91
Schauſpielerin Dem. Zettler d. ö. und der gewandte Hr. Thome, ferner die fleißigen und vielſeitigen Herren Juſt und Kurt, die ſtets würdig ihre Vlä ze ausfüllen. So ſahen wir nach kurzen Intervallen die neuen Stüke:„die Gönnerſchaften“.„die Engländer in Paris“„das Ladenmädchen“ und am 29. d.„Monaldeschi“, Drama in drei Akten, nach dem Franzöſiſchen des Ale⸗ rander Dumas. Eine der intereſſante⸗ ſten Abſchnitte aus dem abenteuerli⸗ chen Leben der bekannten Schwedenkö— nigin Chriſtine, wird hier recht ge⸗ fügig und wirkungsvoll in die Szene gebracht. Die Königin iſt hier gereift geworden u. hat bei weitem nicht mehr den liebenswürdigen Charakter wie ſie ihn zu 16 Jahren beſaß, aber deſto intereſſanter bewegen ſich die Begeben⸗ heiten in ihrem Kreiſe. Das Stük gefiel. Die Darſtellung hoben beſon⸗ ders die Damen. Dem. Zettler d. ä. gab die Chriſtine mit einem eigen⸗ thümlichen Pathos, und mit aller Lie⸗ benswürdigkeit ſpielte Dem. Müller die Paula. Veide erhielten großen Applaus. Im„Ladenmädchen“, ei⸗ nem ſehr anziehenden Luſtſpiele aus dem Franzöſiſchen von Grafen Mallath, war Dem. Mäller in der Titelrolle voll Grazie und Liebenswürdigkeit.— Von ältern Stüken erfreute ſich be⸗ ſonders das Luſtſpiel„das Manuſkript“ von Mad. Weißenthurm, eines beſon⸗ dern Veifalls. Es wurde aber auch exakt gegeben.—„Capricioſa“æ, ein ſehr mattes Produkt, u.„der Hirſch“, ein nicht viel beſſeres Luſtſpiel, er⸗ hielten auch nur, durch das ſehr ge⸗ lungene Spiel der Dem. Müäller eini⸗ ge Vedeutung.— Am 27. kam„der Thürmer von Notre-Dame“ zur erſten Aufführung. Sehr volles Haus. Stuttgart. Dieſer Tage wur⸗ de hier ein neues Trauerſpiel gegeben, deſſen Verfaſſerin eine bis jezt auch
uns, ob ſie gleich hier lebt, ganz un⸗ bekannte Dichterin, Namens Karoline Boefve, iſt. Das Trauerſpiel iſt übri⸗ gens nicht von der Art, daß es ander⸗ wärts bekannt werden dürfte; denn obgleich verſchiedene Diebſtähle, 4 Mor⸗ de, ein halber Selbſtmord, ein Wun⸗ der, ein Sterbefall aus Alterthums⸗ ſchwäche, vier Geiſterviſionen, ein neuer Brutus, der ſeinen eigenen Sohn zum Tode verurtheilt, ein doppelter Schluß und eine Maſſe Tiraden und blumen⸗ reicher Floskeln darin vorkommen, ſo machte es doch durchaus keinen Effekt. Der Titel heißt„Jakob Lynch“«, und der Inhalt iſt einem alten engliſchen Romane entnommen.
Mignon ⸗Zeitung.
Feuilleton aus Wien. XXI. Ein günſtiges Geſtirn leuchtet im Goldſchimmer ob unſerem Theater— horizonte. Alle unſere Bühnen beſizen ſeit Kurzem das Rezept der Goldtink⸗ tur, denn die von allen Seiten zuſtrö⸗ mende Menge der Schauluſtigen brin— get unter Drüken und Drängen ihr freudig Opfer auf die klingende Stein⸗ platte des Kaſſaaltares. Und zwar im k. k. Burgtheater zeigte das erſte De⸗ but der Delle. Löwe(Tochter des gro⸗ ßen Mimen) am 22. Nov. als Gr i⸗ ſeldis, die bedeutende Anziehungs⸗ kraft des gewichtigen Namens. Das volle Haus überhäufte die talentvolle junge Känſtlerin(eine würdige Schü⸗ lerin des berühmten Meiſters) mit rauſchendem Applauſe. Auch der gaſti— rende Hr. Vaiſon von Hamburg gefiel in dem neuen Stüke„der Landwirt“ und ſeine fortgeſezten Gaſtſpiele wer⸗ den zahlreich beſucht.— Im k. k. Hof⸗ operntheater erfreuen ſich die Vorſtel⸗ lungen der franzöſiſchen Schauſpieler⸗ geſellſchaft und nicht minder zdie Gaſt⸗ ſpiele des Tenoriſten Schmetzer einer


