorge— bracht haben würden, wenn die Vokal- parthien nicht ſo ſehr den Inſtrumenten nachſtünden. Auch wurde der Parthie des Theobald ſehr Erſchöpfendes auf⸗ gebürdet. An Melodien fehlt es nicht, und zwar ſind ſie meiſt mit Geſchik u. wirkſam durchgeführt.— Der talent⸗ volle Kompoſiteur wurde zweimal ſtür— miſch gerufen. Die Ausführung war zum Tbeil ſehr gelungen. Dem. Henriet⸗ te Carl(Aurelia) glänzte in friſcher Glorie. Sie ſang mit einer ihr nie mangelnden Virtuoſität u. überſchwäng⸗ liſchen Kehlenfertigkeit.— Der Bene— fiziant, Hr. Oberhoffer(Graf Herr— mann), hatte keine erhebliche Parthie,


