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derniſſe zu beſeitigen, und wir hatten acht genußreiche Abende, an welchen Molière's und Marivaux's Geſtalten raſch und lebendig an uns vorübergin—⸗ gen. Wir enthalten uns, zum Lobe dieſer trefflichen Künſtler mehr zu ſa— gen, als daß viele deutſche Schauſpie— ler von ihnen lernen können, was Zu⸗ ſammenſpiel heißt, und wie man me— moriren muß.— Während ſich un—⸗ ſer wakerer Pellegrini in Nürnberg Lorbeeren brach, ſahen wir hier in mehreren Rollen den bekannten Baſſi— ſten Hrn. Reichel, vom Karlsruher Hof— theater. Hr. Reichel beſizt einige Tö— ne von erſchrekender Tiefe, die ihm, verbunden mit ſeiner impoſanten Per— ſönlichkeit, als Saraſtro ſehr zu Stat— ten kommen. Schade, daß ſein Stimm— regiſter mangelhaft und ſeine Schule keine vorzügliche iſt; doch gehört er immer zu den beſſern Künſtlern ſeines Faches. K.
Mignon ⸗Zeitung.
Buntes aus London. Wie das berühmte God save the King die Kompoſition eines deutſchen Meiſters iſt, ſo dürfte in dem Streite, der ſich jezt über die Abänderung der Anfangs— worte dieſes Nationalliedes erhoben hat, eine deutſche Sängerin zulezt den Ausſchlag geben. Gegen die erwähnte Aenderung der zweiten Zeile in, victo- ria, England's Queen“ wird nämlich nicht ohne Grund bemerkt, daß dadurch der proſodiſchen Quantität des Namens der Königin Gewalt geſchehe. Nun hat Mad. Schröder⸗Devrient in Drurylane mit geringerer Aenderung des urſprün— lichen Textes geſungen:„Long live our noble Queen!“ Indeſſen fehlt ſo der Name ganz, und die Engländer nehmen es in ſolchen Dingen gar ge— nau.— In der Nähe von Chelſea leb⸗ te eine Frau von mehr als 80 Jahren,
die in ihrem Wahnfinn ſich für die Königin von England hielt. Bei dem Tode des Königs ſchlug ſie ihre Woh— nung ſchwarz aus; am Tage des Lei⸗ chenbegängniſſes ging ſie zu Fuß nach Windſor, kam eben ſo am andern Tag zurük, und ſtarb an den Folgen die— ſer Anſtrengung.— In einem hieſi⸗ gen Journal findet ſich folgender Hei— rathsantrag:„Ein Gentlemann von mittlerem Alter und echt waidmänni— ſchen Manieren, welche in einer von den vorzüglichſten Jagdgegenden Eng—⸗ lands wohnt, und deſſen Haupt- und Lieblingsbeſchaftigung das edle Waid— werk iſt, wünſcht ſich mit einem, eine gleiche ausſchließende Vorliebe für das— ſelbe hegende Frauenzimmer, ehelich zu verbinden. Auf Vermögen und Schön— heit ſieht er nicht. Erſteres, wenn die Dame welches beſizt, mag ihr zu eigen bleiben; die Zweite iſt zwar nicht un⸗ willkommen, aber kein Erforderniß. Guter Humor, ein kleiner Fuß und ein feſter und leichter Siz beim Ja—⸗ gen, dies ſind die Hauptbedingungen, welche erheiſcht werden. Da dieſer Hei— rathsantrag von einem Fuchs⸗, aber keineswegs von einem Vermögensjäger herrührt, ſo läßt ſich erwarten, daß ſich Niemand beigehen laſſen wird, ei— ner eiteln Neugierde halber Erkundi— gung einzuziehen. Nachſchrift: Eine mit rothen Haaren kann ſich der Mü— he des Meldens überheben, nicht min— der können auffallende Blonde ſchön zu Hauſe bleiben. Die Kanzleiſtunden ſind von 10 bis 12 Uhr Vormittag u. von 4 bis 6 Uhr Nachmittag. Auf der Gaſſe bin ich für Niemand zu Hauſe.“ — Ein Brautpaar ging, um ſich trauen zu laſſen, in England in die Kirche. Bei der Ankunft daſelbſt war der Geiſt— liche noch nicht zugegen u. man muß⸗ te warten. Die Hochzeitsgäſte ſezten ſich und lachten über dieſen Zufall, der Bräutigam dagegen ging hieraus, um


