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glänzendſten Erfolge führen. Ihre glükliche Stimmlage iſt der Parthie vollkommen angemeſſen und daher kam es, daß dieſer Romeo zu einer der in— tereſſanteſten Erſcheinungen auf unſe— rer Bühne geworden. Geſtalt u. Hal⸗ tung voll Anſtand und Adel, der Ge— ſang voll Virtuoſität und Wohllaut, der Vortrag energiſch, jede Note hat— te Charakteriſtik, das Spiel wahrhaft heroiſch und nie kam, wie bei man⸗ cher andern Sängerin, der Renommiſt zum Vorſchein und die Geſammtwir— kung war entſchieden groß. Das Publi⸗ kum war entzükt; Dem. Carl wurde etwa neun Mal ſtürmiſch gerufen, bekränzt und beſungen.— Hr. Stoll (Teobaldo) ſang die erſte Arie emi— nent; auch ſang Demoiſ. Nauch ihren Part(Julie) ſehr löblich. Beide wur— den gerufen. Das Haus war voll. M. Ofen. Eine plözlich ein getretene Heiſerkeit der Mad. Jäger unterbrach die weiteren Spiele des intereſſanten Gaſtes. Und all die bunten muntern Ge— ſtalten des Jokus, die dieſe Künſtle⸗ rin mit einem Schlage um uns gezau— bert hatte, harren in trauriger Un— thätigkeit der beſchwörenden Gebiete— rin.— Am 7. Sept.:„Eine Hütte und ein Herz“, ein Luſtſpiel v. Kur⸗ länder, das ſeiner Längen ungeachtet durch das treffliche Spiel der Mitwir- kenden ſehr anſprach. Dem. Müller war voll Wahrheit und Leben; Herr Thome recht ausdruksvoll, und würdig in der Haltung; Hr. Liebold lebendig und frei in ſeinem Spiel; Hr. Kurt ergözlich.— Am 8. fand eine muſika⸗ liſche⸗deklamatoriſche Abendunterhal— tung ſtatt. Es wurde viel geſprochen und geſungen, auch wohl geſprochen u. gut geſungen. Das zahlreich anweſende Publikum nahm Alles beifällig auf.— Am 11. kam Mad. Birch⸗Pfeiffers Ori⸗ ginal⸗Schauſpiel:„Johannes Gutten—
berg“ zur erſten Aufführung. Darüber ſpreche ich nächſtens. E. Karl Frehmann.
(Arena.) Am 10. Sept.:„Ni⸗ kolo Zaganini.“ Die eigenthümliche, bizarre Perſönlichkeit des berühmteſten Virtuoſen unſerer Zeit dient, als Ka⸗ rikatur, dieſer Poſſe zum Vorwurf. Herrn Juſt's(Zaganini) Maske war überraſchend u. von ſchlagender Wirkung; ſein Spiel auf der Violine eine ſehr gelungene Parodie.— Hr. Seydl war ungemein ergözlich in ſeinem komiſchen Pathos.— Das Arrangement des Gan— zen war überaus glänzend, effektvoll und präzis. Vorher:„Die Zeche“ v. F. Caſtelli. Dieſe Krähnwinkliaden mit ihren Bürgermeiſter-Perrüken und Nathsdiener-Zöpfen ſind ſchon laͤngſt hors de saison, und langweilen jezt in demſelben Grad, als ſie ehedem die Lachluſt der Menge errregten. Herr Seydl war in ſeiner matten Rolle ſehr beweglich.
Frehmann.
Dresden. Anſchütz, der große Wiener Bühnenkünſtler, trat geſtern, hier ſeinen Gaſtrollencyclus beginnend, als Tell auf und bewährte ſeinen al— ten Ruhm. Leider nicht ſo unſere Vüh— ne, da die Beſezung in mehrfacher Hin⸗ ſicht die ſchauderhafteſte war, welche ſich denken läßt. Den Arnold v. Melch⸗ thal, eine Glanzrolle Emil Devrient's und Heckſcher's, gab— Hr. Klauer! Tell's Gattin unſere berühmte Mad. Müller⸗Vachmann! Wie war dem ver— ehrten Gaſte ob dieſer heilloſen Ver— höhnung des Schiller'ſchen Genius zu Muthe geweſen?— Die Schröder— Devrient iſt denn auch zurükgekehrt, aber wie gewöhnlich: krank, ſie will ſich hier kuriren laſſen, und dann eine Erholungsreiſe auf einige Wochen an— treten!— Herr Grohmann, von der Leopoldſtadt aus Wien, iſt hier in ei— nigen Rollen Cmil Oevrient's aufge⸗


