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den„Vormundschaft“ mitgebracht zu haben.— Und in der That, hätte ich das Buch nicht früher geleſen, u. wäre ich nicht ſchon beiläufig darauf vorbe— reitet geweſen, was davon zu halten ſei, ſo würde auch meine Ueberraſchung nicht gering geweſen ſein, wäre mir ur⸗ plözlich ein Prei s⸗Luſtſpiel vorgekom⸗ men, daß faſt in keiner Hinſicht preis⸗ würdig zu nennen iſt. Die Idee iſt weder neu, noch glüklich durchgeführt, eben ſo wenig ſind es die Charaktere, die durchaus nicht ſtichhaltig ſind; die Situationen ſind geſucht, die Ereig⸗ niſſe faſt alle zufällig und die Löſung des Knotens ungemein ſchleppend. Blos in dem Dialoge ſoll das meiſte Ver⸗ dienſt ſteken. Wahr iſt es auch, er iſt fließend und wizig, aber mitunter auch trivial, ſehr trivial und auch derbe Zotenkoſt wird nicht verſchmäht. Und das iſt ein Preisluſtſpiel!l Was muß das für Zeugs geweſen ſein, daß ſo unglüklich oder glüklich war gegen die— ſes Werk durchzufallen? Doch geſtehe ich gerne, daß die ſchäzbaren Verfaſſer eines viel Beſſern fähig ſind; das ha⸗ ben ſie auch mit dem einige Tage vor⸗ her hier gegebenen Luſtſpiel:„der Na⸗ turmenſch“«, das, wie ich ſchon früher erwähnt, allgemein angeſprochen hat, bewieſen. Mögen ſſe daher durch ein— zelne Unfälle ſich nicht abſchreken laſ— ſen und ihren Beruf zu Luſtſpieldich— tern muthig weiter verfolgen.— In der„Vor mundſchaft“ war beſonders Hr. Deſſoir, als Georg Morgenſtern, im Kontraſte mit ſeiner vorhergegangenen Rolle, ſo jovial u. heiter, daß er ſeine Vielſeitigkeit ins ſchönſte Licht ſezte. — Unſer ſchäzbare Gaſt, Hr. Wurda, hat uns verlaſſen. Er erſchien am 7. d. M., als Qualtiero, in Bellinis Oper:„Der Seeräuber“, zum lez⸗ ten Male auf unſerer Bühne. Es war ſeine dritte Veneſize u. das überfüllte
Haus mag beweiſen, wie das Publikum
ſeine Lelſtungen zu würdigen wußte. Hr. Wurda führte ſeinen Part höchſt wirkſam durch. Beſondere Kraft bewähr— te er in den Solopiecen, u. die Schluß⸗ arie vorzüglich war voll Feuer u. ſee⸗ lenvollen Vortrags. Er erhielt die leb⸗ hafteſte Anerkennung und die ihm zu⸗ geflogenen Kränze und die zu ſeinem Lobe vertheilten Verſe mögen nur ein ſchwacher Ausdruk der allgemeinen Ach⸗ tung ſein, die er ſich hier erworben. Möge ſein Verſprechen, wiederzukom— men, bald in Erfüllung gehen!— Würdig zur Seite ſtand ihm unſere geſchäzte Sängerin Mad. Piehl. Sie war ſiegreich in der Durchführung ih⸗ rer ſchwierigen Parthie. Ihr Geſang war voll Geiſt und belebender Wärme. Beſonders trefflich war die große Arie im dritten Akte. Der Beifall, den Anfangs unſere unverbeſſerlichen Zi— ſcher ſtreitig machen wollten, ſprach ſich am Schluſſe einſtimmig aus, u. Mad. Piehl ward nach der erwähnten Arie ſtürmiſch gerufen.—[Nicht minder Er⸗ freuliches kann ich von Hrn. Oberhof⸗ fer melden, der mit ſeiner ſonoren Stimme und ſeinem gediegenen Vor— trage die ſchönſten Proben ſeines ra— ſchen Vorwärtsſchreitens ablegte. Das Publikum, deſſen Liebling dieſer Sän⸗ ger ſchon längſt iſt, läßt es nie an reichlichem Applauſe fehlen.— Geſtern, 12. d. M. ward den Opernfreunden aber— mals ein feſtlicher Abend bereitet. Dem. Henriette Carl hatte ihre Bene⸗ ſize, wozu die Oper„Capuletti und Montecchi“ gegeben wurde, u. in wel⸗ cher die gefeierte Sängerin zum erſten Male den Romeo gab. Ich liefere heute, wegen der ſchleunigen Mittheilung, nur in Kürze das Reſultat. Die Auffaſ⸗ ſung des Partes, ſowohl in muſikali⸗ ſcher als dramatiſcher Hinſſcht, zeugte von jenem Studium u. jener geläuter⸗ ten Anſicht, die bei dieſer Künſtlerin in allen ihren Schöpfungen zu dem


