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ſo kräftige u. klangreiche Organ wahr⸗ zunehmen. Zwar wurde die zweite Par⸗ tie(Norma) mit einer Kraft u. Fülle des Tons vorgetragen, die jene Be⸗ ſorgniß zum Theil wieder niederſchlug; immerhin darf man aber einem ſo ſchö— nen und üppig aufblühenden Talent jene weiſe Mäßigung im Gebrauch der Kräfte wünſchen, die allein dem früh⸗ zeitigen Untergang deſſelben durch phy— ſiſche Ueberſpannung vorzubeugen ver mag. Daß Demoiſ. Schebeſt hier auch diesmal wieder der gewohnte warme Empfang, der lebhafteſte Applaus ent⸗ gegen kam, bedarf wohl keiner Erwäh⸗ nung. Neu war uns die Erſcheinung ihrer Schweſter Nina, die als Julie und Adalgiſa auftrat. Demoiſ. Nina Schebeſt iſt eine, mit ſchöner Stimme und ſehr glüklichen Anlagen begünſtig⸗ te, aber noch überaus ſchüchterne und verzagte Anfängerin; zwekmäßige Auf⸗ munterung u. die Leitung ihrer kunſt⸗ geübten Schweſter werden dem aufſtre⸗ benden Talent wohl bald er gehö⸗ rigen Reife und Ausbildung berhelfen. Dem. Agneſe Schebeſt wird in Stutt⸗ gart eine Reihe von Gaſtdarſtellungen vollenden, und ſpäter vielleicht nach Wien u. Paris Ausflüge N
Paris. Die italieniſche Oper iſt am 3. Okt. mit Roſſinis Gazza ladra wieder eröffnet worden. Das Repertoir während dieſer Saiſon wird aus den Opern: Norma, Sonnambula, Ottello, Cenerentola, Puritani, Barbiere, Ma- segreto und Anna Bolena beſtehen. Außerdem werden zum De— büt der Tchinardei-Perſiani zwei neue Opern von Donizetti: Lucia di La- mermoor u. Parisina gegeben werden.
trimonio
Mignon⸗Zeitung. Buntes aus Paris. Der rei⸗ che und vornehme Herr Saint Cric zu
Parls iſt als ein Sonderling durch ſei⸗ ne närriſchen Streiche bekannt. Vor Kurzem, als er ſich in dem Speiſezim⸗ mer des engliſchen Kaffe hauſes zu Pa— ris befand, wurde ſeine Aufmerkſam⸗ keit durch eine ſchöne Engländerin an⸗ geregt. Hr. von St. Crie wollte ihr ſeine Huldigung darbringen. Er war eben beſchäftigt ſeinen Salat anzuma⸗ chen, und hatte von den Ingredienzen eine Menge darauf gegoſſen. Plözlich ergreift er die Schüſſel, dreht ſie um und ſezt ſich dieſelbe wie eine Kappe auf den Kopf, ſo daß Pfeffer u. Salz, Eſſig und Oel und Salat in einer ab⸗ ſcheulichen Brühe ihm über Stirn und Geſicht herabfließen. In dieſem Zu⸗ ſtande wirft er ſich der Engländerin zu Füſſen u. macht ihr die überſpann⸗ teſte Liebeserklärung, welche die Eng⸗ länderin, wiewohl der Liebhaber über und über geſalzen und gepfeffert und mit Oel und Eſſig begoſſen war, für höchſt abgeſchmakt erklärt.— Franzö⸗ ſiſche Blätter ſprachen kürzlich von ei⸗ nem Gamin, denn ſie le gamin de Pa- ris par excellence nannten, und der von dem Gerichtshofe ſtand. Sein Na⸗ me iſt Théophile. Als kleiner Junge hatte er damit debütirt, den Obſt händ— lerinen den Krieg zu erklären, hinten auf die Karoſſen zu ſpringen, um die Herrſchaften, die darin ſaßen, zu ver⸗ lpotten u. dgl. Seit lange trieb er in den Kneipen ſein Weſen. Auf der Inſel Saint-Denis war öffentlicher Ball in einem Hotel. Théophile drängt ſich hinein und entwikelt ſeine Talen⸗ te. Es wird Lärm, zwei Gendarmen wollen ihn zur Thür hinausbringen, er rettet ſich, ſtürzt einige Tiſche und Stühle über den Haufen und gewinnt das Freie. Am Strande erwiſchen ihn die Verfolger. Er ergibt ſich ihnen nothgedrungen und geht ruhig zwiſchen ihnen. Auf der Brüke erfaßt er ſchnell den Einen und ſtürzt ſich mit ihm ins


