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nahme, welche ihm in Berlin zu Theil
geworden, als Epoche machend in ſei—
ner theatraliſchen Laufbahn bezeichnete. O.
Mignon⸗Zeitung.
Paris. Der berühmte Violiniſt Paganini iſt noch immer krank. Ein Nervenanfall, wahrſcheinlich Folge der Leidenſchaft, mit der er ſein Inſtru⸗ ment ſpielt, ſezt ihn von Zeit zu Zeit in einen Zuſtand gänzlicher Geiſtes⸗ verwirrung. Man konnte in den lez⸗ ten Tagen in mehreren Konzerten, an welchen ſeine Liebe zur Kunſt ihn troz ſeiner Krankheit Theil nehmen laſſen, wohl bemerken, daß Paganini ſich in einem leidenden und ſehr erregten Zu⸗ ſtande befindet; es verriethen dies ſei⸗ ne plözlichen, gewiſſermaßen zukenden Bewegungen und ſein entzündetes Au⸗ ge. Er hat die ausgezeichnetſten Aerz— te der Fakultät zu ſich kommen laſſen; der ſtrengſte Vefehl, der ihm von den⸗ ſelben gegeben zu ſein ſcheint, iſt der: ſich bis auf Weiteres gänzlich von ſeinem Lieblings-Inſtrumente zu trennen. B.
Buntes aus London. Kürz⸗ lich ſtarb im Hoſpital zu Chelſea der älteſte Inwohner dieſer Anſtalt, Ri— chard Taylor, 104 Jahre alt, der 1745 die Schlacht von Culloden als Tambour mitmachte und nachher in Deutſchland unter dem Prinzen Ferdinand und in vielen andern Theilen der Welt, zu— lezt in Egypten unter Sir Ralph Abercrombie, focht.— Auf der Eiſen⸗ bahn von London nach Birmingham fuhren neulich über 500 Menſchen mit einer Geſchwindigkeit von 20 engli—⸗ ſchen Meilen die Stunde, als die Wa— gen einen heftigen Stoß erlitten. Es
war ein Hufeiſen auf bie Schlenen ge— legt worden; zum Glük brach es ent⸗ zwei, und der unter den Rädern ge⸗ bliebene Theil wurde platt gedrükt, ſonſt wären die unglüklichſten Folgen entſtanden. Ein 12 jähriger Knabe hatte ſich den Spaß gemacht, zu ſehen, ob das Hufeiſen brechen würde. Er wurde eingeſperrt, da er die 5 Pfd. Sterl. Geldſtrafe nicht zahlen konnte. — Die kürzlich in London verſtorbene Herzogin von St. Albans, ehemalige Schauſpielerin Miß Mellon, hat ihr ganzes Vermögen von 1,800,000 Pfd. Sterl.(18 Mill. Gulden) der Enke⸗ lin ihres erſten Gemahls, des Ban— kiers Couts, dem ſie ihren Reichthum dankte, vermacht. Dieſe Erbin heißt Miß Angelina Burdett, iſt 26 Jahr alt, und jezt wohl das reichſte Frau⸗ enzimmer in Europa! Vor ihrem To— de wollte die Herzogin ihren Gemahl, den Herzog von Albans, zum Univer- ſalerben einſezen, wenn er Miß An⸗ gelina heirathen wolle; auf ſeine Wei- gerung ſezte ſie dieſe zur Erbin ein, und vermachte ihm nur eine Rente von jährlich 10,000 Pfd. St.(100,000 fl.), mit welcher der arme Mann wenigſtens vor Hunger geſichert iſt. M. Neufchatel. Ein hieſiger rei— cher Vaͤnquier, der ſeinen Kindern 40 Millionen hinterließ, hob, als er eben mit ſeinen Briefen beſchäftigt war, die Feder von der Erde auf, die ſein ver⸗ ſchwenderiſcher Kommis gerade vor ihm
als unbrauchbar weggeworfen hatte. Als er alle durchgeleſen, ſagte er: „ich will Ihnen zeigen, daß dieſe Fe— der noch ſehr gut zu gebrauchen ſei,“ und ſchrieb einem Korreſpondenten, der, anſtatt eine fällige Schuld von 100,000 Franks heimzuzahlen, was ihn unfehl⸗ bar ruinirt hätte, um nachſichtige Barm⸗ herzigkeit bat: daß er ihm von dem Verfallstage einen weitern Kredit auf ein Jahr eröffne. F.
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