Jahrgang 
1837
Seite
73
 
Einzelbild herunterladen

Der Schmetterling.

Ein

Flugblatt zum Spiegel.

Mittwoch, 15. Sept.

Theater.

Peſt h.(Demmers Abſchied. Hr. Rott, Regiſſeur der Oper. Neue Stüke. Wurda's lezte Gaſtrolle. Henriette Carl als Romeo.) Herr Friedrich Dem⸗ mer, der ſeit Beginn der gegenwärti⸗ gen Direktion die Regie der Oper führte, verließ, einem andern Berufe folgend(es heißt, er wäre in gleicher Eigenſchaft in das Kärnthnerthor-Thea⸗ ter zu Wien berufen), unſere Bühne. Er hatte am 4. d. M. ſeine Benefize, in welcher er zum lezten Male dieſe Bret ter betrat. Er wählte hiezu:Der Ring des Glükes, romant. Zauber⸗ ſpiel in 3 Akt. von F. C. Weidmann. Muſik v. Kapellm. Grill. Ein ſehr mat⸗ tes Produkt, wie es heißt für die Kräfte eines Wiener Vorſtadttheaters berech net. Die mährchenhafte Handlung hat ſehr wenig Anziehungskraft, wird im mer matter und matter und erſtirbt ganz am Schluſſe. Die Diktion iſt größtentheils in Verſen, wovon die meiſten hart zu verdauender Natur ſind, und ſelten kommt ein Fünkchen Wohl⸗ laut zum Vorſchein. Uebrigens viel Ritterthümliches; Tyrannen, Edel knaben, Burgfräuleins, Trinkchöre, Humpen, einige ritterliche und einige unritterliche Späße, dann aber auch lange Liebesſzenen mit obligaten Seuf⸗ zern und manche Dinge, die gar noch

langweiliger ſind. Das Stük hat nicht gefallen; ſicher aber würde es mißfallen haben, ware die Darſtellung nicht beſ ſer als die Dichtung geweſen. Die H. H. Demmer, Dietrich, Rott, Poſin⸗ ger ge., dann die Damen Kalis-Padjera, Grill ac. waren es, die durch fleißiges und löbliches Spiel dem Publikum ei⸗ nigen Erſaz leiſteten. Auch Hrn. Grills Muſik iſt nicht ohne Verdienſt. Nach der Vorſtellung erhielt Hr. Demmer

von ſeinen Kollegen eine glanzende Se-

renade; wobei die Harmonie nicht nur in der Muſik vorhanden war.(An die Stelle des Hrn. Demmer kommt nun Hr. Rott als Regiſſeur der Oper.) Tags darauf gab's eine in jeder Hinſicht intereſſante Vorſtellung. Ge⸗ geben wurde:Zolky, der alte Stu dent, Schauſp. in 2 Akt. v. Maltitz, hierauf zum erſten Male:Die Vor mundſchaft, Preisluſtſpiel in 2. Akt. von W. A. Gerle u. Uffo Horn. Das erſtere Schauſp. erfreute ſich durch die höchſt ergreifende Darſtellung der Ti telrolle von Hrn. Deſſoir einer unge wöhnlichen Theilnahme. Wir können uns kaum eines gleichen bewegten Ein⸗ druks erinnern, den das tief durchdach⸗ te, Empfindung athmende, kunſtvolle Spiel dieſes wakern Mimen hervor brachte. Der Beifall ſprach ſich ent hu⸗ ſiaſtiſch aus. Das ungemein gerührte Publikum aber ſchien nicht die gehö rige Stimmung zu der darauf folgen⸗